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Zweifel an Entschlossenheit der Nationalbank

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 03.08.2011 61 Kommentare

Industrie und KMU hoffen nach der Intervention der Schweizer Nationalbank auf eine Erleichterung für die Exportwirtschaft. Doch der Glaube an die nachhaltige Wirkung setzt sich nicht durch. Eine Umfrage.

«Wenn die SNB den Kurs nicht fortsetzt, verpufft der Sekt wieder nach dem Korkenknall»: Eine Gewerkschafterin zu den Massnahmen der SNB gegen den starken Franken.

«Wenn die SNB den Kurs nicht fortsetzt, verpufft der Sekt wieder nach dem Korkenknall»: Eine Gewerkschafterin zu den Massnahmen der SNB gegen den starken Franken.

Infobox

Reaktionen des Bundesrats auf die SNB-Massnahmen: Der Bundesrat begrüsst die Massnahmen der Nationalbank «ausdrücklich». Dies teilte die Bundeskanzlei am Mittwoch nach einer Telefonkonferenz der Landesregierung mit. Weiter hält die Bundeskanzlei fest, der Bundesrat habe Kenntnis genommen von den neuesten Analysen des Volkswirtschaftsdepartementes zur Entwicklung des Eurokurses, zur Frankenstärke und zu den möglichen Konsequenzen für die Wirtschaft des Landes.

An der bisherigen Währungspolitik halte man fest und staatliche Eingriffe in den Markt werden abgelehnt.

Der Bundesrat nehme die wachsende Belastung von Exportindustrie, Detailhandel, Schweizer KMU und Tourismus ernst, hielt er fest. Sofortmassnahmen seien jedoch «nicht zielführend». Sollte der Euro weiter an Wert verlieren, müsse mit einer stärkeren Abschwächung des Wirtschaftswachstums gerechnet werden. Die Lage werde - zusammen mit der Nationalbank - auch in der Sommerpause laufend beurteilt. (sda)

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«Gut, aber nicht gut genug.» So fällt im Schnitt das Urteil vieler exportabhängiger Schweizer Unternehmen über die Intervention der Schweizer Nationalbank (SNB) aus. Bisher mussten zahlreiche Exporteure im teuren Franken fakturieren und haben dadurch viel Geld verloren. Und börsenkotierte Unternehmen, die im starken Franken konsolidieren, müssen ebenfalls dahinschmelzende Gewinne verbuchen. Bis heute mussten sich die Firmen selbst zu helfen wissen. Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzungen stehen auf der Tagesordnung.

Kaum Hoffnung für Mitarbeiter

Im Folgenden drei Beispiele: Der Chemiekonzern Lonza (LONN 35.13 0.86%) hat seiner Belegschaft im Stammwerk in Visp im Wallis und am Standort Basel Mehrarbeit verordnet – bei gleichem Lohn. «Man muss erst mal abwarten, wie diese Intervention sich auswirkt», sagt dazu ein Sprecher. Bis dahin werde das Programm, das vorerst auf 18 Monate befristet ist, beibehalten. Auch auf die Gefahr hin, dass die Gewerkschaften Widerstand anmelden könnten.

Zweitens: Beim Küchenhersteller Franke in Aarburg wurden sowohl eine Arbeitszeitverlängerung beschlossen, als auch die Gehälter der Unternehmensführung um bis zu drei Prozent gekürzt. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Und drittens: Der Verpackungshersteller Mopac im Emmentaler Wasen hat die Löhne der gesamten Belegschaft gekürzt. Dort steht deswegen auch ein Klage an: Die Gewerkschaft Unia prangert die einseitigen Lohnkürzungen von Mopac-Chef Rainer Füchslin an. Die Klage landet demnächst vor den Schlichtungsbehörden. Die Klage der Unia wischt Füchslin vom Tisch: «Die Massnahmen sind für das Unternehmen überlebensnotwendig. Die Gewerkschaft hat keine Legitimation für eine Verbandsklage.

