Wer für Pyongyangs Herrscher all den Luxus besorgte
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1994 dann flüchtete der heute 75-Jährige aus Nordkorea - nach mehr als 15 Jahren im Verborgenen ist er nun in Wien ans Licht der Öffentlichkeit getreten. «Ich bin aus dem Schatten getreten», sagt Kim. «Aber wie lange die Sonne für mich scheint, weiss ich nicht. Ich denke: kurz.»
«Die Nordkoreaner werden versuchen, mich gefangen zu nehmen und zu töten», sagt der Mann. «Ich habe Angst», fügt er in fast perfektem Deutsch hinzu.
Die Sprache hat er in der DDR gelernt, sie war ihm bei seinen Einkaufstouren oft hilfreich - schliesslich war vor allem Österreich eines seiner regelmässigen Ziele. Dort habe es damals noch geheime Konten, Handelsfreiheit und vor allem lasche Grenzkontrollen gegeben, sagt er.
Aktenkoffer voll Bargeld
Ausgestattet mit einem Diplomatenpass und oft auch mit einem Aktenkoffer voller Bargeld besorgte Kim nach eigenen Angaben alles, was in Pyongyang gewünscht wurde: hochsensibles Spionagematerial, Waffen, kleine Flugzeuge, Luxusautos und Perserteppiche oder extra für den damaligen Diktator Kim Il-sung eine Waffe mit Goldbeschlag.
Dass eigentlich ein internationales Handelsembargo gegen sein Land bestand, hinderte Kim nie an seinen Grosseinkäufen, die oft im Keller der nordkoreanischen Botschaft in Wien gelagert und dann mit falschen Papieren ausgeführt wurden. Unter anderem handelte Kim mit Unternehmen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und der Tschechoslowakei.
Über seine Rolle als nordkoreanischer Chef-Einkäufer berichtet Kim in dem jetzt erschienenen Buch «Im Dienst des Diktators», das er mit einer österreichischen Journalistin schrieb.
Darin wird auch geschildert, wie sich der damalige Oberst der nordkoreanischen Armee absetzte - nach eigenen Angaben abgestossen davon, dass die Führung in Pyongyang im Luxus schwelgte, während die Bevölkerung in Armut lebte.
Tod vorgetäuscht
Bei einer Reise nach Österreich habe er im Oktober 1994 einfach seinen eigenen Tod vorgetäuscht und sei nicht mehr zurückgekehrt. Seine Familie habe er vorher nicht informiert. Er habe ihr Schwierigkeiten ersparen wollen.
«Ich wollte Freiheit suchen, ich musste Freiheit suchen», begründet der 75-Jährige sein Handeln. Er lebte die vergangenen Jahre illegal in Österreich, immer in der Hoffnung, dass sich die politische Lage in seinem Heimatland ändert. Diese Hoffnung habe er inzwischen aber aufgegeben.
«Meine Familie, meinen Sohn, meine sehr schöne Tochter vor dem Sterben noch einmal zu sehen, das ist mein Traum», sagt der alte Mann. «Aber das ist weit entfernt von einer eventuellen Möglichkeit - weit entfernt.»
Also wird Kim weiter in Europa leben - wo genau, will er zum eigenen Schutz nicht verraten. «Morgen, übermorgen werde ich wieder untertauchen.» (cpm/sda)
Erstellt: 15.03.2010, 12:47 Uhr
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