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Weihnachtsgeschäft: Nur die Juweliere müssen zittern

Aktualisiert am 10.11.2008

Laut einer Umfrage herrscht bei Schweizer Einkaufshäusern trotz Finanzkrise Zuversicht, viele rechnen sogar mit steigenden Umsatzzahlen. Einzig die Juweliere zittern.

Wenns glitzert und funkelt: In den Geschäften ist von Finanzkrise noch nichts zu spüren.

Wenns glitzert und funkelt: In den Geschäften ist von Finanzkrise noch nichts zu spüren.
Bild: Keystone

Auch wenn in den Geschäften die Weihnachtsdekorationen bereits hängen, muss der Weihnachtsverkauf aus Sicht der meisten Händler erst noch beginnen. Die Zuversicht auf «goldene» Weihnachten ist indes gross. Als Frühindikator dafür galt für Coop-Mediensprecher Nicolas Schmied das Halloween-Geschäft von Ende Oktober: «Die Verkäufe bewegten sich auf dem guten Vorjahresniveau. Und Halloween hat gegenüber Weihnachten einen viel tieferen Stellenwert.» Coop erwarte daher keinen Umsatzeinbruch wegen der Wirtschaftskrise.

Optimistisch auf das Weihnachtsgeschäft blickt man auch bei Migros und Manor. Aufgrund der aktuellen Umsätze erwartet Migros-Sprecherin Monika Weibel ein ähnliches Verkaufsresultat, wie im letzten Jahr. Und Elle Steinbrecher, Mediensprecherin von Manor, fügte an, dass Manor in den letzten Monaten sogar Marktanteile dazugewonnen habe.

iPhone und Lego im Indiana Jones-Look

Als potenziellen Weihnachtstrends 2008 sieht Steinbrecher digitale Fotorahmen, das Apple-Handy iPhone, Laptops und iTunes Karten, die CD als Geschenke immer weiter verdrängen. Im Spielbereich dürften demnach nach wie vor ferngesteuerte Hubschrauber im Trend sein. Daneben sei eine Lego-Serie mit Motiven des Filmhelden Indiana Jones sehr gefragt. Als Geheimtipp erwähnt die Mediensprecherin zudem ein Spiel, bei dem man Zeitungspapier selber recyceln könne.

Bereits begonnen hat das Weihnachtsgeschäft bei der Möbelkette Ikea. Wie Marketingchef Carlos Friedrich sagte, sind die Zahlen besser als im Vorjahr. Besonders gut verkaufen sich demnach Produkte im dekorativen Lichtbereich mit LED-Lampen und Produkte im skandinavischen Stil - ein Stil, der auch den Dekorateuren des Warenhauses Globus zu gefallen scheint.

Scandinavian Christmas bei Globus

Am nächsten Donnerstag startet das Warenhaus mit der Weihnachtsaktion Scandinavian Christmas. Von einer Wirtschaftskrise spüre man bei Globus gar nichts, sagte Sprecher Jürg Welti. Die Umsatzzahlen bis Oktober seien sogar um mehrere Prozent besser gewesen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Gerade wegen der Finanzkrise ein gutes Geschäft erhofft sich die Buchhandlung Orell Füssli, wie Mediensprecher Andras Nemeth verriet: «Wenn es kriselt, sind Bücher, weil preisgünstig, erfahrungsgemäss beliebte Geschenke.» Letztes Jahr war das noch anders: «Wir hätten zu jedem Buch eine Champagnerflasche hinstellen müssen, dann hätte das Geschäft floriert», sagte Nemeth und hofft nach den «Champagner-Weihnachten» vom letzten Jahr heuer auf «Buch-Weihnachten».

Positiv auf das Weihnachtsgeschäft blicken auch die Anbieter von Unterhaltungselektronik. Die Verkäufe trotzten den negativen Nachrichten, teilte etwa Interdiscount-Leiter Joos Sutter mit. Unter dem Weihnachtsbaum sieht er auch in diesem Jahr wieder viele TV-Flachbildschirme liegen. Daneben misst Sutter dem Bereich Netbook und Gaming eine grosse Bedeutung für das eigene Weihnachtsgeschäft zu.

15 Prozent weniger Umsatz bei Türler

Weniger gut schätzt der Zürcher Juwelier Franz Türler das Geschäft mit dem Weihnachtsmann ein. Bereits jetzt spüre er wegen der angespannten Wirtschaftslage einen Umsatzrückgang von fünf bis 15 Prozent - allerdings auf hohem Niveau. Die Menschen setzten wieder vermehrt auf Qualität statt Quantität. Eine Feststellung die auch Andre Hirschi, Präsident des Verbandes Schweizer Goldschmiede und Uhrenfachgeschäfte, in den letzten Tagen machte. Anders als Türler rechnet er jedoch nicht mit einem Umsatzrückgang im Weihnachtsgeschäft. Erfahrungsgemäss dauere es immer ein bisschen länger, bis Uhren- und Schmuckhändler Wirtschaftskrisen zu spüren bekämen. Dies sei schon in den 1980er Jahren so gewesen. Qualitativ hochwertige Produkte blieben auch in Krisenzeiten gefragt.

Nicht ganz so optimistisch schätzte Bucherer-Marketingdirektor Paul Herzog die Situation ein: «Bis vor ein paar Wochen, waren wir noch zuversichtlich, dass wir den Weihnachtsumsatz vom letzten Jahr erreichen können. Jetzt denken wir nicht mehr, dass dies möglich sein wird.» Schon jetzt zeichne sich ab, dass der Umsatzrückgang das Uhrengeschäft stärker tangieren werde als das Schmuckgeschäft. Gefragt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten seien vor allem werterhaltende Produkte, wie Diamanten oder im Bereich der Uhren der Klassiker Rolex.

Erstellt: 10.11.2008, 11:36 Uhr

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