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Zürcher Bank droht 200-Millionen-Verlust

Von Andreas Flütsch und Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 25.02.2010 2 Kommentare

Die Zürcher Skandifinanz Bank fiel auf Betrüger herein. Die Eigentümerin musste auf Druck der Finma 100 Millionen Euro einschiessen. In Luzern läuft nun ein Strafverfahren gegen eine Handelsfirma.

Hannes Oelschlegel: CEO der Skandifinanz Bank in Zürich.

Hannes Oelschlegel: CEO der Skandifinanz Bank in Zürich.

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Die Handelsfirma aus dem Luzernischen war ein Superkunde. Das Volumen weitete sich stetig aus, die Zahlungen kamen immer pünktlich, seit man im Sommer 2002 ins Geschäft gekommen war. Im letzten Herbst änderte sich das schlagartig; das Geld blieb plötzlich aus, innert Kürze sass die Skandifinanz Bank in Zürich auf einem Haufen unbeglichener Forderungen.

Der neue Geschäftsleiter, der im Spätsommer bei Skandifinanz begonnen hatte, schöpfte Verdacht und entdeckte insgesamt 39 offene Geschäfte mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet knapp 200 Millionen Schweizerfranken. Die Bank erstattete letzte Woche Anzeige gegen die Luzerner Handelsfirma wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

NordLB eilte ihrer Zürcher Banktochter zu Hilfe

Ob und wie viele der ausstehenden Millionen die Skandifinanz Bank je wiedersehen wird, ist völlig unklar. Im schlimmsten Fall droht der Bank ein Totalverlust der gut 200 Millionen Schweizerfranken. Die Aussichten, wenigstens einen Teil der Riesensumme wieder einzutreiben, stehen offenbar nicht gut. Als die Skandifinanz Bank das drohende Millionenloch der Finanzmarktaufsicht des Bundes meldete, forderte die Aufsichtsbehörde, dass die Ausstände umgehend abgedeckt werden müssten. Die Skandifinanz Bank ist eine Tochter einer Luxemburger Gesellschaft, die der Norddeutschen Landesbank (NordLB) in Hannover gehört.

Der NordLB blieb nichts anderes, als ihrer Zürcher Banktochter zu Hilfe zu eilen, um die drohende Überschuldung abzuwenden. Die NordLB hat auf Druck der Finma 100 Millionen Euro eingeschossen. Weitere rund 30 Millionen Euro habe Skandifinanz aus eigenen Mitteln aufgebracht, heisst es im Umfeld der Bank. Finma-Sprecher Alain Bichsel bestätigte die Refinanzierung gegenüber dem TA. Die Bank hat zwei Leute freigestellt, sie sollen Warnungen missachtet haben. Anzeichen auf eine Verwicklung gebe es derzeit nicht.

Täter lullten die Bank ein

Die Täter haben den Coup von langer Hand geplant. Das Geschäft mit der Innerschweizer Handelsfirma lief jahrelang so reibungslos, dass kein Verdacht aufkam. Es war immer die gleiche Art Geschäfte. Die Bank lieferte der Handelsfirma eine Art Zwischenfinanzierung für den Export von Maschinen in Industrie- und wichtige Schwellenländer. Die Bank erhielt das vorgestreckte Geld nach Lieferung von den Kunden der Handelsfirma zurück.

Die Vorfinanzierung hatte die Bank bei Versicherungen abgedeckt, welche zwar die Bonität der Kunden prüfte. Ausgeschlossen im Kleingedruckten der Versicherung war aber die Haftung für deliktisches Handeln. Just dies war bei der Handelsfirma mutmasslich der Fall. Abklärungen von Buchprüfern und Anwälten, welche die Bank einschaltete, ergaben, dass die Handelsfirma in der Schlussphase mit der Bank scheinbar durchs Band nur noch Scheingeschäfte abschloss – und dieser so bis zu 200 Millionen Franken entlockte. Die Versicherung zahlt nicht, weil in Dutzenden von Fällen gar keine Ware geliefert wurde.

Peinlich für Finanzminister

Peinlich ist der Fall für Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring. Das Loch in Zürich sei «ein höchst ärgerlicher Vorgang», so Möllring, der auch Verwaltungsratspräsident der NordLB ist. Er spielt das Problem herunter; die Töchter in Zürich und Luxemburg könnten es alleine lösen.

Das stimmt so nicht. Die Finma gab sich nicht mit Garantien zufrieden, welche die NordLB anbot. Bern beharrte darauf, dass ein möglicher Totalverlust zur Gänze mit Liquidität abgedeckt wird, weshalb auch die NordLB-Zentrale zum Handkuss kam.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2010, 06:17 Uhr

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2 Kommentare

Urs P. Mueller

25.02.2010, 15:49 Uhr
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Hoppla - wirklich etwas Neues hat die Bankenwelt da geboren. Wir sind doch alle zu bloed und die Banker so gescheit, dass Letztere fuer solche Transaktionen überdimensionale Bonis verdienen und Erstere am Ende mit den Steuern haften sollen. Es empfiehlt sich unbedingt, die Gehaelter unserer Parlamentarier/Bundesraete massiv zu erhoehen, denn diese sind ja an all dem Schlamassel nie Schuld. Antworten


Peter Seiffert

01.03.2010, 02:26 Uhr
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Und ich frage mich, wo Ernst & Young, die offizielle Revisionsgesellschaft dieser Bank, war. Die haben scheinbar über Jahre nichts bemerkt und jedes Jahr fein säuberlich den Persilschein gegenüber den Aktionären ausgestellt. Das zeigt wieder einmal, dass das System mit den privatisierten Revisionsgesellschaften nicht funktioniert. Antworten



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