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Erste Bilanz: Sowjetunion verliert 66 Flugplätze und 1200 Flugzeuge

Von Jon Mettler, Stéphanie Fuchs. Aktualisiert am 22.06.2011 10 Kommentare

Vor 70 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Das «Unternehmen Barbarossa» bedeutete nicht nur Massenmord durch das Hitler-Regime, sondern auch die Wende zugunsten der Alliierten. Erleben Sie diesen historischen Tag noch einmal – in Echtzeit im Liveticker.

1/22 Die Offensive der Deutschen auf die Sowjetunion begann am 22. Juni 1941: Deutsche Soldaten greifen ein russisches Dorf an. (26. Juni 1941)
Bild: Keystone

   

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Die Autoren

Stéphanie Fuchs studiert Geschichte an der Universität Bern. Für ihre Masterarbeit «Ich bin kein Nazi, aber Deutscher» hat sie tausende Seiten von Quellenmaterial ausgewertet, das von deutschen Offizieren in amerikanischer Kriegsgefangenschaft entstanden ist.

Jon Mettler ist Leiter von bernerzeitung.ch. Seit seiner Jugend beschäftigt er sich intensiv mit dem 2. Weltkrieg und dem Nationalsozialismus.

Quellenangabe

Für diesen Ticker werden folgende Quellen verwendet:

Antony Beeover. Stalingrad. Orbis 2002.

Stephan Burgdorff/Klaus Wiegrefe (Hg.). Der 2. Weltkrieg. Wendepunkt der deutschen Geschichte. Deutsche Verlags-Anstalt 2005.

Raymond Cartier. Der Zweite Weltkrieg. Band 1. 1939-1941. Piper

Richard J. Evans. Das Dritte Reich. Krieg. DTV 2010.

Gabriel Goldoletsky. Die grosse Täuschung. Hitler, Stalin und das Unternehmen «Barbarossa». Siedler Verlag 1999.

Manfred Hildermeier. Geschichte der Sowjetunion. 1917 – 1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. C.H. Beck 1998.

Ian Kershaw. Wendepunkte. Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg. Random House 2008, 2. Auflage.

Ingeborg Fleischhauer: Diplomatischer Widerstand gegen «Unternehmen Barbarossa». Die Friedensbemühungen der Deutschen Botschaft Moskau 1939–1941.

Schwere Zeiten für den Frieden – Als vor 70 Jahren der Hitler-Stalin-Pakt geschlossen wurde, sah ein deutscher Diplomat böses Unheil nahen, Moskauer Deutsche Zeitung vom 2. November 2009.

Gerd R. Ueberschär, Wolfram Wette (Hrsg.): Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion – «Unternehmen Barbarossa» 1941.

Wolfram Wette: Die propagandistische Begleitmusik zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, in: Gerd R. Ueberschär, Wolfram Wette (Hrsg.): Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. «Unternehmen Barbarossa» 1941.

Andreas Zellhuber: «Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu…». Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die deutsche Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion 1941–1945.

Moskauer Deutsche Zeitung, Ausgabe vom 11. Februar 2009

  • 23:59 Uhr  

    Moskau: Der Grad der militärischen Materialverluste auf sowjetischer Seite beläuft sich am 22. Juni 1941 auf 66 Flugplätze und über 1200 Flugzeuge.

  • 21:15 Uhr  

    Moskau: Die sowjetische Seite erlässt Direktive Nummer 3. Diese verlangt den bedingungslosen Gegenangriff und den Kampf ins Feindesland zu tragen.

