Ein Gedenkjahr der Superlative

Ausbrüche der beiden Weltkriege und der Fall der Berliner Mauer: Im Jahr 2014 Jahr stehen einige wichtige Jahrestage an. Deutschland als einer der Hauptbeteiligten tut sich damit noch schwer.

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Hundert Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs, 75 Jahre Ausbruch des Zweiten, 25 Jahre Fall der Mauer: 2014 gibt es eine ganze Reihe von Jahrestagen, mit denen an Ereignisse erinnert wird, die für die Weltgeschichte von erheblicher Bedeutung waren.

In vielen Ländern steht schon fest, wann und wo Gedenkveranstaltungen mit prominenter internationaler Beteiligung stattfinden werden. Deutschland als einer der Hauptbeteiligten tut sich noch schwer.

Das hängt nicht nur mit den besonderen Umständen der deutschen Geschichte zusammen, sondern auch damit, dass die Bildung der neuen Bundesregierung länger dauerte als gedacht. Die Planungen in Kanzleramt, Auswärtigem Amt und verschiedenen anderen Ministerien laufen längst.

Mangels ordentlicher Regierung wurde bislang aber kaum etwas entschieden. Nun muss sich die Grosse Koalition zügig auch ums grosse Gedenkjahr kümmern.

Auftakt mit D-Day

Von Vorteil ist dabei, dass es mit den Jubiläen erst in einigen Monaten richtig losgeht. Auftakt ist am 6. Juni, wenn sich auf Einladung von Frankreichs Präsident François Hollande Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in der Normandie versammeln, um an den 70. Jahrestag der Landung der Alliierten zu erinnern. Der «D-Day» war einer der Wendepunkte von Weltkrieg Nummer zwei.

Drei Wochen später jährt sich das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand zum 100. Mal, Auslöser von Weltkrieg Nummer eins. In Sarajevo, dem Ort des Geschehens, wird es eine grosse internationale Zeremonie geben. Wer für Deutschland an den ersten beiden grossen Gedenkterminen 2014 teilnehmen wird, ist noch nicht bekannt.

Fest steht hingegen, dass Joachim Gauck später im Sommer viel unterwegs sein wird. Auf den Bundespräsidenten kommt es in einem solchen Jubiläumsjahr besonders an. Anfang August trifft sich Gauck mit Hollande an einer der Stätten, die im Ersten Weltkrieg schwer umkämpft waren: dem Hartmannswillerkopf, wie die älteren Elsässer sagen. Auf Französisch heisst der Berg, wo 30 000 Soldaten starben, Vieil Armand.

Gedenkfeiern und Reden

Anschliessend geht es für Gauck zu einer Gedenkfeier nach Belgien, dann wahrscheinlich nach Grossbritannien und vielleicht auch noch nach Russland. In Planung ist zudem eine europaweite Schweigeminute.

Was die Veranstaltungen zum Ersten Weltkrieg in Deutschland angeht, steht bislang nur ein Termin Ende Juni in Schloss Bellevue in den Büchern. Gauck will dort eine Grundsatzrede halten. Massstab dafür ist die Rede, die Vorgänger Richard von Weizsäcker 1985 zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai hielt.

Gauck will nach Angaben aus seiner Umgebung den «Bogen der letzten hundert europäischen Jahre» schlagen - vom Ersten Weltkrieg mit seinen 15 Millionen Toten bis zur heutigen Europäischen Union mit all ihren Problemen.

Selbst für einen wie Gauck, der mit Worten umgehen kann, keine einfache Aufgabe. Am Konzept wird längst gearbeitet. In seiner Weihnachtsansprache dürfte er das Thema schon einmal anreissen.

Unterschätzt Deutschland die Bedeutung?

Dann dürfte es auch um den Beginn des Zweiten Weltkriegs gehen, der sich zum 75. Mal jährt. Wichtigster Termin ist der 1. September, wenn in Danzig an den deutschen Angriff auf Polen erinnert wird - für Angela Merkel eigentlich ein Muss.

Bislang heisst es von ihr aber nur allgemein: «2014 gibt es eine grosse Anzahl historischer Ereignisse, derer im In- und Ausland gedacht werden wird. Die Bundesregierung wird sich in angemessener und würdiger Form beteiligen.»

Trotzdem sorgen sich einige Historiker, dass die deutsche Politik die Bedeutung des Gedenkjahres immer noch nicht ganz erfasst hat. Der Vorsitzende des deutschen Historikerverbandes, Martin Schulze Wessel, mahnt: «Welche Themen in Deutschland aufgegriffen werden und welche ignoriert bleiben, wird in den geschichtsbewussten Nachbarländern Deutschlands im Westen wie im Osten genau registriert.»

Mauerfall-Gedenken weniger problematisch

Am einfachsten wird für Deutschland dann wohl der letzte grosse internationale Gedenktermin 2014: Am 9. November ist es genau 25 Jahre her, dass die Berliner Mauer fiel. Einladungen wurden bislang noch keine verschickt.

Alles andere als eine Feier mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt wäre aber eine grosse Überraschung. Und in Berlin hofft man darauf, dass dieses Mal auch Barack Obama kommt. Die 20-Jahr-Feiern hatte der US-Präsident noch geschwänzt. (wid/sda)

Erstellt: 26.12.2013, 14:56 Uhr

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