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Wegelins konspiratives Konto

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 04.02.2012 38 Kommentare

Die USA werfen der Bank Wegelin vor, im Rahmen einer Verschwörung mit Steuerbetrügern Geld gewaschen zu haben. Als Schaltstelle diente ein Korrespondenzkonto bei der UBS in den USA.

Die Bank Wegelin unterhielt ein Korrespondenzkonto bei der UBS in Amerika: Tresorraum der Bank in St. Gallen.

Die Bank Wegelin unterhielt ein Korrespondenzkonto bei der UBS in Amerika: Tresorraum der Bank in St. Gallen.
Bild: Keystone

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Tatort war Stamford im US-Staat Connecticut. Dort unterhält die Bank Wegelin ein Konto bei der UBS – «sicher seit den späten 90er-Jahren», wie Preet Bharara, New Yorker Distriktsstaatsanwalt, in seinem Antrag schreibt, mit dem er die Blockierung von Wegelin-Geldern erwirkte.

US-Banken, aber auch Nicht-US-Banken mit Standort in den USA, bieten als Korrespondenzbank kleineren Banken ohne Niederlassung in den Vereinigten Staaten ihre Infrastruktur an. Diese erhalten so auf indirektem Weg Zugang zum US-Finanzmarkt. Über ein Korrespondenzkonto können sie die Finanzgeschäfte ihrer Kundschaft abwickeln. Ein solches Konto unterhält Wegelin bei der UBS in Stamford.

Vorwurf der Verschwörung

An sich ist das die normalste Sache der Finanzwelt. Das räumt selbst Bharara ein. Nicht normal findet er hingegen, dass «Wegelin und andere Schweizer Banken dieses Korrespondenzbankkonto in den Vereinigten Staaten nutzten, um undeklariertes Geld von steuerpflichtigen US-Kunden zu waschen». So seien Gelder von schwarzen Konten bei Wegelin über dieses Korrespondenzkonto bei der UBS verschoben und – teils mittels Checks – an die Besitzer ausbezahlt worden. Bharara bezichtigt Wegelin der Verschwörung mit mehr als hundert steuerpflichtigen US-Kunden.

Das sind geballte Anschuldigungen, die man bei Wegelin nicht kommentieren will. Man habe die Anklageschrift zur Kenntnis genommen, sagt Sprecher Jörg Denzler. Man lasse sie durch die Anwälte analysieren. Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, wolle man sich zur Sache selbst nicht äussern.

Delikat ist die Geschichte zunächst für die Bank Wegelin. Gegen sie richtet sich die Anklage. Sie steht in den Dokumenten am Pranger. Gleichzeitig braut sich in Bhararas Papier ein Gewitter gegen zwei weitere Schweizer Banken zusammen. Noch kennt man ihre Namen nicht. Die Rede ist nur von der «Schweizer Bank C» und der «Schweizer Bank D». Wie Wegelin sollen diese beiden Institute unversteuerte Gelder in die USA verschoben und dort den Besitzern zugehalten haben. Dazu haben sie gemäss Anschuldigung den Weg über das Korrespondenzkonto von Wegelin gewählt.

Wer sind die Banken C und D? Wer bei der «Elfergruppe» nachfragt – jenen elf Banken, die seit Wochen verzweifelt versuchen, sich mit den US-Behörden zu einigen –, stösst auf eine Mauer des Schweigens. Julius Bär, Zürcher und Basler Kantonalbank, Liechtensteinische Landesbank – überall hütet man sich, durch eine unbedachte Äusserung aufzufallen. Nur hinter vorgehaltener Hand hört man Aussagen wie: «Die Betriebstemperatur bei uns ist spürbar gestiegen.» Und fast überall wird beschwichtigt, man kooperiere voll und ganz mit den USA.

Indirekte Kritik an der UBS

Neben Wegelin wird in Bhararas Schrift die UBS als Korrespondenzbank namentlich erwähnt. Der Staatsanwalt bezeichnet das Korrespondenzbanking als «Einfallstor für die Geldwäsche». Er verweist auf ein Handbuch, das vor «verschachtelten Konten» warnt. Diese entstünden dort, wo sich ausländische Finanzinstitute über ein Korrespondenzkonto Zugang zum US-Finanzplatz verschafften.

Zwar wird die UBS in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich einer Pflichtverletzung beschuldigt. Bharara zitiert aber aus dem Handbuch, das Korrespondenzbanken verpflichtet, «Transaktionen genau zu überwachen». UBS-Sprecher Christoph Meier hält fest, dass der Staatsanwalt der UBS keine Vorwürfe mache. Und er betont, dass das Korrespondenzbanking häufig betrieben werde und in der Branche ein Standardangebot sei.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.02.2012, 07:36 Uhr

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38 Kommentare

Luigi Radaelli

04.02.2012, 09:06 Uhr
Melden 120 Empfehlung

Diese "schlauen" geldgierigen Banker schaffen es eine 270 Jahr alte Bank an die Wand zu fahren! Jetzt ist natürlich der Bundesrat schuld. Solange so viele Bank- Lobbyisten im Parlament hat, werden wir, das Volk, (Volch) dafür bezahlen! Antworten


Peter Weber

04.02.2012, 10:25 Uhr
Melden 112 Empfehlung

So werden Staaten und damit unserer Gesellschaft Jahr für Jahr Nilliarden entzogen und läuft was schief, wird sofort nach dem Staat gerufen. Unglaublich, diese kriminelle Energie von Superreichen! Klar, dass weitere Institute sowas betreiben, ob Cayman-Inseln oder anderswo, da springen sicher gleich Andere auf, wenn eine Schieberei aufgedeckt wird. So degenerieren Wirtschaft und Moral weiter. Antworten



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