Wie viel Lehman steckt in Morgan Stanley?
Von Amir Ali. Aktualisiert am 06.10.2011 1 Kommentar
Morgan Stanley in der Sackgasse? Strassenschilder vor dem Hauptsitz der Bank in New York. (Bild: Reuters )
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Wie schlecht geht es Morgan Stanley? ( 13.35 -0.82%) Die Sorge um die US-Grossbank dominiert die Wallstreet. «Ist Morgan Stanley das nächste Lehman?», fragt ein CNN-Kolumnist. «Die Angst der Investoren um Morgan Stanley spitzt sich zu», weiss die «New York Times» (NYT). Und «Spiegel online» titelt: «US-Grossbank gerät in den Krisensog».
Dass das 800-Milliarden-Dollar-Institut angesichts der globalen Wirtschaftslage alles andere als einen Höhenflug erlebt, ist klar. Da sitzt Morgan Stanley mit den anderen Banken weltweit im selben Boot. Und dieses steuert derzeit mitten hindurch zwischen Skylla und Charybdis – zwischen der abgemurksten US-Wirtschaft und der Währungskrise in Europa. Diese geht die US-Banken nicht nur theoretisch, sondern sehr konkret etwas an: denn sie sind mit Milliarden auf der anderen Seite des Atlantiks investiert.
Nervöse Investoren
Die Investoren werden je länger, je nervöser. In den letzten drei Monaten ist der Marktwert von Morgan Stanley um mehr als 40 Prozent gesunken, schreibt die NYT. Am Freitag verlor die Aktie noch einmal über 10 Prozent. Sie steht damit vergleichbar schlecht da wie etwa die Bank of America (–44 Prozent in den letzten drei Monaten), Citigroup (–38 Prozent) oder Goldman Sachs (–28 Prozent).
Doch bei Morgan Stanley schauen die Investoren nun genau hin. Die Bank mit dem weltgrössten Brokergeschäft soll in Europa nämlich besonders exponiert sein. Man sorge sich an der Wallstreet um zweierlei, so die NYT: Wird die Bank das turbulente Handelsumfeld meistern können? Und vor allem: Besitzt sie noch genug Vertrauen, um sich bei anderen Banken kurzfristige Kredite zu beschaffen?
Dieser sogenannte Interbankenhandel ist essenziell: Banken leihen sich untereinander permanent Geld, um vorübergehende Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Kriegt eine Bank kein Geld mehr von der Konkurrenz, kann sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.
Exponiert im kriselnden Frankreich
In Frankreich, wo mit der französisch-belgischen Dexia das erste europäische Institut ins Wanken geraten ist, zeichnet sich das bereits ab: Wie kürzlich bekannt wurde, deponieren Banken ihr Geld jetzt lieber bei den Zentralbanken, als es untereinander auszuleihen – wie schon 2008, als diese Entwicklung die grosse Krise einläutete, deren prominentestes Opfer die Bank Lehman Brothers war.
Und genau in Frankreich ist Morgan Stanley überdurchschnittlich stark engagiert. Die Bank selbst und einige Analysten beschwichtigen: Es gebe keinen Grund zur Panik. Tatsächlich liegen die Zahlen schon länger auf dem Tisch: Ende letzten Jahres soll der Wallstreet-Titan laut «Spiegel online» mit rund 39 Milliarden Dollar in Frankreichs Finanzwelt investiert gewesen sein. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt das Engagement knapp 9 Milliarden, in Italien gar nur 1,8 Milliarden.
Teure Ausfallversicherung
Ein Indikator, der die Nervosität der Investoren zeigt, sind die sogenannten Credit Default Swaps. Der Preis dieser Kreditausfallversicherungen zeigt an, für wie wahrscheinlich der Markt einen Bankrott des betreffenden Institutes hält.
449'000 Dollar kostet die Ausfallversicherung auf Morgan-Stanley-Aktien im Wert von 10 Millionen Dollar derzeit – fast dreimal so viel wie noch im Juni, aber immer noch weit weniger als 2008 nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers.
Die Realität zählt wenig
Eine Tatsache ist auch: Im Markt zählt die Wahrnehmung der Teilnehmer – sie bestimmt die Realität. Ob die Bank tatsächlich von Liquiditätsengpässen bedroht ist oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle. Verliert sie das Vertrauen der Anleger ganz, wird sich die Prophezeiung selbst erfüllen.
Aus diesem Grund lobt das «Wall Street Journal» den Schritt, den Morgan-Stanley-CEO James Gorman am Montag machte: In einem unaufgeregten Memo, das natürlich via Presse auch an die Öffentlichkeit ging, forderte er seine 63'000 Mitarbeiter dazu auf, Ruhe zu bewahren und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. «In fragilen Märkten, wo die Angst über den Verstand siegt, kommt so etwas vor», schrieb Gorman zu den Gerüchten. Um Ängsten über einen drohenden Liquiditätsengpass entgegenzuwirken, schob Gorman unter anderem eine Analyse der Credit Suisse vor: Deren Analyst sieht selbst einen Zusammenbruch des Euro für Morgan Stanley als «verdaubar» an. Doch Gorman verschweigt in seinem Memo den ersten Satz der Credit-Suisse-Analyse: «Wir lagen falsch, Morgan-Stanley-Aktien zu empfehlen», heisst es dort.
Ob die Ängste um Morgan Stanley begründet sind oder ob bloss die «fragilen Märkte» verrückt spielen, wird schon übernächste Woche klarer werden. Dann veröffentlicht die Bank ihre Quartalsergebnisse. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.10.2011, 14:46 Uhr
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1 Kommentar
So so. Der John Mack wird als möglicher UBS Grübel Nachfolger gehandelt. Blos nicht. Er soll doch zuerst einmal in seinem Laden aufräumen und uns allen zeigen dass er nicht nur ein verwöhnter Zocker ist und Firmen aushöhlen kann, sondern auch was aufbauen, dann darf er sich bei der UBS bewerben, aber dann wird er sicher schon über 100 sein und niemand interessiert sich noch für Mack. Stay at home. Antworten
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