  • Ausschnitte aus Churchills Rede  

  • 21:00 Uhr  

    London: Der britische Premierminister Winston Churchill hält seine Rede. Beschimpfungen gegen Hitler und Mitgefühl für das russische Volk prägen die Ausführungen. Von seinem Sekretär auf die warmen Worte für den «alten Feind» Russland hingewiesen, erwidert Churchill: «Falls Hitler eine Invasion der Hölle beginnen sollte, würde ich im Unterhaus dem Teufel zumindest ein positives Zeugnis ausstellen. »

    Auszüge aus der Rede:

    «[…] Heute um vier Uhr morgens fiel Hitler in Russland ein. Alle Formalitäten der Treulosigkeit waren genauest eingehalten worden. […] Hitler ist ein Ungeheuer an Verruchtheit, unersättlich in seiner Blut- und Raubgier. Nicht zufrieden damit, Europa den Fuss auf den Nacken gesetzt zu haben oder es mit den verschiedenen Formen gemeiner Unterwerfung zu terrorisieren, muss er sein Werk des Niedermetzelns und Verwüstens auch an den ungeheuren Massen Russlands und Asiens üben. Die schreckliche Militärmaschine, die wir und der Rest der zivilisierten Welt in törichter, gedankenloser und unvernünftiger Weise der Nazibande Jahr für Jahr fast aus dem Nichts aufzubauen erlaubten, kann nicht ungenutzt bleiben, wenn sie nicht verrosten oder in Stücke fallen soll. […] Und so muss dieser blutdürstige Strassenjunge [Hitler] für seine mechanisierten Armeen neue Gebiete finden, um metzeln, plündern und verwüsten zu können. […] Niemand war ein folgerichtigerer Gegner des Kommunismus als ich in den letzten fünfundzwanzig Jahren. Ich nehme kein Wort von dem zurück, was ich darüber gesagt habe. Aber dies alles verblasst vor dem Schauspiel, das sich nun abspielt. Die Vergangenheit mit ihren Verbrechen, ihren Narrheiten und ihren Tragödien verschwindet im Nu. »

    Churchills Rede auf Englisch

  • Video  

  • 15:00 Uhr  

    Berlin: Im Olympiastadion wird vor 100‘000 Zuschauern das Fussballspiel um den deutschen Fussballmeistertitel angepfiffen. Wiener Rapid und die Gelsenkirchener Schalke 04 stehen auf dem Platz. Rapid gerät bis zur 60. Minute mit 0:3 in Rückstand, gewinnt das Spiel aber noch mit 4:3.

  • Hintergrund  

    Mehr zum «Unternehmen Barbarossa» erfahren Sie hier.

  • Rede von Molotow  

  • 12:15 Uhr  

    Moskau: Die sowjetische Regierung meldet sich zu Wort, jedoch spricht nicht Josef Stalin, sondern der sowjetische Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow. Molotow erklärt, dass die Grenzen Russlands von den deutschen Truppen überschritten wurden und bestätigt die Bombardierung von Schitomir, Kaunas, Kiew und Sewastopol. 200 Menschen seien getötet oder verwundet worden. In seiner Rede erinnert er an die Niederlage Napoleons im Jahre 1812. Zudem ruft er die Bevölkerung auf, zu den Waffen zu greifen. Doch der Inhalt der Rede entspricht nicht dem Auftritt Molotows. Er wirkt angsterfüllt und die Rede weckt in der Bevölkerung nicht die Kampfeslust sondern stürzt die Leute in Bestürzung und Panik. Kriegerische Kundgebungen bleiben breitflächig aus.

    Unter anderem teilt er mit:

    «Heute um vier Uhr früh (Moskau-Zeit, die Red.) haben deutsche Truppen, ohne irgendwelche Forderungen an die Sowjetunion zu stellen und ohne Kriegserklärung, unser Land angegriffen. […] Wir vertreten eine gerechte Sache. Der Fein wird geschlagen werden. Wir werden siegen.»

  • 07:15 Uhr  

    Ostfront: Erst jetzt wird jegliches Bemühen von sowjetischer Seite eingestellt, die Situation noch zu verändern und abzuwenden. Die einzelnen Fronten bekommen die Erlaubnis, Aufmarschbefehle auszuführen. Die Luftstreitkräfte, welche bereits durch deutsche Angriffe geschwächt worden sind, sollen die Führung übernehmen und die deutschen Truppen und die Luftwaffe am Vordringen hindern. Die Befehle werden jedoch nie umgesetzt.

