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«Was bringts, allein vorauszureiten?»

Von Robert Mayer, Basel. Aktualisiert am 16.10.2009 17 Kommentare

An der Wallstreet werden wieder Rekordlöhne bezahlt. Nun warnt die Schweizerische Bankiervereinigung, Salär- und Bonibeschränkungen könnten zu Wettbewerbsnachteilen führen.

«Die Amerikaner werden nichts, aber auch gar nichts unternehmen»: UBS am Zürcher Paradeplatz.

«Die Amerikaner werden nichts, aber auch gar nichts unternehmen»: UBS am Zürcher Paradeplatz.
Bild: Keystone

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Der neue Trend zur Kurzfristigkeit

In Amerika ist die Höhe der Bezüge eines Managers meist eng mit dem Börsenkurs des von ihm geführten Unternehmens verknüpft. Der Kurssturz an den US-Börsen hat die Managerlöhne letztes Jahr also beeinträchtigt. 70 Prozent der börsenkotierten US-Grossfirmen haben darauf in ihren Lohnsystemen für Manager «substanzielle Veränderungen» vorgenommen. Dies ergab eine Studie der US-Beratungsfirma James F. Reda über 200 der grössten Konzerne, die im Börsenindex S & P 500 enthalten sind. «Übers Ganze gesehen, hat es eine Bewegung gegeben weg von langfristigen Anreizen und eine Verlagerung zu Entlöhnungssystemen mit kurzfristigen Anreizen», lautet das Fazit der Studie.

In jedem vierten Unternehmen sei dieser Trend zu kurzfristigen Anreizen feststellbar. Der Grund dafür sei, dass die Firmen in der Krise stärker auf den kurzfristigen Cashflow fokussierten und zugunsten der Manager mehr Flexibilität einbauten, weil die Zukunft schwerer voraussehbar sei. Damit die Manager wieder auf ihre Rechnung kommen, hätten die Firmen die Erfolgsparameter angepasst und kürzerfristige Messperioden eingeführt, sodass die Ziele sich schneller erreichen liessen. Im Gegenzug habe aber jede zweite Firma den fixen Anteil des Lohnes reduziert oder eingefroren.

Selbst bei den langfristigen Anreizen hätten zwei von fünf Unternehmen Veränderungen im Lohngefüge der Manager vorgenommen. Andreas Flütsch

Die Schweiz solle bei der Regulierung des heimischen Bankensektors keinesfalls auf einen Alleingang setzen. Darauf würden konkurrierende Finanzplätze ja nur warten, erklärte gestern Urs Roth, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bankiervereinigung. Und fügte dann hinzu: «Was bringts, allein vorauszureiten, wenn man am Ende feststellt, dass alle anderen zurückbleiben?» Roth sprach auf der Herbsttagung der Konjunkturforscher von BAK Basel.

Dabei wandte er sich insbesondere gegen ein Vorpreschen der Schweizer Aufsichtsbehörden in der Regulierung der Banker-Boni. Mit Blick auf den diesbezüglichen Stand der Dinge im Ausland kam der Bankiervertreter zu folgendem Fazit: «Die Briten haben etwas getan, Franzosen und Deutsche werden etwas tun, die Italiener werden etwas versprechen, und die Amerikaner werden nichts, aber auch gar nichts unternehmen.»

«Zu perfektionistische» Finma

Auch was das Rundschreiben der Finanzmarktaufsicht (Finma) zu den Vergütungssystemen betrifft, ging Roth auf Distanz zu den Marktwächtern in Bern: «Die vorgeschlagene Regelung geht zu weit, ist zu perfektionistisch und differenziert zu wenig.» Aus Sicht des Bankenlobbyisten müsste namentlich zwischen Gross- und Privatbanken, in- und ausländischen Instituten und nach Mitarbeiterkategorien unterschieden werden. Die Finma ist derzeit dabei, die Reaktionen aus der Finanzbranche auf ihren Entwurf zu den Banker-Boni auszuwerten (siehe TA vom 13. Oktober).

Roth kam ferner auf die Problematik zu sprechen, dass grosse beziehungsweise stark ins internationale Finanzsystem integrierte Geldhäuser eine faktische Staatsgarantie geniessen, weil andernfalls bei einem Konkurs der gesamte Finanzsektor mit in den Abgrund gerissen würde. Überlegungen der Regulatoren im In- und Ausland gehen dahin, ein geordnetes Liquidationsverfahren für solche systemrelevanten Banken im Voraus festzulegen. Eine Alternative dazu wäre wenigstens die Bestimmung von Sollbruchstellen im Konzerngefüge grosser Institute. Dies mit dem Ziel, die für das Funktionieren des Finanzsystems unabdingbaren Einheiten von anderen, abspaltbaren Teilen zu unterscheiden.

«Antikonjunkturprogramm»

Ein solches Vorgehen ist für Roth indes mit erheblichen Risiken behaftet, wie er gestern deutlich machte. Zum einen bestünde für abgespaltene Einheiten eine faktische Konzernhaftung, zumindest laut dem Schweizer Bankengesetz. Ferner wäre im Konkursfall eines Tochterunternehmens der Vertrauens- und Reputationsschaden für den Mutterkonzern so gross, dass dessen Existenz gefährdet wäre. Bei einem einseitigen Vorgehen der Schweiz könnten zudem, so Roth, ausländische Töchter hiesiger Banken im Ausland als «selbstständige» Unternehmen taxiert werden. Dies mit dem Effekt, dass diese Töchter die ausländischen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften erfüllen müssten.

Zum Schluss wurde Roth noch einmal grundsätzlich: Die «Regulierungskumulation», welche auf die Banken zukomme, könne man auch als «Antikonjunkturprogramm» bezeichnen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.10.2009, 11:13 Uhr

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17 Kommentare

Niklaus von-Melchtal

16.10.2009, 11:43 Uhr
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Die Zeche haben vor allem die Eigentümer (Aktionäre) bezahlt. Und der Bund hat auf seiner "Rettungs-Investition" eine horrenden Gewinn gemacht. Antworten


paul hidber

16.10.2009, 11:28 Uhr
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eine regulierung im bankenwesen ist sehr einfach und wäre sofort umsetzbar. die steuerprogression muss mindestens auf internationales niveau (oder höher) angepasst werden. wieso nicht einkommen von über 1 mio mit 50% besteuern? es würde immer noch einiges überbleiben. mit den mehreinnahmen könnten dann eventuelle und wahrscheinliche zuschüsse an 'systemrelevante firmen' mit finanziert werden. Antworten



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