Wirtschaft

Weniger PS, mehr Verstand

Toyota verabschiedet sich aus der Formel 1, GM behält Opel: In der Autobranche feiert die Vernunft ein Comeback.

Weniger PS-Galmour, mehr Öko-Bewusstsein - das ist die Maxime bei Toyota: Szene aus der Formel-1-Boxenstrasse, Toyota Prius.

Weniger PS-Galmour, mehr Öko-Bewusstsein - das ist die Maxime bei Toyota: Szene aus der Formel-1-Boxenstrasse, Toyota Prius.
Bild: Keystone

Der geplante Verkauf von Opel hat eigentlich nie Sinn gemacht: Die Deutschen haben am meisten Knowhow wenn es darum geht, sparsame Kleinwagen zu bauen; von dem Typ Auto also, der zur Zeit gefragter ist denn je. Das gilt auch in den USA: Bei der amerikanischen Version der Abwrackprämie, dem «cash for clunkers»-Programm, haben die führenden Hersteller von energie-effizienten Kleinwagen, beispielsweise Toyota und Honda, am meisten profitiert. Ford hat dies erkannt und baut seine europäischen Modelle auch die den US-Markt.

Ford hat denn auch mit einem Gewinn im dritten Quartal überrascht, und auch bei GM zeichnet sich so etwas wie Morgenröte ab. Gestern gab das Unternehmen – ebenfalls überraschend – bekannt, dass die Verkäufe auf dem Heimmarkt im Oktober erneut gestiegen seien. Offensichtlich beginnt sich die Abkehr von SUVs und Pickups auszuzahlen. Der schlimmste dieser Benzinschlucker, der Hummer, wurde inzwischen an chinesische Investoren verkauft.

Die europäischen GM-Werke gehören zu den effizientesten Autofabriken der Welt

Die finanzielle Situation von GM habe sich deutlich verbessert, gab GMs Boss Fritz Henderson gestern ebenfalls bekannt. Damit sind offensichtlich die Voraussetzungen geschaffen worden, Entscheide nicht mehr panikartig zu fassen und die Situation nüchtern zu analysieren. Das wiederum hat offensichtlich zu einem Umdenken geführt. Mit guten Gründen: Die GM-Werke in Europa gehören zu den effizientesten Autofabriken der Welt, sie bauen die richtigen Produkte. Warum also soll man dies zu einem Schleuderpreis via den Zulieferanten Magna nach Russland verhökern? Aus zwei Gründen wäre dies idiotisch: Erstens gehört Russland in die Kategorie Zukunftsmärkte, wo sich noch sehr viele Autos verkaufen lassen. Zweitens hätte man die nach wie vor marode russische Autoindustrie quasi gratis aufgerüstet und sich damit einen Konkurrenten mehr aufgehalst, der einem ausgerechnet in einem attraktiven Markt das Leben schwer macht. Keine gute Idee. Deshalb hat man in Detroit den Rückwärtsgang eingelegt und den Verkauf von Opel abgeblasen. Das ist ein bisschen peinlich, zugegeben. Aber was solls?

Das Kultauto der Japaner ist der grüne Prius

Ein dicke Kröte musste ja auch Toyota schlucken. Die Nummer 1 der Autohersteller hat nun den Ausstieg aus der Formel I bekannt gegeben. Jahrelang sind die Japaner Ferrari & Co. hinterhergefahren, obwohl sie am meisten Geld zur Verfügung hatten. Jetzt hat die Vernunft über den Stolz gesiegt. Auch in diesem Fall sind die Gründe offensichtlich: Die Formel-1-Technik hat längst nichts mehr damit zu tun, was in einem normalen Auto zum Einsatz kommt. Im Zeitalter der Klimaveränderung hat der Rennsport auch ein wachsendes Imageproblem. Selbst BMW und Honda – beides Marken mit starker Betonung auf einen sportlichen Fahrstil – haben sich deshalb aus dem Formel-1–Zirkus verabschiedet. Warum sollte also Toyota weiter sinnlos Geld verbrennen? Das Kultauto der Japaner ist der grüne Prius –, und für Prius-Fahrer sind Formel-1-Rennen etwa so obszön wie Pornofilme.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.11.2009, 13:58 Uhr

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