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«Wir wollen Jobs anstatt grüne Politik»

Von Ralph Heiniger. Aktualisiert am 09.04.2010 61 Kommentare

Bis um halb zwölf lief am Donnerstag die jährliche Revision in der Kartonfabrik in Deisswil. Dann konnten die Arbeiter nach Hause gehen. Endgültig.

Schock am Stammtisch: Mitarbeiter der Kartonfabrik Deisswil.

Beat Mathys

Interview mit dem Mediensprecher



TeleBärn-Video

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«Wir sind wie die Musiker auf der ‹Titanic›», sagte ein Mess- und Regeltechniker der Kartonfabrik Deisswil und lachte traurig. Etwa zehn Mitarbeiter haben sich gestern Mittag am Stammtisch im Bastelraum der Firma versammelt. Keiner von ihnen wollte seinen Namen nennen. An diesem Tisch diskutiert die Belegschaft schon seit Jahren über Lust und Frust bei Arbeit und im Privatleben. Schlimme Probleme wurden hier bereits besprochen. So schlimm wie gestern war es aber noch nie. Mit einem Bier und Galgenhumor versuchten sich die Angestellten zu trösten. Ab und zu fiel ein deftiger Spruch. Vor allem aber war eine tiefe Enttäuschung zu spüren. «Für uns ist es ein rabenschwarzer Tag», sagte ein Mechaniker und blickte seinen Kollegen in die Augen. Alle nickten betroffen.

Bei der Revision

Die meisten der 255 Beschäftigten arbeiteten gestern wegen der aktuellen Betriebsferien nicht. Nur etwa 50 Mitarbeiter waren mit Unterhaltsarbeiten beschäftigt. «Am Mittwoch habe ich noch elf Stunden gearbeitet. Und heute habe ich bis um halb zwölf eine Maschine revidiert, als wir plötzlich zusammengerufen wurden», berichtet ein anderer Mechaniker.

Von ihren Vorgesetzten wurden sie dann darüber informiert, dass sie ihre Arbeit nach der Mittagspause nicht mehr zu Ende führen müssen. Alle waren schockiert. «Die alten Deisswiler würden sich im Grab umdrehen. Das ist eine Katastrophe», meinte ein Schlosser. Alle sprachen mit Begeisterung über ihre Arbeit. Sie waren stolz auf ihren Deisswiler Karton. «Seit 1876 haben wir hier Karton gemacht. Und jetzt soll alles vorbei sein? Das kann ich gar nicht glauben.»

Nicht damit gerechnet

Es war ihnen bewusst, dass sich die Firma in einer schwierigen Phase befindet. Mit einer Schliessung hätte aber niemand gerechnet.

Doch wer ist schuld an der Katastrophe? Die Arbeiter sehen viele Ursachen. Die gestiegenen Rohstoffpreise etwa, die teuren Energiekosten oder der tiefe Kartonpreis. In einem Punkt sind sie sich aber einig: Ohne verschärfte Umweltrichtlinien und die Auflagen für Firmen, entweder höhere CO2-Abgaben zu leisten oder aber in die Umweltfreundlichkeit zu investieren, hätten sie ihre Arbeitsplätze nicht verloren. «Die Grünen haben unsere Fabrik geschlossen», heisst es in der Runde. «Die sollen jetzt dafür sorgen, dass wir wieder neue Arbeitsplätze finden.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.04.2010, 10:06 Uhr

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61 Kommentare

Peter Münger

08.04.2010, 14:24 Uhr
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MM wollten den Betrieb sicher schon lange schliessen, investiert wurde ja kaum. Nun geben sie den Grenzwerten schuld. Die Berner Regierung muss den entlassenen dringend helfen und ist gefordert einmal Taten zu bringen. Mit Trostpflästerli ist keinem geholfen. Schlimm für die 250 Leute, schlimm für all die anderen welche über unsere Schaumschläger stolpern. Nun hat ja das Gartencenter einen Stao. Antworten


Miriam Stoller

08.04.2010, 19:21 Uhr
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@ Flückiger: Welchen monetären Nutzen zieht wohl die Firma MM von der Schliessung der Karton Deisswil? Vielleicht eine Konspiration der Wirtschaftsbosse? Wenn die Ausgabenseite in Relation zur Einnahmenseite nicht mehr rentiert, wird jedes Unternehmen seinen Schluss daraus ziehen. Das hat nichts mit bösen Wirtschaftsbossen, sondern mit schlechten wirtschaftlichen Voraussetzung in BE zu tun. Antworten



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