Wirtschaft
Stanford-Kunden stürmen Banken in Antigua und Caracas
In der venezolanischen Hauptstadt Caracas strömten gestern besorgte Kunden in die Filialen der Stanford International Bank. Nach Angaben der Regulierungsbehörden haben die Bürger des lateinamerikanischen Landes rund 2,5 Milliarden Dollar bei der Bank angelegt. Damit stamme schätzungsweise ein Drittel der dort investierten Gelder von Venezolanern. Die Reichen des Landes investieren ihr Geld oft im Ausland, da sie politische Krisen in dem von dem sozialistischen Präsidenten Hugo Chavez regierten Venezuela fürchten.
Auf der Karibikinsel Antigua standen mindestens 600 Menschen vor einer Filiale der Bank of Antigua Schlange. Das Institut ist ebenfalls Teil des Finanzimperiums Stanfords. Auf Antigua und Barbuda ist der 58-jährige Milliardär der grösste private Arbeitgeber. Der Ministerpräsident des Inselstaates, Baldwin Spencer, sagte, die Vorwürfe könnten katastrophale Auswirkungen haben. Gleichzeitig rief er die Bevölkerung jedoch auf, nicht in Panik zu verfallen.
Betrugsvorwürfe gegen den Milliardär
Wo sich Stanford aufhält, war unterdessen unklar. Laut einem Bericht des Fernsehsenders CNBC versuchte er einen Privatjet zu mieten, um von Houston nach Antigua zu fliegen. Die Leasingfirma habe jedoch seine Kreditkarte nicht akzeptiert. Stanford ist sowohl Bürger Antiguas als auch der USA. Das Magazin «Forbes» schätzte das Privatvermögen Stanfords im vergangenen Jahr auf 2,2 Milliarden Dollar.
Die SEC wirft Stanford vor, hochverzinste Einlagenzertifikate im Wert von acht Milliarden Dollar in betrügerischer Absicht vertrieben zu haben. Das Modell wird bereits mit dem mutmasslichen 50-Milliarden-Dollar-Betrug des Finanzjongleurs Bernard Madoff verglichen. Alt-Bundesrat Adolf Ogi, der seit letztem April dem Beirat der Stanford Financial Group angehörte, ist gestern wegen des Betrugsverdachts aus dem Gremium ausgetreten. (raa/sda/)
Erstellt: 19.02.2009, 09:50 Uhr
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