Ausserdem würde dieses Verfahren nur für einen von insgesamt 262 Mitarbeitern geführt.» Beda Moor von der Gewerkschaft Unia aber bleibt dabei: «Die Massnahmen wurden nicht vereinbart, sondern verordnet.» Über die Intervention der SNB aber freut sich der Mopac-Patron Füchslin: «Wenn sie es nur konsequent umsetzt.» Sonst würden die Exportfirmen vom Markt gefegt. Es sei notwendig, die Arbeitsplätze in der Schweiz zu erhalten, und das sei der Grund für die harte Gangart in seinem Unternehmen. Und fügt hinzu: «Die Lohnkürzungen bei uns werden nur dann obsolet, wenn die Massnahmen der SNB auch wirklich greifen.»

Das sind schlechte Nachrichten für die Belegschaft. Denn die Kürzungen werden nur in dem Masse zurückgenommen, wie der Eurokurs gegenüber dem Franken wieder anzieht. Erst bei einem Wechselkurs von 1.50 verschwinden die Lohnkürzungen wieder. Längerfristig besteht unter den Experten aber die einhellige Meinung, dass sich der Kurs nur bei 1.15 bis 1.20 einpendeln wird.

Zu spät gehandelt

Die SNB handelt also und wird zusätzlich 50 Milliarden Franken in den Markt spülen. Die Massnahmen wurden letztlich aus der Not geboren. Die Summe aus Spekulation gegen den Euro und auf den weiter erstarkenden Franken, die Zuflucht der Anleger in einen sicheren Währungshafen haben erst jetzt jenen Währungsdruck erzeugt, der die SNB zum Handeln gezwungen hat. Doch die Gewerkschafter rotieren, seien die Intervention doch viel zu spät gekommen, so der Tenor. Die Gewerkschaften Unia und Travailsuisse sind sich weitgehend einig: «Der Schritt der SNB ist in Ordnung, wäre aber eher vorgestern als heute angebracht gewesen», beklagt etwa Susanne Bank, zuständig für Wirtschaftspolitik bei Travailsuisse. Und warnt: «Wenn die SNB den Kurs nicht fortsetzt, verpufft der Sekt wieder nach dem Korkenknall.» Arbeitszeitverlängerung ist für Bank bereits das Maximum an Negativmassnahmen. Lohnkürzungen hingegen kommen für sie nicht infrage. Sollte die Intervention der SNB dazu führen, dass sich der Wechselkurs wieder normalisiert, sollten aus ihrer Sicht auch jegliche Massnahmen der Unternehmen wieder aufgehoben werden.

Die Unia hält ungeachtet der Zinssenkungen der SNB weiter an ihren Forderungen fest: «Ich vermisse nach wie vor den Negativzins der SNB. Nur so können die Geldanlangen den Spekulanten entzogen werden. Nach wie vor spekulieren zu viele Hedgefonds auf den Franken», sagt Unia-Gewerkschafter Beda Moor. Ein vernünftiger Kurs liegt für Moor bei 1.40. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.08.2011, 16:23 Uhr

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61 Kommentare

Kurt Hauser

03.08.2011, 17:20 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Alle Exportfirmen müssen auch importieren und von diesen Gewinnen, die nicht weitergegeben werden,
spricht niemand....
Antworten


Carlo Schnydrig

03.08.2011, 17:40 Uhr
Melden 34 Empfehlung

Mit Gejammer und Angstmacherei kommt man zu zusätzlichen Gewinnen. Ausgerechnet Firmen, welche in den letzten Jahren die grössten Gewinne erzielt und von der Steuerreform II ungerechterweise profitiert haben, versuchen erneute Gewinne auf dem Buckel der Arbeitnehmer zu generieren. Wo sind die Gewinne, welche beim Import von Rohstoffen generiert werden? Selbstverst. Inflation z.L. des Steuerzahlers Antworten



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