Weshalb die CS von der Börse abgestraft wird

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 22.10.2009

Übertroffene Markterwartungen und eine ungnädige Börse: Wie geht das zusammen? Bei einem genauen Blick auf die Zahlen der Credit Suisse löst sich der Widerspruch auf.

Seine CS lieferte weit bessere Zahlen als erwartet – der Kurs stürzte dennoch ab: CEO Brady Dougan.

Seine CS lieferte weit bessere Zahlen als erwartet – der Kurs stürzte dennoch ab: CEO Brady Dougan.
Bild: Keystone

Die Zahlen, welche die Credit Suisse heute vorgelegt hat, sind zwar deutlich besser, als die Analysten erwartet haben, dennoch reagiert die Börse ungnädig. Die Aktie der Credit Suisse stürzt zeitweise um mehr als 3,3 Prozent ab. Werden die Erwartungen auf den Märkten übertroffen, so müsste man annehmen, dass die Kurse steigen.

Eine mögliche Erklärung für den scheinbaren Widerspruch liefert ein genauerer Blick auf die vorgelegten Zahlen: Betrachtet man allein die operative Seite, verliert das Ergebnis wieder etwas von seinem Glanz. Denn die Schätzungen der Analysten hat die Credit Suisse vor allem bei rein buchhalterischen Zahlen beziehungsweise Einmaleffekten übertroffen.

Operativ schlechter als im Vorquartal

Das zeigt sich zum Beispiel im Investmentbanking. Dort hat die Bank mit 1,746 Milliarden Franken den weitaus grössten Anteil an Gewinn erzielt (im Private Banking belief er sich auf 867 Millionen, im Asset Management auf 311 Millionen). Im Vergleich zum Vorquartal hat er um 5 Prozent zugenommen. Der Nettoertrag, der zeigt, wie viel Geld das operative Geschäft hier hereingebracht hat, ist dagegen im Vergleich zum zweiten Quartal um 16 Prozent auf 5,046 Milliarden Franken zurückgegangen. Dieser Rückgang wurde weitgehend von den Analysten erwartet.

Für Überraschung sorgte dagegen der Rückgang bei den Kosten. Ausschlaggebend dafür sind vor allem tiefere Rückstellungen, die die Bank für Boni im Investmentbanking vorgenommen hat. «Sie hatte hier Spielraum, weil sie in den letzten beiden Quartalen besonders viel dafür zurückgestellt hat», erklärt Bankenanalyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank. Dadurch schrumpfte der Personalaufwand im Investmentbanking um 600 Millionen auf 2,129 Milliarden Franken.

Verblüffend tiefe Kreditrückstellungen

Die Bank hat zudem auch weit weniger Rückstellungen für Kreditausfälle vorgenommen, als die Analysten erwartet haben. Insgesamt hat sie im dritten Quartal bloss noch 53 Millionen Franken dafür verbucht. Im letzten Quartal waren es noch 310 Millionen. Die Analysten waren davon ausgegangen, dass die Bank in etwa wieder im gleichen Umfang Rückstellungen tätigen wird. Denn immerhin ist damit zu rechnen, dass viele Unternehmen durch die Wirtschaftskrise an den Rand ihrer Zahlungsfähigkeit gelangt sind und in den nächsten Monaten ihre Schulden nicht mehr werden begleichen können. Erhöhte Rückstellungen für Kreditrisiken haben auch andere Banken ausgewiesen, die bereits ihre Zahlen präsentiert haben. Ebenfalls nicht erwartet haben die Analysten eine Veränderung bei den Rückstellungen für Steuern, diese hat die Credit Suisse um 205 Millionen Dollar reduziert.

Zählt man alle diese buchhalterischen Überraschungseffekte zusammen, ergibt sich ein Betrag von mehr als einer Milliarde Franken. Ohne sie würde das Ergebnis der Credit Suisse tiefer ausfallen, als es die Analysten erwartet haben. Diese Zahlenspielerei ändert nichts daran, dass die Schweizer Grossbank einen guten Abschluss vorgelegt hat und auch im Vergleich mit der eigenen Konkurrenz ausgezeichnet aufgestellt ist. Doch sie relativieren den deutlich besseren Abschluss gegenüber dem Vorquartal. Denn bei den Erträgen hat die Bank in den wichtigen Bereichen Investmentbanking und Private Banking weniger auszuweisen als damals. Selbst im Asset Management, wo der Ertrag um 76 Prozent auf 765 Millionen Franken angestiegen ist, verdankt sich das vor allem dem Verkauf von Unternehmensteilen an «Aberdeen Asset Management», was 207 Millionen eingebracht hat. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2009, 15:34 Uhr

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