Wirtschaft

Zinslose Scharia-Banken als Alternative zum Kapitalismus

Banken auf Grundlage der islamischen Scharia verlangen keine Zinsen. Moslem-Staaten hoffen angesichts der weltweiten Finanzkrise, dass solche Banken in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden.

Banken, die auf Grundlage der islamischen Rechtslehre Scharia operieren, verlangen keine Zinsen. Moslemische Staaten hoffen angesichts der weltweiten Finanzkrise, dass solche Banken in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden.

Malaysias Premierminister Abdullah Badawi sprach zur Eröffnung des fünften Islamischen Weltwirtschaftsforums (Wief) in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sicher nicht nur seinen islamischen Glaubensbrüdern aus der Seele, als er «zügellose Gier» für die schlimmste Weltwirtschaftskrise seit fast 100 Jahren verantwortlich machte. Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono nutzte das Forum, an dem rund 1500 Vertreter aus insgesamt 36 Ländern teilnahmen, für einen Aufruf: «Wir müssen uns als Missionare aufmachen, um die Welt von den Vorzügen des Scharia-Bankwesens zu überzeugen.»

Scharia für Banken – das mag im Westen vor allem denen wohltönend im Ohr klingen, die bei dem Stichwort erst einmal an Prügelstrafen für Missetäter denken. Aber die Teilnehmer des Forums hatten nicht Strafen für profithungrige Banken im Blick. Sie glauben vielmehr, eine solide und praktikable Alternative zu dem vom Westen dominierten und praktizierten Bankensystem gefunden zu haben, das die Welt ins wirtschaftliche Verderben stürzte.

Islamische Banken haben die Krise gut überstanden

Islamisches Bankwesen auf der Grundlage der Scharia verbietet Zinsen und ungedeckte Kredite. Geldgeber werden mit Einnahmen aus Investitionen bezahlt. Islamische Banken verdienen mit Gebühren, die an den klassischen biblischen Zehnten erinnern. Ausserdem schlagen sie einen grossen Bogen um zweifelhafte Geschäfte, die als «haram» gelten, als sündhaft. Islamische Banken würden zum Beispiel kein Geld für Alkoholfabriken bereitstellen.

Laut der US-Rating-Agentur Standard & Poor besitzen islamische Finanzinstitutionen weltweit gegenwärtig rund vier Billionen Dollar und verzeichneten in den Jahren 2006 und 2007 massive Zuwachsraten von 25 und 37 Prozent. Investitionen nach Scharia-Regeln gewannen jeweils zehn und 15 Prozent an Wert. Obwohl die Wirtschaftskrise einen Teil der islamischen Staaten am Persischen Golf mit voller Wucht traf, haben islamische Banken die Weltwirtschaftskrise insgesamt besser überstanden als ihre «kapitalistische Konkurrenz». Der Grund: Die Scharia verbietet Investitionen in riskante Subprime-Kredite und die Banken sitzen nun nicht auf wertlosem «giftigem Besitz».

Zehn Banken haben «Scharia-Schalter»

Allerdings stellt das islamische Bankwesen bislang nur einen winzigen Bruchteil der weltweiten Kapitalströme. Selbst in Indonesien, wo 220 Millionen Moslems leben und ein «Scharia-Bankgesetz» existiert, besitzen islamische Banken nur einen Marktanteil von ein bis zwei Prozent. Es gibt fünf islamische Banken. Zehn kommerzielle Banken haben sogenannte «Scharia-Schalter», bei denen Kunden nach islamischen Regeln Geldgeschäfte abwickeln können. Auch die in der Krise steckende, global operierende Grossbank HBSC besitzt einen sogenannten «Scharia-Zweig» namens Amanah.

Ihr Chef Mukhtar Hussain, der von der «künftig wichtigen Rolle des islamischen Bankwesens» überzeugt ist, wies in Jakarta beim Islamischen Weltwirtschaftsforum auf ein grosses Problem hin. Es sei bislang nicht genug entwickelt und der Umfang noch sehr klein. Tatsächlich haben verschiedene islamische Nationen bislang zudem unterschiedliche Regeln festgesetzt.

