Bei den Frühmenschen gingen die Frauen auf Männersuche
Von Barbara Reye. Aktualisiert am 03.06.2011 2 Kommentare
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Bisher ging man davon aus, dass unsere Urahnen den aufrechten Gang vor allem nutzten, um weite Strecken zurückzulegen. Doch nun berichtet ein Forscherteam in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Nature», dass vermutlich nicht alle davon Gebrauch machten. Der Studie zufolge suchten weibliche Individuen vermutlich öfters das Weite als ihre männlichen Kollegen. Und aus Reproduktionsgründen streiften sie durch die afrikanische Savanne.
«Etwa jede zweite Frau verliess den Ort, an dem sie einst aufgewachsen ist, und schloss sich einer fremden Gruppe an», sagt Daryl Codron von der Universität Zürich, der zusammen mit Forschern aus den USA und Deutschland prähistorische Zahnfunde analysierte und zu diesem Schluss kommt. Bei Männern sei dagegen nur jeder Zehnte auf Wanderschaft gegangen.
Wie bei den Schimpansen
Zuvor hatten Experten stets nur indirekt auf den Lebensbereich früher Vormenschen schliessen können, indem sie etwa deren Körperbau oder den Herkunftsort des Rohmaterials der gefundenen Steinwerkzeuge untersuchten. Nun konnten sie erstmals anhand der Isotopenanalyse der Zähne Rückschlüsse ziehen, inwieweit unsere Vorfahren während des Pliozäns und am Anfang des Pleistozäns, vor etwa 3,5 bis 1,8 Millionen Jahren, sesshaft waren. Dazu untersuchten sie jeweils mehrere 2,8 bis 2,0 Millionen Jahre alte Zähne von Australopithecus africanus und 1,9 bis 1,4 Millionen Jahre alte Zähne von Paranthropus robustus, die aus Höhlen bei Sterkfontein und Swartkrans in Südafrika stammten. Mit dem Resultat, dass die kleineren Zähne, die sie den Frauen zuordneten, im Gegensatz zu denen von männlichen Individuen nicht-regionale Strontiumsignaturen aufwiesen.
Um das Migrationsverhalten der Frühmenschen zu erkunden, haben sie die Zusammensetzung von Strontiumisotopen gemessen. Denn Strontium wird abhängig vom geografischen Ort in unterschiedlichen Isotopenverhältnissen mit der Nahrung aufgenommen und in den Zähnen eingelagert. Da die Entwicklung der Zähne im Kindesalter abgeschlossen ist, verändert sich das Isotopenverhältnis danach nicht mehr und verrät somit die Herkunft. Wie die Universität Zürich in ihrer Pressemitteilung berichtet, ähnelt das festgestellte Verbreitungsmuster der weiblichen Individuen jenem bei Schimpansen, Bonobos und vielen Menschengruppen, unterscheidet sich aber von dem der Gorillas und anderer Primaten. Dies bedeute, dass die Sozialstruktur der Frühmenschen wahrscheinlich nicht jener von Gorillas ähnelte, bei denen eines oder wenige Männchen eine Gruppe von Weibchen dominieren.
Mit Laser auf den Zahn fühlen
Erstmals angewandt wurde eine Methode, bei der kleinste Mengen Zahnschmelz mit einem Laser abgetragen und in einem Massenspektrometer analysiert werden. «Die Zähne werden dabei kaum zerstört, sodass nur winzige, kaum sichtbare Kratzspuren auf den wertvollen, äusserst raren Fundstücken sichtbar sind», sagt Daryl Codron.
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Fortbewegung auf zwei Beinen nicht nur aus der Notwendigkeit entstanden ist, grosse Entfernungen zurückzulegen. Laut einer Mitteilung der University of Colorado, Boulder, seien die Forscher jedoch überrascht, dass die Männer damals eine Art «Stay-at-Home»-Typ waren, während die «Mädels den Geist der Rastlosen» verkörperten und sich ihre Männer woanders suchten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.06.2011, 19:56 Uhr
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2 Kommentare
Es stellt sich die Frage, ob diese Frauen freiwillig sich anderen Gruppen anschlossen oder getauscht wurden. In archaischen Strukturen heute noch üblich, wird mit Heiratspolitik gegen Notzeiten abgesichert. Zudem dürften diese Menschen schon um einen gesunden Genpool gewusst haben. Antworten
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