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Simon Schmid
Reporter Wirtschaft


«Zuckerberg wird trotzdem fröhlich sein»

Aktualisiert am 19.05.2012 113 Kommentare

Facebook hat Milliarden eingenommen – und ist trotzdem nur knapp einem Fiasko entronnen. Letzteres muss Facebook-Chef Mark Zuckerberg allerdings nicht weiter beschäftigen.

Der Börsengang spült Milliarden in die Facebook-Kasse: CEO Mark Zuckerberg.

Der Börsengang spült Milliarden in die Facebook-Kasse: CEO Mark Zuckerberg.
Bild: Keystone

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Facebook: Das grösste soziale Netz geht an die Börse

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Der Börsengang von Facebook ging am Freitag, 18. Mai 2012 über die Bühne. Es war der zweitgrösste Börsengang aller Zeiten.

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Der Kontrast könnte nicht grösser sein: Morgens um neun Uhr New Yorker Zeit ein fröhlicher Mark Zuckerberg, der vom Facebook-Sitz im kalifornischen Menlo aus die Glocke zum Handelsstart an der Nasdaq betätigt. Seine Mitarbeiter jubeln ihm zu. Zuckerberg sagt: «Unsere Mission ist nicht, eine börsennotierte Firma zu sein. Unsere Mission ist, unsere Welt offener zu machen und stärker miteinander zu vernetzen.» Als um vier Uhr Abends endlich die Schlussirene an der Wall Street ertönt, ist von Optimismus nicht mehr viel zu spüren.

Es war ein hektischer Tag für alle, die in den Börsengang involviert waren. Erst überforderten Börsenhändler die Nasdaq-Systeme mit ihren zahlreichen Orders. Der Start des IPO verzögerte sich. Was folgte, war eine Achterbahnfahrt: Nach dem Start bei etwas über 42 Dollar sank Facebook (FB 25.66 -0.38%) zurück auf den Ausgabekurs. Um den Mittag erholte sich das Papier, der Tag schien gerettet. Doch eine Stunde vor Handelsschluss begannen die Verkäufe von Neuem. Allein der Emissionsbanken wegen sank das Papier nicht unter den Ausgabekurs: Angeführt von J. P. Morgan, ersparten sie der Facebook-Aktie die Schmach, den ersten Handelstag im Minus zu beenden.

Ein schlechter Tag für einen Börsengang

Die Optimisten hatten ein Kursfeuerwerk erwartet – die Realisten immerhin mit moderaten Kursgewinnen gerechnet. Doch auch sie wurden enttäuscht: Am Ende des Tages notierte die Facebook-Aktie gerade einmal 23 Cent über dem Ausgabekurs von 38 Dollar. Dass es so kam, hat mit zwei Dingen zu tun. «Heute war ein schlechter Tag für einen Börsengang», sagte ein Analyst gegenüber dem Sender CNBC. Was er damit meinte, war: Niemand hat aktuell Lust, viel Geld für ein unsicheres Investment in die Hand zu nehmen. Griechenland steht vor einem möglichen Euro-Aus, Banken im ganzen Kontinent sind angeschlagen. Gefragt ist tiefes Risiko, gefragt sind sichere Werte. Der gesamte Nasdaq verlor heute 1,2 Prozent.

Andererseits steht hinter dem Geschäftsmodell von Facebook offenbar ein grosses Fragezeichen. Facebook ist ein Versprechen für die Zukunft – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ob das Unternehmen ein Rezept finden wird, auch übers Smartphone Geld zu machen, ist ungewiss. Facebook wird oft mit Google in einen Topf geworfen. Doch der Vergleich trügt: Google schrieb zuletzt 9,7 Milliarden Gewinn; bei Facebook waren es gerade einmal 688 Millionen. Google beschäftigt über 33'000 Mitarbeiter – Facebook ist aktuell bei 3500. Ob das Unternehmen tatsächlich 100 Milliarden wert ist? Ein Analyst drückte seine Einschätzung so aus: «Ich mag die Firma. Aber ich mag die Aktie nicht.»

Kommt es am Montag zur Ralleye?

Rückblickend hat Facebook wohl wirklich das Maximum herausgeholt, was an diesem Tag drin gelegen ist. «Der Hype um Facebook war enorm.» Korrespondent Lars Halter, der für Bernerzeitung.ch/Newsnet den IPO in New York mitverfolgte, zieht ein gemischtes Fazit. Auch wenn Investmentbanken zum Schluss stützend eingriffen, ist für ihn die Verkaufsveranstaltung geglückt: Die Neuemission brachte Einnahmen von mindestens 16 Milliarden Dollar, insgesamt gab Facebook rund 421 Millionen Anteilsscheine aus. Vielleicht etwas zu viel, wie Halter meint. Gut möglich, dass Nasdaq bei einer kleineren Aktienzahl weniger Mühe mit der Technik gehabt hätte.

Es ist nicht selten, dass Technologieunternehmen am ersten Handelstag gut dreissig Prozent zulegen. Dass dies bei Facebook nicht geschehen ist, hat für Halter auch positive Seiten. «Die Anleger haben aus der Vergangenheit gelernt», sagt der Börsenkorrespondent: Besser ein verhaltener Börsenstart, als eine Kursverdoppelung am ersten Tag mit einem stetigen Absinken danach. Denn in diesem Fall ist es für ein Unternehmen weitaus schwieriger, weitere Investoren für sich zu gewinnen. Sicher ist, dass Facebook ab sofort an Transparenz zulegen muss. Künftig werden Quartalszahlen und Führungswechsel den Börsenregeln gemäss der Öffentlichekeit übermittelt.

Und was ist mit Mark Zuckerberg, dem «Kid Billionaire», der heute auf einen Schlag gegen 20 Milliarden US-Dollar absahnte? Hinterlässt der Börsengang, der um ein Haar zum Fiasko wurde, bei ihm Spuren? Nein, sagt Korrespondent Halter: «Zuckerberg wird trotzdem fröhlich sein.» Gut möglich, dass Zuckerberg den Wert der Stabilität zu schätzen wisse. Und wer weiss: «Vielleicht setzt schon am Montag die grosse Ralleye ein.» Die enttäuschten Erstkäufer des Facebook-Papiers würden das mit Sicherheit mögen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.05.2012, 23:51 Uhr

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113 Kommentare

Thomas Maurer

18.05.2012, 10:20 Uhr
Melden 114 Empfehlung 0

es können ja dann in ein paar jahren wieder alle spekulanten gegen die banken klagen, der grund:
facebook aktie ist bei 10.00, wir als inverstoren wurden nicht auf das risiko hingewiesen........
Antworten


Nadine Binsberger

18.05.2012, 11:01 Uhr
Melden 102 Empfehlung 0

Ein Gang an die Börse ist immer falsch. Man setzt sein Unternehmen einem unkontrollierbaren Schwarm von Menschen mit vagbundierendem Kapital aus. (vagabundierendes Kapital = Kapital, das nicht weiss, wo es seine lebensnotwendige Rendite her holen soll) - Man sollte sein Geld in eine vernünftig funktionierende Gesellschaft investieren. Antworten



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