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Warum Österreichs Bankenfiasko alle etwas angeht

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 14.12.2009 12 Kommentare

Die Verstaatlichung der Hypo-Alpe-Adria-Bank ist ein Lehrstück über die Schwierigkeiten von Regierungen, die Bankenrisiken wirksam in den Griff zu bekommen.

Die Hilflosigkeit der Aufsichtsbehörden: EZB-Chef Jean Claude Trichet (links) warnt vor weiteren Risiken bei den Banken, Finanzminister Josef Pröll (rechts) muss die Hypo Alpe Adria übernehmen.

Die Hilflosigkeit der Aufsichtsbehörden: EZB-Chef Jean Claude Trichet (links) warnt vor weiteren Risiken bei den Banken, Finanzminister Josef Pröll (rechts) muss die Hypo Alpe Adria übernehmen.
Bild: Keystone

Hauptsitz der Hypo Alpe Adria in Klagenfurt.

Hauptsitz der Hypo Alpe Adria in Klagenfurt. (Bild: Keystone)

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Wieder musste eine Bank durch Steuergelder gerettet werden, diesmal in unmittelbarer Nachbarschaft der Schweiz. Heute hat der österreichische Staat die Hypo-Alpe-Adria-Bank vollständig übernehmen müssen. Die Meldung steht im Widerspruch zum wieder erwachten Vertrauen im Finanzsektor, der überall ansehnliche Gewinne verkündet und sogar wieder hohe Boni bezahlt.

Genau besehen überrascht die Rettungsaktion aber kaum. Die Hypo Alpe Adria ( 230.0566 15.03%) gilt schon seit Längerem als Sorgenkind. In den letzten Wochen hat sich abgezeichnet, dass die bisherigen Hauptaktionäre nicht mehr zur Rettung der Bank bereit sein werden. Auch die Börsen zeigen daher keine Schockreaktionen: die europäischen Bankentitel legen unbeeindruckt von der Meldung zu.

Zeitbombe Kreditrisiken

Dennoch ist das Scheitern der Bank auch ein Lehrstück für die Finanzbranche generell. Einerseits steht er stellvertretend für die verbleibende Anfälligkeit des Finanzsektors und andererseits für die Probleme der Bankenregulierung.

Die Hypo Alpe Adria ist nicht wegen komplizierten Derivatstrukturen gestrauchelt, die für die Finanzkrise anfänglich verantwortlich waren. Sie sitzt auf umfangreichen Krediten, deren Rückzahlung unwahrscheinlich geworden ist. Dieses Problem haben aber auch viele andere Banken in Europa, wie am Wochenende Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank festgestellt hat. Er soll auch in die Diskussion über die Rettung der Hypo-Alpe-Adria-Bank einbezogen gewesen sein.

Systemrelevant sind scheinbar alle

In einer Rede ermahnte Trichet die Banker mit Nachdruck dazu, Gewinne zur Verstärkung ihrer Kapitalbasis, statt für Bonuszahlungen zu nützen. Die Konjunkturkrise führe zu einer Verschlechterung im Kreditportfolio vieler Banken, während die krisengeschwächten Bilanzen ohnehin noch nicht stabilisiert worden seien. Ähnlich äusserte sich auch Thomas Jordan, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank: «Die Lage an den Finanzmärkten bleibt von relativ grosser Unsicherheit geprägt», erklärte er anlässlich des Mediengesprächs von letzter Woche. Aller Erholung zum Trotz hätten die Banken ihre Vorkrisenniveaus «noch bei Weitem nicht erreicht.»

Fragen wirft die Bankrettung auch vor dem Hintergrund auf, dass Politiker überall geloben, künftig nur systemrelevante Banken retten zu wollen. Dass die Hypo Alpe Adria als solche gilt, ist nicht von vornherein selbstverständlich. Von ihrer Grösse her steht sie in Österreich erst an sechster Stelle. Kommt hinzu, dass der österreichische Finanzminister Josef Pröll noch vor wenigen Tagen eine Rettung durch den Staat ausgeschlossen hatte. Dennoch hat er das Institut jetzt auf Kosten der österreichischen Steuerzahler übernommen. Der Ausfall auch von mittelgrossen Banken führt zu Schockwellen für eine Volkswirtschaft. Wenn die Politik das letztlich in jedem Fall verhindern will, geniesst so gut wie jede Bank eine implizite Staatsgarantie – mit einer Lizenz zum Eingehen exzessiver Risiken.

Fehlanalyse durch die Aufsichtsbehörden

Künftig sollen nach dem Willen der Aufsichtsbehörden wenigstens jene Geschäftsbereiche von Banken in den Konkurs geschickt werden, die für die Verluste am meisten verantwortlich sind. Auch hier zeigt das jüngste Beispiel aus Österreich Grenzen auf. Die österreichische Regierung handelte anfänglich vorbildlich. Jede Bank, die Gelder vom Staat beanspruchen wollte, musste unter anderem einen sogenannten Restrukturierungsplan vorlegen, in dem die Geschäftsfelder der Zukunft umrissen sein sollen. Doch laut der österreichischen Zeitschrift «Profil» hat die Hypo Alpe Adria nie solche Pläne übermittelt. So musste letztlich doch das ganze Institut gerettet werden.

Schliesslich zeigt das österreichische Beispiel auch, wie wenig die Aufsichtsbehörden zuweilen in der Lage sind, die Situation einer Bank richtig einzuschätzen. Bevor der österreichische Staat während dem Höhepunkt der Finanzkrise für die Hypo Alpe Adria Garantien im Umfang von 1,35 Milliarden Euro übernahm, liess sie deren Zustand durch die österreichische Nationalbank abklären. Diese kam zum Schluss, die Bank sei «nicht notleidend». Diese Fehleinschätzung erinnert an jene der Schweizer Aufsichtsbehörden, die der Grossbank UBS im Vorfeld der Finanzkrise geglaubt haben, sie würde bei einem Platzen der Immobilienblase in den USA sogar noch Geld damit verdienen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.12.2009, 14:26 Uhr

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12 Kommentare

Rene Meier

14.12.2009, 14:33 Uhr
Melden

Dr. Haider war auch ein Wirtschaftsfachmann. Zusätzlich zu seinen sonstigen Verdiensten. Antworten


Yves Mundorff

14.12.2009, 15:25 Uhr
Melden

@Rene Meier: Na ja, der Haider war vor allem eines: ein Blender! Antworten



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