Wirtschaft
Wo die UBS am stärksten zulegte
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 04.08.2009
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Schon war man gewöhnt, dass eben noch gebeutelte Banken wieder prächtige Ergebnisse ausweisen. Die UBS kann hier allerdings der Konkurrentin und Nachbarin Credit Suisse nicht folgen. Ihr Verlust für das zweite Quartal beläuft sich auf 1,4 Milliarden Franken, nach bereits 2 Milliarden im ersten Quartal 2009. Immerhin hat die Bank operativ schwarze Zahlen geschrieben, ohne Sonderposten und vor Steuern hat sie im zurückliegenden Quartal einen Gewinn von 971 Millionen erwirtschaftet.
Der grösste Anteil an den Sonderposten, die buchhalterischen Kosten von 1,2 Milliarden Franken für die höhere Marktbewertung der eigenen Schuld, ist in Wahrheit ebenfalls eine Erfolgsmeldung. Die Kosten resultieren daraus, dass die Bank auf den Märkten wieder eine höhere Bonität geniesst. Finanzchef John Cryan hat daher mitgeteilt, dass ihn Kosten in ähnlicher Höhe wegen einer weiteren Verbesserung der UBS-Bonität auch für das dritte Quartal «nicht überraschen» würden.
Die übrigen Sonderposten ergeben sich aus einer Goodwill-Wertberichtigung von 492 Millionen auf dem brasilianischen Vermögensverwalter UBS Pactual, dessen Verkauf im dritten Quartal abgeschlossen werden soll. Dazu kommen noch Restrukturierungskosten im Umfang von 582 Millionen Franken. Die Aktienmärkte reagieren bisher volatil auf das Ergebnis. Bis 9.15 Uhr ist der UBS-Kurs um mehr als 2,7 Prozent angestiegen, darauf dann bis 11 Uhr um bis 4 Prozent ins Minus gerutscht. Bis zum Nachmittag ist der Titel zeitweise sogar weiter um mehr als 6 Prozent abgestürzt.
Beunruhigender weiterer Geldabfluss
Besonders schmerzhaft ist der anhaltend starke Abfluss an Kundengeldern. Die private und institutionelle Kundschaft hat beinahe 40 Milliarden Franken aus den Geschäftseinheiten zurückgezogen, die hier ihre Dienste anbieten. Damit wurden die schlimmsten Erwartungen der Analystengemeinde erfüllt. Mit der Vermögensverwaltung ist der wichtigste Ertragspfeiler der UBS betroffen. Als Grund für die Abflüsse geben die UBS-Verantwortlichen das angeschlagene Vertrauen in die Bank an, aber auch den Verlust von Kundenberatern.
Immerhin gab sich Konzernchef Oswald Grübel zuversichtlich, diese Scharte wieder auswetzen zu können. Nach dem Ende der Auseinandersetzung mit den US-Steuerbehörden würden die Gelder wieder zur UBS zurückfliessen, sagte der CEO. Das werde allerdings einige Monate dauern.
Bei aller Unzufriedenheit mit dem erreichten Ergebnis zeigte sich Grübel aber auch entschlossen und überzeugt, das Steuer in allen Sparten wieder herumreissen zu können. Besondere Priorität hat für ihn die Integration der verschiedenen Geschäftsbereiche der Grossbank. Als ihn ein Analyst darauf ansprach, dass schon seine Vorgänger an der UBS-Spitze die Bank für weitgehend integriert hielten, antwortete Grübel: Wer die UBS, wie sie jetzt aufgestellt sei, für gut integriert halte, liege «definitiv falsch». Bis zum Oktober soll die neue Struktur implementiert werden.
Fortgesetzte Reparaturarbeiten an der Bilanz
Vor den Analysten und Journalisten machte der Konzernchef auch klar, dass er lieber auf profitable Geschäfte verzichten wolle, als die Reputation der Bank weiteren Risiken auszusetzen. Gemessen an ihren Zielen sei die Bank auf jeden Fall «on track». Insgesamt wolle man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Immerhin hat die UBS ihre Bilanz besser als erwartet zu reparieren vermocht. Die Kernkapitalquote (Tier 1) liegt jetzt bei 13,7 Prozent. Analysten hatten der Bank höchstens eine Rate von 11,9 Prozent zugetraut. Verglichen mit der Credit Suisse ist das nicht beeindruckend. Diese weist eine Kernkapitalquote von 15,5 Prozent aus. Doch auf dem Hintergrund der Tatsache, dass die Bank noch vor kurzem durch den Staat gerettet werden musste, ist das eine beeindruckende Leistung.
Investmentbanking weiterhin in der Verlustzone
Unter den Geschäftseinheiten hat im Vergleich zum ersten Quartal das Investmentbanking absolut betrachtet am meisten zugelegt, auch wenn hier weiterhin ein Verlust von 1,846 Milliarden Franken resultiert. Im Vorquartal belief sich dieser immerhin noch auf 3,162 Milliarden. In den Verlust für das zweite Quartal eingerechnet sind die erwähnten buchhalterischen Verluste durch einen höheren Wert der eigenen Schulden.
Einen Verlust von 221 Millionen Franken (nach 35 Millionen im Vorquartal) weist auch der Bereich «Wealth Management Americas» aus. Die Einheit «Wealth Management & Swiss Bank» liefert dagegen mit 932 Millionen Franken (nach 1,077 Milliarden im Vorquartal) den grössten Gewinnbeitrag der Grossbank. Einen leicht positiven Beitrag liefert mit 82 Millionen Franken (nach einem Verlust von 59 Millionen im Vorquartal) auch der Bereich «Global Asset Management».
Zu den weiteren Aussichten gab die UBS wenig Konkretes bekannt. Zum wirtschaftlichen Umfeld bleibt sie pessimistisch. Eine nachhaltige Erholung sei nicht in Sicht. Immerhin sagte Finanzchef John Cryan, ausgenommen von den Belastungen würden sich bei den operativen Einnahmen bisher auch im dritten Quartal «sehr ermutigende Zeichen» zeigen. Das im zweiten Quartal deutlich aufgehellte Umfeld scheine sich vorläufig auch im dritten Quartal fortzusetzen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.08.2009, 19:39 Uhr
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