  • 07:15 Uhr  

    Moskau: Direktive Nummer 2 wird vom Diktator Josef Stalin ausgegeben: Weisung an alle Militärbezirke und Auftrag an die Rote Armee «alle Kräfte und Mittel zu nutzen, um sich dem Feind, wo er die sowjetische Grenze verletzt hat, entgegenzuwerfen und ihn zu vernichten».
    Eine sowjetische Offensive wird jedoch nicht angeordnet: «Bis weitere Befehle ergehen, werden Bodentruppen nicht die Grenze überqueren.»

  • 07:00 Uhr  

    Moskau: Alle Mitglieder des Politbüros sind im Kreml versammelt. Der sowjetische Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, wird beauftragt, im Rundfunk zu sprechen. Stalin erörtert mit Molotow, dem Marschall der Sowjetunion, Kliment Jefremowitsch Woroschilow, und den Politbüro-Mitgliedern Lasar Kaganowitsch und Georgij Malenkow die Situation.

  • 06:00 Uhr  

    Berlin: Der deutsche Aussenminister Joachim von Ribbentrop gibt der internationalen Presse den Inhalt der Note bekannt, die er am frühen Morgen dem sowjetischen Botschafter Wladimir Georgijewitsch Dekanosow überreicht hat.

  • Russland-Fanfare  

  • Nach 05:30 Uhr  

    Erstmals leitet die Russland-Fanfare die «Radio-Sondermeldungen» des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) ein.

  • Die Deutsche Wochenschau vom 25. Juni 1941  

  • Joseph Goebbels  

    Bild: Keystone

  • 05:30 Uhr  

    Berlin: Reichspropagandaminister Joseph Goebbels liest über alle deutschen Sender die Erklärung Adolf Hitlers über die Gründe des Angriffs auf Russland vor.

    Diese endet mit folgenden Sätzen:

    «In diesem Augenblick vollzieht sich ein Aufmarsch, der in Ausdehnung und Umfang der grösste, ist, den die Welt bisher gesehen hat. Im Verein mit finnischen Kameraden stehen die Kämpfer des Siegers von Narvik am Nördlichen Eismeer. Deutsche Divisionen unter dem Befehl des Eroberers von Norwegen schützen gemeinsam mit den finnischen Freiheitshelden unter ihrem Marschall den finnischen Boden. Von Ostpreussen bis zu den Karpaten reichen die Formationen der deutschen Ostfront. An den Ufern des Pruth, am Unterlauf der Donau bis zu den Gestaden des Schwarzen Meeres vereinen sich unter dem Staatschef Antonescu deutsche und rumänische Soldaten. Die Aufgabe dieser Front ist daher nicht mehr der Schutz einzelner Länder, sondern die Sicherung Europas und damit die Rettung aller. Ich habe mich deshalb heute entschlossen, das Schicksal und die Zukunft des Deutschen Reiches und unseres Volkes wieder in die Hand unserer Soldaten zu legen. Möge uns der Herrgott gerade in diesem Kampfe helfen!»

    Die Proklamation des Führers im Wortlaut

  • 05:30 Uhr  

    Moskau: Der deutsche Botschafter Graf Friedrich Werner von der Schulenburg verlässt den Kreml.

  • Graf Friedrich Werner von der Schulenburg  

    Bild: zvg

  • 05:00 Uhr  

    Moskau: Der deutschen Botschafter Graf Friedrich Werner von der Schulenburg betritt den Kreml und erklärt dem sowjetischen Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, unter Bedauern, dass der Krieg begonnen habe. Auch nachdem Molotow dies an Stalin weitergeleitet hat, verwehrt Stalin nach wie vor jegliches Eingreifen.

  • Adolf Hitler  

    Bild: Keystone

  • 04:30 Uhr  

    Ostfront: Deutsche Artillerie beschiesst sowjetische Städte und die sowjetische Luftwaffe ist bereits in ihren Bodenstellungen zerstört.

