Der gelbe Riese schliesst Poststellen auf Vorrat

Das Resultat ist solide. Aber trotz des Gewinns von 558 Millionen Franken im letzten Jahr will die Postführung den angekündigten Abbau bei den Poststellen durchziehen.

Post-Geschäftsführerin Susanne Ruoff nimmt Stellung nach der Bilanzmedienkonferenz. Video: Claudia Salzmann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Und wieder sind 144 Poststellen verschwunden. Ende 2016 führte die Post damit noch 1320 ihrer traditionellen Filialen mit Vollangebot. Der neue Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller und Konzernchefin Susanne Ruoff haben den Abbau im letzten Jahr beschleunigt: In den vorangegangenen Jahren hatte die Post jeweils rund 100 Poststellen geschlossen.

Schwaller und Ruoff halten am Plan fest, dass es bis in drei Jahren nur noch 800 bis 900 Poststellen geben soll.Dafür werde es mehr Postagenturen, Hausservices, Automaten sowie Aufgabe- und Abholstellen geben. Jetzt sind es total rund 3800 «Zugangspunkte». Bis in drei Jahren sollen es 4000 sein.

Logischer Schritt

Viele Kunden, die sich zuerst bei ihr über die Umwandlung der Poststelle in eine Agentur beschwert hätten, seien heute «begeistert, nicht nur wegen der langen Öffnungszeiten», sagte Ruoff.

Der Umbau sei nötig, «wenn man logisch überlegt». Ruoff meint damit, die Post sei gezwungen auf den Rückgang des Schaltergeschäfts zu reagieren. Schliesslich habe sich der Verlust bei Poststellen und Verkauf 2016 auf 193 Millionen Franken vergrössert.

Susanna Ruoff auf die Frage, ob die Post ihre Poststellen schlecht rechne. Video: Claudia Salzmann

Allerdings verschob die Post Erträge weg von den Poststellen, weil sie die Produktverantwortung für adressierte Briefe von Privatkunden auf die Briefsparte Postmail übertrug.

Politisch brisant ist, dass der Verlust in den Poststellen fast der Dividende von 200 Millionen Franken entspricht, die der Konzern dem Bund abzuliefern hat. Dennoch ist der Status quo beim Netz für Schwaller keine Option. Alternativen seien höhere Preise, Leistungsabbau oder Subventionen.

Zudem schrumpfte der Konzerngewinn 2016 um 119 Millionen Franken. Dies hauptsächlich, weil immer weniger Briefe verschickt werden und die Banktochter Postfinance im Zinsgeschäft stark unter Druck ist. Ohne Gewinn kann die Post laut Schwaller aber weder investieren und damit Arbeitsplätze sichern, noch die flächendeckende Finanzierung der Grundversorgung sichern.

Klarheit bis Mitte Jahr

Welche Gemeinden die Poststelle bis in drei Jahren verlieren, soll im Juni bekannt sein. Nach der ersten Gesprächsrunde mit den Kantonen will die Postführung nun die Gemeinden einbeziehen. «Wir hören zu», versprach Schwaller. So habe die Post nach der ersten Gesprächsrunde Verbesserungen bei Agenturen beschlossen, etwa den Versand von Massensendungen für Geschäftskunden.

Sorgen bereitet dem ehemaligen Freiburger CVP-Ständerat die lange Reihe an politischen Vorstössen. Gewerkschafter und Vertreter von Randgebieten fordern etwa ein Moratorium beim Abbau der Poststellen. Schwaller warnt davor, die Post durch ein «enges politisches Korsett» zurückzubinden.

Immobilien vergolden

Damit stellt sich die Frage, was die Post mit den Immobilien geschlossener Poststellen machen wird. Dort, wo sie zur Miete ist, kündigt sie die Verträge oder lässt sie auslaufen. Einen Teil der Immobilien im Eigenbesitz – in der Regel Stockwerkeigentum – verkauft die Post, wie Finanzchef Alex Glanzmann im Gespräch mit dieser Zeitung sagte.

Zum Wert der Liegenschaften nannte er keine Details, sondern verwies auf den gesamten Immobilienbestand der Post: Der Marktwert der über 1000 eigenen Objekte beträgt aktuell rund 3,5 Milliarden Franken. Daneben hat die Post rund 1300 Anmietobjekte.

Die lukrativen, nicht postalisch genutzten Liegenschaften will die Post zu sogenannten Renditeimmobilien entwickeln. «Gemäss unserer langjährigen Planung ist aktuell vorgesehen, bis ins Jahr 2028 bis zu 1,8 Milliarden Franken in bestehende Immobilien zu investieren», sagte Glanzmann. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.03.2017, 10:48 Uhr

KPMG bei Postfinance

Die Post-Tochter Postfinance machte in den vergangenen Wochen immer wieder mit Ausfällen ihres E-Banking-Systems von sich reden. «Da waren Fehler im Spiel. Das ist ärgerlich», musste Postfinance-Chef Hansruedi Köng am Donnerstag einräumen.

Danach betonte er aber: «Postfinance hat eine stabile Informatik.» Ob dem wirklich so ist, will die ­Finanzmarktaufsicht (Finma) nun allerdings genauer ­wissen. Derzeit ist die Revisionsgesellschaft KPMG daran, im Auftrag der Finma die Stabilität des Informatiksystems von Postfinance zu überprüfen. Köng bestätige damit am Donnerstag eine Meldung der Internetplattform «Inside­ Paradeplatz».

Die Finanztochter ist nach wie vor die Milchkuh der Post. Im vergangenen Jahr erzielte sie einen Gewinn von 542 Millionen Franken. Doch Köng warnt: «Unser klassisches Bankengeschäft und unsere Existenz sind substanziell bedroht, wenn wir keine Massnahmen ergreifen.»

Das Problem besteht darin, dass Postfinance darunter leidet, dass Obligationen immer weniger Zins abwerfen. Köng spricht von jährlich bis zu 100 Millionen Franken weniger Zinseinnahmen. Abhilfe soll das Strategieprogramm Victoria bringen. sny

Artikel zum Thema

Post führt Bareinzahlung an Haustür ein

Die Post weitet ihr Angebot aus und führt zusätzliche Dienstleistungen ein: Kunden können ihre Rechnungen künftig bar beim Pöstler bezahlen. Mehr...

Post stellt vor Weihnachten neuen Päckli-Tagesrekord auf

Dank Sondereinsätzen konnte die Post rechtzeitig 18 Millionen Weihnachtsgeschenke befördern. Den Höhepunkt erreichte die Päckliflut am 20. Dezember. Und sie wird noch weitergehen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Wellenreiter: Jonathan Gonzalez, Mitglied des spanischen Surf-Teams, übt seine Künste im Wave Garden, einem grossen Pool, der Wellen künstlich erzeugt (25. Mai 2017).
(Bild: Vincent West) Mehr...