Doch das bremst den Optimismus in Indonesien nicht. An der Universität von Indonesien, die erst 2001 den Studiengang Islamisches Finanzwesen einrichtete, sind rund 300 Studenten eingeschrieben. Im Unterschied zu ihren Kommilitonen von den «korrupten Wirtschaftswissenschaften» – so ein Professor – kennen sie keine Arbeitsplatzsorgen. Die Privatuniversität Trisakti schätzt, es gebe einen Bedarf von rund 24'000 Universitätsabgängern. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.03.2009, 10:30 Uhr

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11 Kommentare

Andreas Moser

05.03.2009, 00:40 Uhr
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@ E.Meier: Studieren Sie mal Geldsysteme wie Joytopia und Sie werden sehen, dass es wie bei den Scharia-Banken auch ohne Zinsen funktioniert. Der Zins fehlt nämlich in unserem Geldsystem und daher gibt es Verlierer, Arme. Annahme: Eine Nationalbank und nur zwei Kunden auf der Welt bekommen Fr. 100.- für ein Jahr zu 5 %. Woher kommt der Zins? Neues Geld und Inflation entstehen mit neuen Schulden. Antworten


christoph scheidegger

04.03.2009, 20:43 Uhr
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unsere (soziale) marktwirtschaft kennt drei produktions-faktoren : arbeit, boden und kapital. vielleicht müsste nicht nur beim kapital rumgeschraubt werden, sondern auch beim boden und dem wasser....? Antworten


Paul Wiedmer

04.03.2009, 14:42 Uhr
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Wieder einmal idealistische und illusorische Töne! Dann wären also muslimische Staaten sehr human, sozial. Wie sieht es dort mit Klassenunterschieden aus? Weshalb werden Nichtmuslime von islamischen Regims unterdrückt, (willkürlich) zwangs-besteuert? Die ganze Thematik ist realitätsfremd! Uebrigens: Die Bibel verbietet nicht Zinsen, sondern Wucher (Bankmanager, Raffgier ...) Antworten


Ernst Bächtiger

04.03.2009, 13:09 Uhr
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Vor bald 200 Jahren war es auch Christen praktisch verboten, Zins für ausgeliehenes Geld zu verlangen. Das hat aber mit Religion überhaupt nicht zu tun. Vielmehr wollte die Geistlichkeit das Volk schützen. Und zwar von der Wirkung des Zinseszinses. Der Zinseszins bewirkt, dass die Gelströme ständig von unten nach oben fliessen, von denen die wenig haben zu denen die viel haben. Antworten


Michael Götz

04.03.2009, 11:37 Uhr
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Es sei wieder einmal darauf hingewiesen, dass auch die Bibel Zinsen verbietet. Das Zinssystem ist unvernünftig (jedes Geldsystem, das auf Zins basiert, bricht nach 50-80 Jahren automatisch zusammen) und deshalb von allen grossen Religionen verboten. Im Christentum ist aber die Gier grösser als die Bibeltreue und deshalb schliesst die Kirche seit dem Mittelalter die Augen (und verdient mit!). Antworten


Emmanuel Meier

04.03.2009, 11:31 Uhr
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Lieber Herr Moser: Wer glauben Sie (nicht nur Banken: auch Privatpersonen etc.) gewährt noch ein Darlehen, wenn es unverzinslich ist? Das haben bereits die alten Römer gewusst. Schuldsklaven gibt es nur, weil viele Leute nicht sparen wollen und dennoch die Butter und das Weckli brauchen! Ein Hyundai für 20'000 reicht doch. Es muss doch kein Audi für 40'000 sein, oder? Antworten


Bruno Bauer

04.03.2009, 11:01 Uhr
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Der Titel ist irreführend. "alternativer Kapitalismus", nicht "Alternative zum Kapitalismus". Antworten


Volker Seer

04.03.2009, 11:00 Uhr
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Ob ich es Zinsen nenne oder Gewinnbetieligung (Im Artikel wird vom Zehnten gesprochen, was in doch höher ist als die Zinsen, die sogenannte kapitalistische Banken nehmen) bleibt im Grunde doch gleich oder sind muslimische Banker alle Altruisten ? Antworten


Marc Froehlich

04.03.2009, 10:56 Uhr
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Die global taetige Bank heisst nicht wie im Artikel geschrieben HBSC sonder HSBC. Antworten


Andreas Moser

04.03.2009, 10:34 Uhr
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Die ganze Richtung passt! In den Zinsen liegt der Tod des Kreditsystems, mit dem Geld durch Schuld und nicht natürlich durch Leistung entsteht. In unserem System gibt es immer mehr Schuldsklaven und die Macht wird wie im Kommunismus zentralisiert. Weitere Alternativen: Freigeld, Schwundgeld; Beispiel WIR-Check. Ueberregionaler und internationler Geldverkehr mit physischen Edelmetallen:Goldstandart Antworten


Ronnie König

04.03.2009, 10:30 Uhr
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Ein herer Gedanke. Doch leider funktioniert dies nicht wirklich, das mussten wir schon im Mittelalter erfahren. Vielleicht wenn es keine Bank mehr ist funktionierts, aber dann währe es eher eine Sozialeinrichtung. Antworten




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