    Moskau: Verteidigungsminister und Generalsstabschef der Roten Armee, Georgi Konstantinowitsch Schukow, und Volkskommissar für Verteidigung, Semjon Konstantinowitsch Timoschenko, kommen in Stalins Büro zusammen. Ebenfalls anwesend sind nebst dem Diktator: der Volkskommissar Lew Sacharowitsch Mechlis, der Marschall der Sowjetunion Kliment Jefremowitsch Woroschilow, der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow und der Chef des sowjetischen Geheimdienstes, Lawrenti Berija.
    Stalin reagiert fassungslos und hält nach wie vor an der Illusion fest, dass der Angriff nur eine Provokation der deutschen Generäle ist. «Hitler weiss sicher nichts davon», wird Stalin zitiert. Er fordert Molotow auf, mit dem deutschen Botschafter Graf Friedrich Werner von der Schulenburg zu sprechen.

  • Winston Churchill  

    Bild: Keystone

  • 04:00 Uhr  

    London: Der britische Premierminister Winston Churchill wird geweckt und reagiert entsprechend verärgert: «Ich habe doch ausdrücklich gesagt, dass man mich nicht wecken soll, ausser im Falle einer Invasion Englands. » Ihm wird trotzdem der Einmarsch der deutschen Truppen in Russland mitgeteilt. Churchill setzt sich daraufhin an seinen Schreibtisch und arbeitet den ganzen Tag über an einer Rede, die er am Abend halten will.

  • Zwischen 3 und 4 Uhr  

    Berlin: Die sowjetischen Botschafter Wladimir Georgijewitsch Dekanosow und Wladimir Nikolajewitsch Pawlow werden in Berlin zum Reichsminister des Auswärtigen, Joachim von Ribbentrop, gebracht. Dekanosow erklärt: «Exzellenz, meine Regierung…» Ribbentrop aber lässt ihn den Satz nicht vollenden: «Herr Botschafter, ich habe Ihnen die Kriegserklärung der deutschen Reichsregierung zu überreichen» und teilt dem Botschafter weiter mit: «Unter dem Eindruck der schweren Bedrohung politsicher und militärischer Art, die von Sowjetrussland ausgeht, hat Deutschland seit heute Vormittag die entsprechende Gegenmassnahmen auf militärischem Gebiet getroffen.»

    Dekanosow erwidert: «Das ist ein frecher, durch nichts herausgeforderter Überfall. Sie werden diesen räuberischen Überfall auf die Sowjetunion noch bereuen. Sie werden das teuer bezahlen.»

    Darauf Ribbentrop: «Sagen Sie in Moskau, dass ich gegen diesen Angriff war.»

  • Zwischen 3 und 4 Uhr  

    Moskau: Telefonat aus dem Büro des deutschen Botschafters Graf Friedrich Werner von der Schulenburg in das Sekretariat des sowjetischen Volkskommissars für Auswärtige Angelegenheiten, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow. Schulenburg hat ein streng geheimes Telegramm erhalten, das ihn anweist, die Funkstation und alles Chiffriermaterial in der Botschaft zu vernichten. Er soll mit Molotow um 5 Uhr zusammentreffen, nach den ersten Gefechten.

  • 03:30 Uhr  

    Moskau: Im Verteidigungsministerium Russlands schrillen die Sondertelefone. Es wird von schwerem deutschem Beschuss längs der gesamten Grenze berichtet. Verteidigungsminister und Generalsstabschef der Roten Armee, Georgi Konstantinowitsch Schukow, holt Stalin aus dem Schlaf, um ihn über die deutschen Angriffe zu informieren. Es wird berichtet, dass es Stalin die Sprache verschlagen haben und nur sein schwerer Atem zu hören gewesen sein soll. Stalin lehnt es zudem ab, Gegenmassnahmen zu gestatten.

  • Geplante Vorstossrichtungen der deutschen Armee  

    Klicken Sie hier, um die Grafik zu vergrössern.

