Warum nicht alle Investoren in die Bernie-Madoff-Falle tappten

Seltsame Gewinne, Geheimnis-krämerei, zu viel Macht in zu wenig Händen: Es gab Gründe, dem Jahrhundertbetrüger Madoff nicht zu vertrauen.

Über 10 Prozent Gewinn über alle Jahre hinweg: Bernie Madoff schien der zuverlässigste und beste Hedge-Fund-Manager aller Zeiten zu sein. Wer ihm nicht traute, hatte in der Branche ein Problem: Die Anlagechefs von Pensionskassen und Dachfonds erzählen, dass sie «von Investoren unter Druck gesetzt wurden», in Madoffs Geldmaschine zu investieren.

Wer standhaft blieb, tat dies aus Überzeugung. «Bei Madoff fehlte alles, was einen guten Hedge-Fonds ausmacht», sagt ein Investmentchef. Sein Institut möchte wie alle anderen nicht namentlich genannt werden. Niemand will in dieser schweren Zeit hochnäsig wirken und es sich in der Branche mit jenen verderben, die es schlechter gemacht haben.

Dubiose Strategien

Doch was diese Anlagemanager erzählen, zeigt: Wer wollte, konnte im Fall Madoff deutliche Warnsignale sehen. «Bei der Prüfung eines allfälligen Engagements leuchteten einfach mehrere rote Lampen», sagt ein anderer. Die hellsten waren:

Verdächtige Strategie: Madoff arbeitete mit der sogenannten Split-Strike-Conversion-Strategie. Dabei werden durch Optionsgeschäfte die Verluste, aber eben auch die Gewinne begrenzt. «Wir haben unseren Händlern gesagt, sie sollen das auch machen. Alle erfolgreichen Konzepte werden früher oder später kopiert», erzählt ein Manager. Doch die Rückmeldung von den Optionenhändlern war ernüchternd: Da sei nichts zu machen. Mit dieser Strategie könne man nie die Renditen erzielen, die Madoff seinen Investoren bekanntgab. «Entweder sagt Madoff nicht, was er wirklich macht, oder irgendetwas stimmt sonst nicht», lautete damals das Fazit. Andere Portfolio-Manager kamen zu ähnlichen Schlüssen, indem sie Madoffs Leistung mit Hedge-Fonds verglichen, welche die gleiche Strategie verfolgten.

Unsaubere Struktur: Madoff galt als reguliert, weil er als Händler von der Börsenaufsicht SEC überwacht wurde. Doch seine Investmenttätigkeit fiel nicht darunter. Madoff hatte keinen unabhängigen Administrator, der die Abrechnungen Ende Monat machte und den Fondswert bestimmte. Er hatte keinen unabhängigen Auditor und auch keine unabhängige Depotbank, wo die Wertschriften hinterlegt worden wären. Die Manager für das entscheidende Geschäft entstammten der Familie, der Buchprüfer war unbedeutend und unbekannt. «Das waren Informationen, die man erhielt, wenn man in der Branche nachfragte», erzählt ein Investmentchef.

Keine Auskunft: Wenn man mehr wissen wollte und persönlich bei Madoff vorbeiging, bekam man zwar Café serviert, erfuhr aber nichts. «Es war eine Take-it-or-leave-it-Situation mit schalem Beigeschmack», sagt ein Fonds-Chef.

Viele Mitläufer

Im Nachhinein ist man immer klüger. Doch in der Analyse bleiben die Madoff-Abstinenzler dennoch klar: Wer in diesem Betrugsfall ein ungutes Gefühl hatte und trotzdem investierte, war ein Mitläufer. Wer sich seiner Sache sicher war, hat seinen Job schlecht gemacht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2008, 09:48 Uhr

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12 KOMMENTARE

Michael Meienhofer

25.12.2008, 10:55 Uhr

Hoffentlich muss Madoff den Rest seines Lebens hinter Gittern schmoren. Aber allemal hat sich wieder gezeigt, dass Anlagen mit ĂĽberdurchschnittlichem Gewinn nicht besser sind als einen Gang ins Casino! FĂĽr ein paar Prozente mehr die ganze Investition riskieren? Wohin haben den die Investoren geschaut? Darum: Verbrauche dein Geld bevor es dein Banker verbraucht!


