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Was die Begründer von Swatch und Migros miteinander verbindet

Von Karl Lüönd. Aktualisiert am 30.06.2010 8 Kommentare

Nicolas Hayek: Der verstorbene Unternehmer gehört in einer Linie mit Gottlieb Duttweiler genannt. Die Parallelen sind frappant.

Mehr als nur Unternehmer: Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler im Jahr 1960 und Swatch-Gründer Nicolas Hayek im Jahr 2007.

Mehr als nur Unternehmer: Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler im Jahr 1960 und Swatch-Gründer Nicolas Hayek im Jahr 2007.
Bild: Keystone

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Er rettete die Schweizer Uhrenindustrie. Nun ist Nicolas Hayek 82-jährig gestorben.

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Der Autor
Karl Lüönd ist freier Journalist und Om-
budsmann der Axel Springer Schweiz AG. Er hat auch eine Reihe von Sachbüchern verfasst, u. a. «Gottlieb
Duttweiler – eine Idee mit Zukunft».

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Vermutlich wird Nicolas Hayek dereinst in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte als eine der grossen Unternehmergestalten des 20. Jahrhunderts genannt werden, auf gleicher Stufe wie Gottlieb Duttweiler. Die Parallelen sind verblüffend. Beide hatten einen unkonventionellen Werdegang. Duttweiler war als Warenspekulant und Plantagenbesitzer gescheitert; die Migros-Idee war, wie er selber schrieb, seine letzte Chance. Hayek verschlug es nach einer Volte als Versicherungsmathematiker in den Giessereibetrieb des Schwiegervaters, wo unter anderem Bremsklötze für die Bundesbahnen hergestellt wurden.

Zwei geniale Aussenseiter

Als radikale Denker fielen Duttweiler und Hayek – getrennt durch einen Altersunterschied von genau 40 Jahren – in der konformistischen Nachkriegs-Schweiz auf; beide nahmen von Anfang an Aussenseiterpositionen ein. Und beide sprengten den Rahmen ihres angestammten Geschäfts. Duttweiler wurde erst durch den Boykott des gewerblich-gewerkschaftlich-bäuerlichen Komplexes in seine Rolle als Fabrikant von Lebens- und Genussmitteln gedrängt. Als ihm seine Feinde mit dem verfassungswidrigen Filialverbot kamen, antwortete er mit dem Schritt in neue Branchen und gründete etwa Hotelplan. Und er sagte von sich selbst, er sei «durch höhere Gewalt» in die Politik gestossen worden.

Grosse öffentliche Wirkung

Hayek, der sich 1957 als Unternehmensberater etablierte, durchbrach von An-fang an den traditionellen akademisch-distanzierten Ansatz seiner Zunft. Spä-ter wurde er selbst zum Unternehmer. Zunächst aber erwarb er sich den Ruf, nicht nur Konzepte zu schreiben und Ratschläge zu erteilen, sondern sich auch im unternehmerischen Alltag für deren Umsetzung zu engagieren. Damit signalisierte er Behaftbarkeit und Pra-xisnähe. Grosse Namen zierten seine Kundenliste: AEG, Maximilianshütte, Mannesmann, Flick, Thyssen, Audi, Daimler-Benz und andere.

Mit Gottlieb Duttweiler teilte Nicolas Hayek die Passion für öffentliche An-gelegenheiten; beide wandten dabei professionelle Werkzeuge an und machten aus der engen Verknüpfung von staatsbürgerlichem Engagement und geschäftlichen Interessen keinen Hehl. Hayek wurde bei drei solchen Gelegenheiten aktenkundig: bei der Aufarbeitung der Panzerbeschaffung, was zu Reorganisationsversuchen beim damaligen Militärdepartement führte; beim (vergeblichen) Angriff auf die verkrusteten Strukturen der damaligen SRG und bei der grossen Verwaltungsreform in der Stadt Zürich.

Unter Handlungsdruck setzen

Nicolas Hayek scheute auch nicht davor zurück, seine Kunden (die in diesen Fällen deutlich weniger als das normale Honorar bezahlten) durch gezielte Medienarbeit und mit aufsässigen Interviews unter Handlungsdruck zu setzen.

Hier wird eine weitere Gemeinsamkeit mit «Dutti» sichtbar: Im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmern liebten beide die Öffentlichkeit nicht nur; sie verstanden es auch, diese für ihre Zwecke einzusetzen. Duttweiler hatte im Vorfernseh-Zeitalter den Boy-kott der ihm feindlich gesinnten Parteipresse listig unterlaufen, indem er grosse Volksversammlungen abhielt und jede Menge Prozesse führte, deren Ausgang ihm eigentlich egal war; Hauptsache, es wurden damit Anlässe geschaffen, welche die Zeitungen zum Berichten zwangen.

Nicolas Hayek, der seine Selbstdarstellung argwöhnisch kontrollierte und sich, was zumindest unexakt war, gern als Swatch-Erfinder feiern liess, setzte – dem legendären Stein «Duttis» im Bundeshausfenster nicht unähnlich – gern kräftige publizistische Duftmarken, ob er nun das Phantom des Batterienautos zur Tagesaktualität aufschäumte oder sich am Arm von Cindy Crawford fotografieren liess. Moral: Du musst nicht nur Ungewöhnliches leisten, du musst auch dafür sorgen, dass die Leute davon reden. Jedes Wort Hayeks in der Öffentlichkeit fand hohe Aufmerksamkeit – zuletzt in der Bankensache zusammen mit Christian Levrat und Christoph Blocher.

Sympathie und Respekt

Niemand hat je Hayeks Aufstieg zum Milliardär zum Thema gemacht, und über seine Eitelkeit hat man versöhnlich gelächelt. Hunderttausende von Swatch-Kunden, aber nicht nur sie, behalten ihn für seine aussergewöhnliche Lebensleistung mit Sympathie und Respekt in Erinnerung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.06.2010, 23:31 Uhr

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8 Kommentare

Tom Heise

02.07.2010, 09:17 Uhr
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Gottlieb Duttweiler hat seine Milliarden (bis ein "ein paar Milliönchen") verschenkt, er hat eine erfolgreiche Mitte-Partei gegründet und sich gegen die Nazis eingesetzt, er hat das Migros-Kulturprozent eingeführt und vieles mehr für sehr viele Schweizer getan. Ein Vergleich mit Herrn Hayek ist da doch ein bisschen unfair. GD ist zusammen mit Escher für mich der wichtigste Schweizer. Antworten


Thomas Rettenmund

30.06.2010, 09:28 Uhr
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@ Vergleich mit Steve Jobs ist zutreffend! NGH hat aber für den Werkplatz Schweiz insgesamt enorm viele Verdienste. Machte - im Gegensatz zu vielen sog. Beratern - deutlich, dass ein Hochlohnland durchaus konkurrenzfähig mit Billigländern bestehen kann. Seine Unabhängigkeit gegenüber dem Banken-Zirkel bedeutete für ihn unternehmerische Freiheit, eines der wichtigsten Güter. Chapeau, er wird fehlen Antworten



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