    Grafik: Daniel Barben

  • 03:15 Uhr  

    Deutsch-sowjetische Grenze: Deutsche Flugzeuge und Panzer überqueren die sowjetische Westgrenze. Gewaltiges Artilleriefeuer setzt entlang einer Front, die sich von der Ostsee mehr als 1600 Kilometer weit nach Süden erstreckt, ein. Aufgeteilt in drei Heeresgruppen mit insgesamt 150 Divisionen überqueren über drei Millionen deutsche Soldaten und eine weitere halbe Million Soldaten aus Rumänien und anderen alliierten Ländern an zahlreichen Punkten die Grenze zur Sowjetunion, von der finnischen Grenze im Norden bis zum Hinterland des Schwarzen Meeres im Süden.
    Insgesamt fahren 3600 Panzer, 600'000 Motorfahrzeuge sowie 700‘000 Feldgeschütze und sonstige Artillerie auf. Etwa 2700 Flugzeuge, also über die Hälfte der deutschen Luftwaffe, waren hinter der Frontlinie zusammengezogen worden.

    Die drei Heeresgruppen sind wie folgt aufgeteilt:

    Im Norden: angeführt von Feldmarschall von Leeb mit der Ausrichtung auf Leningrad.

    Im Zentrum: angeführt von Feldmarschall von Bock mit der Ausrichtung auf Smolensk.

    Im Süden: angeführt von Feldmarschall von Rundstedt mit der Ausrichtung auf Kiew.

    In Norwegen ist zudem eine spezielle Heeresgruppe aktiv, welche das Zielt auf Murmansk ausgerichtet hat.

    Die ersten Bodenangriffe beginnen. 500 Bomber, 270 Sturzkampfbomber (Stuka) und 480 Jäger fliegen über sie hinweg nach vorn. Ziel: Die sowjetischen Flugplätze zerstören.

  • Joachim von Ribbentrop während des Nürnberger Prozesses  

    Bild: United States Holocaust Memorial Museum

  • 03:05 Uhr  

    Berlin: Der deutsche Aussenminister Joachim von Ribbentrop übergibt dem sowjetischen Botschafter Wladimir Georgijewitsch Dekanosow eine Note. Der Text rechtfertigt den Angriff damit, dass die Sowjetregierung «entgegen allen von ihr übernommenen Verpflichtungen und im krassen Gegensatz zu ihrer feierlichen Erklärungen» sich «gegen Deutschland gewandt» habe und «mit ihren gesamten Streitkräften an der deutschen Grenze sprungbereit aufmarschiert» sei.

  • 03:00 Uhr  

    Moskau: Der deutsche Botschafter, Graf Friedrich Werner von der Schulenburg, bekommt ein Telegramm, worin steht, dass Deutschland sich gezwungen sehe, «Gegenmassnahmen» gegen den Aufmarsch sowjetischer Truppen zu ergreifen. Er überreicht daraufhin dem sowjetischen Aussenminister Wjatscheslaw Molotow ein Memorandum: Die Sowjetunion habe den Nichtangriffspakt durch den Aufmarsch der Roten Armee an der Grenze, konspirative Tätigkeit der Komintern in Deutschland sowie die Annexion Ostpolens und der baltischen Staaten gebrochen und sei dem Krieg führenden Deutschland damit «in den Rücken gefallen». Die Wehrmacht habe Befehl, «dieser Bedrohung mit allen zur Verfügung stehenden Machtmitteln entgegenzutreten». Das Wort «Kriegserklärung» muss auf Hitlers Befehl vermieden werden; auf Nachfrage Molotows bestätigt Schulenburg aber, dass es sich darum handele. Molotow erwidert: «Das haben wir nicht verdient.»

  • Benito Mussolini  

    Bild: Keystone

  • 03:00 Uhr  

    Rom: Dem italienischen Aussenminister Galeazzo Ciano wird vom deutschen Vertreter Fürst Bismarck ein Schreiben Adolf Hitlers überbracht. Der italienische Diktator Benito Mussolini hofiert derweil in Riccione und wird von Ciano per Telefon über den Inhalt des Briefes informiert. Darin schreibt Hitler: «Ich fühle mich innerlich wieder frei». Er stellt zudem klar, dass der Pakt mit Stalin eigentlich von Anfang an nichts seinem wahren Willen entsprach: «Es schien mir ein Bruch mit meiner ganzen Herkunft, meinen Auffassungen. Ich bin glücklich, dass ich diese Seelenqualen nun los bin.» Der Duce Mussolini gibt umgehend den Befehl, Russland den Krieg zu erklären und Hitler eine italienische Kampfeinheit zur Verfügung zu stellen.

