Die Bank, die schon vor fünf Jahren vor Madoff warnte
Von David Vonplon. Aktualisiert am 17.12.2008 26 Kommentare
Nicht alle trauten ihm über den Weg: Wallstreet-Banker Bernard L. Madoff, der 50 Milliarden ergaunerte.
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US-Börsenaufsicht räumt Fehler ein
Der Chef der US-Börsenaufsicht SEC hat im milliardenschweren Betrugsskandal um den Investor Bernard Madoff Fehler eingeräumt. Gleichzeitig kritisierte SEC-Chef Christopher Cox seine Mitarbeiter in ungewöhnlich scharfer Form. Diese hätten es im vergangenen Jahrzehnt viele Male versäumt, trotz glaubhafter Anschuldigungen Hinweisen über ein Fehlverhalten des früheren Nasdaq-Verwaltungsratschefs gründlich nachzugehen, sagte Cox. Der Vorgang soll nun intern untersucht werden.
Bereits 1999 wurde die Behörde von einem Börsenaufseher in Boston, Harry Markopolos, gewarnt, bei Madoffs Gewinnen könne etwas nicht legal sein. Auch spätere Warnungen führten jedoch nicht zur Einleitung einer formellen Untersuchung, bei der Madoff unter Eid hätte aussagen müssen, wie Cox einräumte. Vielmehr habe sich die Aufsichtsbehörde bei Nachfragen auf von Madoff freiwillig vorgelegte Zahlen verlassen.
Vergangene Woche fiel die Wallstreet aus allen Wolken: Bernard L. Madoff, früherer Chef der Technologiebörse Nasdac, soll mit einem ausgeklügelten Schneeballsystem 50 Milliarden Franken ergaunert haben. Die Börsianer rieben sich ungläubig die Augen: Madoffs Reputation war lupenrein, er galt als genialer und seriöser Geschäftsmann.
Nicht alle Banken trauten Madoff jedoch über den Weg: Bereits 2003 setzte die französische Bank Société Générale seine Firma auf ihre schwarze Liste. Sie verbot ihren Mitarbeitenden umgehend, mit dem New Yorker Financier Geschäfte zum machen. Zugleich riet sie ihren vermögenden Kunden dringend davon ab, in die Firma von Madoff zu investieren.
Offensichtliche Unregelmässigkeiten
Einem Team von Société Générale war bei einem Arbeitsbesuch in Manhatten aufgefallen, dass die Zahlen, die Madoff präsentierte, hinten und vorne nicht aufgingen. Dass am Finanzkonstrukt Madoffs etwas nicht stimmen konnte, sei offensichtlich gewesen, gab ein involvierter Banker der «New York Times» zu Protokoll. «Société General zögerte keinen Moment. Es war merkwürdig».
Die französische Bank ging mit ihrer Entdeckung indessen nicht an die Öffentlichkeit: Sie hielt ihre brisanten Informationen unter Verschluss, wie dies in der verschwiegenen Finanzwelt Gang und Gäbe ist. Im Gegensatz zu anderen Finanzinstituten ist die Société Générale vom Betrugsfall kaum betroffen: Während andere Finanzunternehmen Milliarden abschreiben müssen, verlor die Société Generale nur einen Bruchteil davon: Weniger als 15 Millionen Franken.
Eidgenössische Banken erneut in der Kritik
Die «Affäre Madoff» wirft laut «New York Times» ein schlechtes Licht auf die europäischen Banken, die im grossen Stil in dessen Finanzkonstrukt investierten – und nicht zuletzt auch auf den Schweizer Bankenplatz: Wenn es die Société Générale mit einer einfachen Routineüberprüfung gelang, Madoff als Betrüger zu entlarven, weshalb dann gaben viele als vorsichtig geltende eidgenössischen Bankiers ihr Vermögen so leichtfertig in die Hände von Madoff?
Auf der Liste derjenigen, die vom Betrugsfall betroffen sind, stehen nicht wenige Schweizer Banken: Zu den am härtesten getroffenen Finanzunternehmen gehört die Firma Genfer Optimal Investment Services, die angeblich 3,1 Milliarden Dollars in Madoffs Firma investiert haben soll. Die Bancaire Privée mit Sitz in Genf wiederum soll gut einer Milliarde Dollar in die Anlagevehikel gelegt haben – was rund einem Prozent ihres gesamten verwalteten Vermögens entspricht. Schliesslich wurde auch die UBS hereingelegt.
Bankiervereinigung rügt USA
Das Schweizer Finanz-Establishment sieht indessen weniger in den Verfehlungen der eigenen Banken ein Problem, als vielmehr in der fehlenden Aufsicht in den USA: «Wie anderswo auf der Welt, reiben wir uns die Augen und fragen uns, wie auf aller Welt sich die US-Börsenaufsicht und die Wirtschaftsprüfer über so viele Jahre Sand in die Augen streuen lassen konnte», sagte James Nason, Sprecher der Bankiervereinigung auf Anfrage der «New York Times».
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.12.2008, 12:02 Uhr
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26 Kommentare
EIn fettes Essen, schöne Zahlen, eine noch schönere Sekretärin und die Gelder fliessen. Ich bin sicher, dass es auch hierzulande Banker gab denen das auffiel und ich kann mir auch vorstellen, was sie zu hören bekamen: "Wenn es Ihnen nicht gefällt suchen Sie sich eine andere Stelle" Entscheidungsträger sind hierzulande empfindliche Menschen, die alles als Angriff gegen sie persönlich werten. Antworten
Es gab und gibt auch in der Schweiz "seltsame" Vorgänge: vor nicht allzu langer Zeit: die Swissair setzte die Zahlung vieler Rechnungen aus (viele kleine Lieferanten wurden vertröstet) --> Swissair ging Konkurs Dez-2008: die Credit Suisse hat offensichtlich einen Zahlungsstopp verfügt für Nov/Dez-2008, wobei div. externe IT Dienstleister betroffen sind. Geht die CS nun auch Konkurs? Antworten
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