Daniel Wild

21.12.2008, 16:34 Uhr

Was ist der Unterschied zwischen Inflations-Blase und Schneeball-System? Für ein Anleger des Spielertyps kann man mit beide schnell Geld machen und in beide Fälle ist es klar, dass es irgend wann mal krachen wird. Fazit: kein Mitleid für Spieler die verlieren.


Joseph Fischer

20.12.2008, 18:35 Uhr

alles nur halb so schlimm. hier haben vor allem reiche geld verlohren. also im sinne einer gleichmässigeren geldverteilung ein positives ereignis. schlimm wird es erst, wenn bei solchen ereignissen mit steuergeldern die verluste der reichen begrenzt werden. so wie im moment bei der ubs...


Paul ThĂĽrig

20.12.2008, 17:53 Uhr

Einmal mehr zeigt sich,dass man alles was einem die Banken verkaufen möchten sehr genau hinterfragt! Es zeigt sich speziell jetzt,dass die meisten Bankverkäuferinnen- und Verkäufer (sog."Kundenberater") die Weisheit nicht gepachtet haben...


Alexander Dominguez

20.12.2008, 16:31 Uhr

Gier war zu lange geil ! Hedge-Funds sollten verboten werden und Kunden sollten sich wieder auf normale und gesunde Renditen konzentrieren. Wenn Hedge-Fund Manager hunderte von Millionen verdienen, dann kann bei dem System etwas nicht stimmen. Jemand zahlt immer die Zeche ! Wenn das verlogene System aber die Weltwirtschaft aus dem Ruder bringt, dann muss gehandelt werden !


Hans Geldmacher

20.12.2008, 13:21 Uhr

In der SKA /CS und UBS gibts einige kleine Madoffer Hans


Jean Luc Piccard

20.12.2008, 13:09 Uhr

Wenn Bänker auf Bänker hereinfallen, dann zeigt das nur, dass schlussendlich der Bauch entschieden hat. Man könnte sich auch fragen, seit wann traut ein Bänkler dem anderen, die Antwort, die glauben tatsächlich Sie seien anders als der Normalo? Das Gute daran, am WEFORUM wird man wenigstens etwas zu reden haben. Etwa so. Ich bin ein Mensch, habe kein Geld mehr zum Spielen? Und Du? Was du auch?


Fred Weisenberg

20.12.2008, 11:48 Uhr

Es gab 2 Typen Investoren: gieriges Smart Money, dass annahm, dass er mit seinem eigenen Balance Sheet, Orderflow und Insider-Trading die Returns glättete und massierte, sowie die Lemminge, die dachten, wenn der, der und der drin ist, dann muss es gut sein. Und protected von den Freunden der SEC. Schockierend: http://tinyurl.com/madoff1 http://tinyurl.com/madoff2 Makopolos bewies SEC im 05 Fraud


Gene Amdahl

20.12.2008, 11:47 Uhr

Die armen Mitläufer. Es zeigt dass 90% aller Finanzleute eben gar nichts von Finanzen/Börsen etc. verstehen. Es ist ein Roulette, bei dem sich einige kriminell bereichern. Banken haben vergessen wofür sie eigentlich da sind.


Rolf Schumacher

20.12.2008, 10:55 Uhr

Das Wichtigste ist Lehren aus der Misere ziehen zu können. Freiheit ist gut, aber die Kontrolle dieser "Freiheit" durch einen breit abgestützten DEMOKRATISCHEN Staat ist besser. Krankenkassen, Versicherungen, Banken, Syndikate und Monopolisten dürfen nicht bloss von einem zahnlosen Preisüberwacher und einem staatlichen ABWINKORGAN begleitet werden. Das ist nicht Kontrolle sondern ETIKETTENSCHWINDE


maurus candrian

20.12.2008, 10:29 Uhr

wenn "nomen est omen" beherzigt worden wäre: "mad" und "off" .....


Beat Fasnacht

20.12.2008, 06:41 Uhr

Bei einem von 2 Angestellten betriebenem Geschaeft darf man natuerlich nicht misstrauisch werden?




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