Wirtschaft

Englische Topbanker entschuldigen sich für Krise: «Wir haben viel Geld vernichtet»

Mit hängenden Köpfen entschuldigen sich die ehemaligen Chefs von Englands grössten Banken für die Finanz-Misere. Vor dem Parlament sprachen sie sich für eine Reform der Bonussysteme aus.

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Es tut uns leid: Lord Stevenson, Andy Hornby, Sir Fred Goodwin and Sir Tom McKillop, von links nach rechts (Quelle: Reuters).


Sir Fred Goodwin, Ex-Chef der Royal Bank of Scotland (RBS), welche jetzt zu 70 Prozent dem Staat gehört, entschuldigt sich in einer parlamentarischen Anhörung für «all das Leid, das verursacht wurde». Der Banker betont aber auch, dass er selber ebenfalls Millionen verloren habe und den Kollaps der Kreditmärkte in diesem Ausmass nicht habe voraussehen können.

Auch Andy Hornby, früherer Chef bei HBOS, entschuldigt sich für die Ereignisse, welche zur Übernahme seiner Bank durch Lloyds TSB geführt haben. Er hält allerdings auch fest, dass er nicht persönlich für die Krise verantwortlich gemacht werden könne.

«Sehr viel Geld vernichtet»

Lord Dennis Stevenson, ehemaliger HBOS-Vorstandschef, fügt hinzu: «Wir haben sehr viel Geld vernichtet, das tut uns sehr leid». «Bei unseren Arbeitskollegen aber auch bei den Kunden hat grosse Angst und Unsicherheit geherrscht. Für das möchte ich mich ebenfalls entschuldigen». «Wir bedauern die Wende der Ereignisse zutiefst, und ich möchte sagen, ohne jede Einschränkung», erklärt er bei einer Anhörung vor dem Finanzausschusses in London.

Änderung der Prämienzahlungen

Alle Banker sind sich einig: Es braucht ein neues System, was die Boni betrifft. «Es gibt keinen Zweifel, dass die Systeme der Prämienvergütung bei vielen Banken auf der Welt in den letzten 24 Monate falsch waren», sagt Sir Fred Goodwin. Er selber akzeptiert seine Verantwortlichkeit und bestätigt, dass er letztes Jahr keinen Bonus erhalten habe.

Hornby sprach sich für eine Änderung der Prämienzahlung aus. Die Boni sollten sich an der mittelfristigen Entwicklung der Bankenaktien richten. Vor dem Parlamentsgebäude protestierten Bankbeschäftigte für die volle Auszahlung ihrer Prämien für 2008. Premierminister Gordon Brown hatte sie zuvor zum Verzicht aufgerufen.

Die Ex-Manager und Abgeordneten wurden auf dem Weg zur Befragung vor dem Gebäude von einer Gewerkschaftsdemonstration empfangen. «Erinnern Sie sich an uns?», hiess es auf ihren Plakaten. «Sie haben unsere Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt».

Im Ausschuss herrschte dichtes Gedränge. Viele Zuhörer mussten stehen.

Anfang Oktober hatte die Regierung mehrere Banken mit einer Finanzspritze über 37 Milliarden Pfund vor dem Kollaps gerettet. Die drei Banken RBS und Lloyds TSB sowie HBOS wurden dabei teilverstaatlicht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2009, 16:37 Uhr

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8 Kommentare

Rosemarie Jensen

12.02.2009, 19:42 Uhr
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" Die Gentleman bitten zur Kasse " ein alter Film aus den 60ger Jahren, immer smart, immer nobel und immer royalistisch, das zeichnet die Briten aus. Die Bitte um Entschuldigung gehoert naruerlich auch dazu und das alles auf einem ganz hohen Niveau, ein Lehrbeispiel fuer den Rest der alten Welt, niemand beherrscht es so, wobei ein wenig trickie ist dabei aber es gehoert auf angenehme Weise dazu. Antworten


Julia Grütter

11.02.2009, 22:25 Uhr
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Hut ab vor den englischen Managern im obigen video. Was die Amerikaner und auch die Briten haben, ist endlich die Bereitschaft zu schonungsloser, ehrlicher öffentlicher und tatsächlich glaubwürdiger Selbstkritik. Das wünsche ich mir von UBS, CS und all den Anderen. Antworten


Peter Steinemann

11.02.2009, 21:44 Uhr
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Der Niedergang der SPEZIES "Banker" beschleunigt sich. Der Staat hat Diese ... nicht nur geduldet, sondern davon profitiert. Damit hat aber die Obrigkeit-Gläubigkeit ihren Horzont überschritten ! UND ... ? Der Steuerzahler ist der 3-fach Betrogene: - mit den Steuern zahlt er die Boni, - mit dem fehlenden Bank-Vertrauen die höheren Kreditkosten, - und durch den Jobabbau kriegt er den Rest Antworten


Otto Eisenring

11.02.2009, 20:53 Uhr
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Die sog. "Entschuldigung" der englischen Banker war eine reine PR-Aktion. Ausser dem "Tagi" scheinen es alle Zuschauer bemerkt zu haben. Sogar die Mitglieder des Finanzausschusses, welche selbst eine klaegliche Vorstellung gaben, glaubten nicht an die Ehrlichkeit der Banker, die offensichtlich einstudierte Texte vorlasen. Antworten


Müller Katharina

11.02.2009, 19:51 Uhr
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Stefan Meier. Bravo, endlich einmal jemand, der auch weiss, dass man sich nicht selbst entschuldigen kann, sondern um Entschuldigung bitten muss Antworten


Stefan Meier

11.02.2009, 16:45 Uhr
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Richtig heisst es eben: "Ich bitte um Entschuldigung" und nicht "ich entschuldige mich". "Entschuldigen", das kann nur das Gegenüber. Aber von Bankern so viel Wissen zu verlangen, wäre ja auch zuviel verlangt. Aber zur Belohnung, dass sie "Entschuldigung" wenigstens richtig buchstabieren können, sollten wir sie mit Boni überhäufen. Antworten


Peter Fischer

10.02.2009, 23:52 Uhr
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Was Schweizer von den 'United Bandits of Switzerland' den grössten Finanz-Mafiosis der Welt erwarten dürfen? Tja: was wohl kann man schon von Mafiosis erwarten... ausser ne Kugel in den Rücken! Aber seit weiterhin so nett mit diesen Gaunern und Ihr Schweizer werdet euch noch leidenschaftslos und vor allem unaufgeregt über mehr als nur den Totalverlust von etwas mehr als 70 Milliarden wundern... Antworten


Hans R. Leutwyler

10.02.2009, 16:20 Uhr
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Die Engländer als alteingesessene Gentlemen wagen den Schritt an die Oeffentlichkeit um sich zu entschuldigen. Barack Obama meldet sich über seinen Fehltritt Tom Daschle als Gesundheitsminister zu nominieren mit einem offiziellen "I screwed up things" . Was dürfen wir Geschädigte von den Schweizer Bankern erwarten? Antworten




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