Wie ich zum Milliardenbetrüger wurde
Aktualisiert am 21.09.2011 22 Kommentare
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Prozess gegen Adoboli
Der Prozess gegen den jungen Händler Kweku Adoboli dürfte einer der meistbeobachteten des Jahres werden. Beobachter fragen sich: Wie hat Adoboli, der Computerwissenschaften studiert hatte, das System so beruhigt, dass es nicht Alarm schlug? Hatte er möglicherweise Helfer in der IT-Abteilung oder im Backoffice? Und was war das Motiv des jungen Händlers?
Das «Wall Street Journal» weist darauf hin, dass der Handel mit den entsprechenden Sicherungspositionen, sogenannten Exchange Traded Funds ETF in Europa ungenügend kontrolliert sei. Diese würden nicht wie in den USA öffentlich an den Börsen gehandelt, sondern in vielen Fällen bilateral mit einer Gegenpartei, die nicht mit ihrer Identität auftreten müsse.
Die Bank, so vermutet das «Wall Street Journal», habe den Betrug wohl erst entdeckt, als die Deadline für den fiktiven Posten ablief – und einfach kein Geld kam. Die UBS hat ein Team beauftragt, die internen Vorgänge zu untersuchen und direkt dem Verwaltungsrat zu berichten.
Die Fakten zum Fall sind erst in groben Zügen bekannt. Adoboli hat mit Geld der Bank auf die Kursbewegungen der Aktienindizes EuroStoxx, S&P500 und Dax spekuliert. Die Höhe der Investition habe sich im üblichen Rahmen bewegt, liess die UBS verlauten. Das Problem: Adoboli sicherte sich nicht wie üblich ab, indem er für einen ähnlich hohen Betrag auf gegenteilige Kursbewegungen setzte.
10 Milliarden Dollar, so die Schätzung der «Sunday Times» (Artikel online nicht verfügbar), setzte Adoboli über die letzten drei Monate hinweg ohne Sicherheitsnetz. Wohl gab er einen entsprechenden Posten im System ein, doch der war fiktiv. Wegen dieser Manipulation lautet die Anklage der Londoner Staatsanwaltschaft nicht nur auf Missbrauch seiner Position, sondern auch auf Betrug. (oku)
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Die Bilder des festgenommenen UBS-Händlers Kweku Adoboli, der in Handschellen abgeführt wurde, müssen Nick Leeson an seine eigene Verhaftung vor sechzehn Jahren erinnert haben. Wie Adoboli hatte er seinen Arbeitgeber um Milliarden gebracht: Mit riskanten und unerlaubten Zins- und Indexspekulationen verursachte der in Singapur stationierte Händler der britischen Barings Bank einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar und trieb das Finanzinstitut 1995 in den Ruin. Seither ist der Mann, der für sein Vergehen dreieinhalb Jahre im Gefängnis sass, ein gefragter Interviewpartner – nach dem Fall UBS (UBSN 11.15 -0.89%) erst recht.
In einem Artikel in der heutigen Ausgabe des «Independent» kommt Leeson allerdings nicht als Finanzexperte zu Wort, gefragt waren von ihm vielmehr psychologische Antworten. In seinem Beitrag für die britische Zeitung beschreibt er, wie man sich als Händler fühlt, der sich verspekuliert hat. «Man glaubt, in den ersten 24 Stunden entdeckt zu werden», schreibt Leeson. «Jedes Mal, wenn die Türe zu deinem Büro aufgeht oder wenn das Telefon läutet, glaubst du, dass nun jemand kommt, der Antworten will.»
Das Herz rast, die Zeit vergeht ereignislos
In dieser ersten Phase lebe man in ständiger Angst. Das Herz rase. Mit der Zeit ändere sich dies. Dann nämlich, wenn der erwartete Anruf, das befürchtete Klopfen an der Tür nicht eintrete. Dann wachse die Zuversicht wieder. «Du beginnst zu glauben, dass du den Verlust korrigieren kannst, dass du zurück auf Feld eins und neu beginnen kannst.»
Auf diese Weise würden zuerst Tage, dann Wochen und schliesslich Monate vergehen. Monate, in denen man den Verlust wettzumachen versuche, sich dieser stattdessen vervielfachen würde. «Schliesslich kam der Anruf. Ich reagierte feige. Ich rannte.» Letztlich sei es aber wie eine Erlösung, wenn der Verlust auffliege. «Dein ganzes Leben war eine Lüge, während mehrerer Jahre», erinnert sich der einstige Händler. Sogar seine Familie, seine Freunde habe er angelogen. Alkohol half.
Nachdem er aufgeflogen sei, habe er viel Anteilnahme erhalten. Nicht nur von seinen engsten Vertrauten, also von jenen, die er jahrelang angelogen hatte, sondern auch von der Öffentlichkeit. Er habe Briefe erhalten. «Heute wäre das wohl nicht mehr der Fall», glaubt Leeson. Banker hätten heute in der Öffentlichkeit ein schlechtes Image, noch nie sei die Achtung so tief gewesen.
Auf einmal ist alles real
Nach seiner Verurteilung, schreibt der heute 44-Jährige, habe er alles akzeptiert, was mit ihm geschehen sei. Sein Leben sei in den Jahren zuvor irrational gewesen. «Auf einmal wurde es rational.» Sein Fall weise unglaublich viele Parallelen zu Kweku Adoboli auf: die lange Zeit, bis der Händler sich verraten habe. Die Geldmenge, um die es ging. Und das junge Alter des Händlers. Adoboli ist 31 Jahre alt, Leeson war 28, als er den Milliardenverlust tätigte.
Auch der Beweggrund mag ähnlich gewesen sein. «Ich bin laut Gesetz ein Krimineller. Aber es war keine kriminelle Absicht vorhanden», schreibt Leeson. «Man stürzt sich nicht in solche Sachen, um ein Krimineller zu werden. Du willst Geld für deine Bank machen, ein guter Händler sein und einen grossen Bonus erhalten.» (miw)
Erstellt: 21.09.2011, 10:27 Uhr
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22 Kommentare
Nicht wahr, es ist schön zu glauben, die Zocker seien kriminell + Einzelfälle. So lange wir aber nichts über die internen Regeln + die Art u. Weise ihrer Durchsetzung wissen, können wir nur Mutmassen. So ist nach wie vor offen, ob überhaupt ein Betrug vorliegt + ob der Händler auf Bonusbasis arbeitete. Wir hören ja nur die Bankenseite und die hat alles Interesse an einem kriminellen Einzeltäter! Antworten
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