  • 02:30 Uhr  

    Moskau: Nachrichten über einen möglichen deutschen Angriff auf Russland kursieren bereits seit längerem. Deutsche Grenzverletzungen werden immer häufiger. Ein vom Volkskommissar für Verteidigung, Semjon Konstantinowitsch Timoschenko, vorgeschlagenes Ausrücken der Sicherungskräfte lehnt Stalin mit den Worten ab: «Es wäre übereilt, diesen Befehl zu geben, denn es ist vielleicht noch möglich, das Problem mit friedlichen Mitteln zu lösen.»

  • Josef Stalin  

    Bild: Keystone

  • 02:30 Uhr  

    Moskau: Der sowjetische Diktator Josef Stalin lässt den sowjetischen Kommandeuren eine allgemeine Warnung zukommen. Der Eilbefehl, vom Verteidigungsminister und Generalsstabschef der Roten Armee, Georgi Konstantinowitsch Schukow, in aller Eile am Vorabend verfasst, ging an die Kommandeure der 3., 4. und der 10. Armee. Vorsichtig formuliert, um keine von Stalin gefürchtete Provokation heraufzubeschwören, wirkte der Befehl trotzdem bei allen Sicherungskräften wie ein Alarmsignal. Er lautet:

    «1. Im Laufe des 22. und 23.6.41 Überraschungsangriff der Deutschen an den Fronten des LMB [Leningrader Militärbezirk], des Balt. SMB [Baltischen Sondermilitärbezirks], des Westl. SMB, des KSMB [Kiewer Sondermilitärbezirks] und des Od. MB [Odessaer Militärbezirks] möglich. Dem Angriff kann ein provokatorischer Akt vorausgehen.

    2. Aufgabe unserer Truppen: Auf keine provokatorischen Handlungen reagieren, die Komplikationen hervorrufen können…

    3. Ich befehle:
    a) im Laufe der Nacht zum 22.6.41 die Feuerpunkte der befestigten Räume an der Staatsgrenze getarnt zu beziehen;
    b) am 22.6.41 vor dem Morgengrauen die gesamten Fliegerkräfte, darunter die Truppenflieger, auf den Feldflugplätzen zu dezentralisieren und sorgfältig zu tarnen;
    c) alle Truppenteile in Gefechtsbereitschaft zu versetzen. Die Truppen auseinander gezogen und getarnt zu halten. Alle Vorkehrungen zur Verdunklung der Städte und Objekte zu treffen. Ohne besondere Weisung keine weiteren Massnahmen einzuleiten.»

  • 02:00 Uhr  

    Sowjetunion: Ein Zug mit Getreide passiert die Grenze bei Brest-Litowsk in Richtung Westen.

  • Europa im Jahr 1941  

    Klicken Sie hier, um die Karte zu vergrössern.

    Grafik: Daniel Barben

  • 00:01 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit  

    Sowjetunion: Die Rote Armee hat seit einer halben Stunde die Alarmbereitschaft auf die höchste Stufe erhöht.

    Die deutsche Luftwaffe beginnt mit der Bombardierung von Odessa, Kiew und Minsk.

  • 22. Juni 1941  

    Es ist Sonntag.

Erstellt: 22.06.2011, 21:16 Uhr

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10 Kommentare

Peter T. Moor

21.06.2011, 07:40 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Am 3. September 1939 haben Grossbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg erklärt und somit den 2. Weltkrieg ausgelöst. Die Kriegserklärungen waren nur möglich, da weder GB noch F Demokratien waren (und auch heute noch nicht sind), sondern Politokratien. Antworten


Roland K Mooser

20.06.2011, 06:36 Uhr
Melden

Im Winter 1932/33 hat Stalin 10 Mio Menschen ermordet. Das ist einmalig in der Weltgeschichte. Antworten



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