Vom Computer-Freak zum Popstar
Von Marcel Grzanna. Aktualisiert am 31.03.2010 1 Kommentar
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Der Chef und Gründer der InternetSuchmaschine Baidu, (BIDU 76.9 4.10%) des chinesischen Pendants von Google, (GOOG 707.86 1.13%) wird vor allem von jungen Chinesen wie ein Popstar verehrt. Weil er in die Weltspitze einer Branche aufgestiegen ist, die den Globus rockt. Ausserdem ist Robin Li attraktiv und mit 41 Jahren für ein Konzernchef auch jung.
Riecher von Robin Li unterschätzt
Wenn Baidu neue Produkte vorstellt, ist das immer eine Mischung aus Information und grosser Show – wie bei Apple. Bei der letztjährigen Innovationskonferenz war es nicht anders: Li stellte dem Publikum im Herbst das Zukunftskonzept seiner Suchmaschine Baidu vor. Seine Firma werde Vorreiter beim sogenannten Box Computing sein, einer Technik, die dem Nutzer die Suche nach bestimmten Inhalten im Internet weiter erleichtern und sie noch individueller zuschneiden soll. Die Fans jubelten, viele Experten aber reagierten gelangweilt auf die Ankündigung.
Die Ideen von Li werden oft voreilig vom Tisch gewischt. So wie 1996, als er für IDD Information in den USA arbeitete. Nur zwei Jahre nachdem er seinen Abschluss in Computer-Wissenschaften an der State University of New York in Buffalo gemacht hatte, entwickelte er eine Methode, mit der Internetseiten nach der Anzahl ihrer Verlinkungen zu anderen Seiten geordnet werden. «Ich war sehr aufgeregt, aber mein Boss war es nicht», erinnert sich Li. Heute zählt «Link analysis» zum Standard von Suchmaschinen.
John Wu, der in den Neunzigerjahren für Yahoo Software entwickelte, gesteht heute ein, dass er den Riecher von Li für den Aufbau einer Suchmaschine unterschätzte. 1998 sassen er und Li, damals bei Infoseek angestellt, mit Eric Xu, dem Mitbegründer von Baidu, bei einem Picknick im Silicon Valley. «Niemand steckte damals seine Energie in Suchmaschinen, aber Robin glaubte fest an diese Idee», erinnert sich Wu.
Seine Überzeugungen und seine Zielstrebigkeit haben Li reich gemacht. Auf der Liste der reichsten Chinesen rangiert er mit einem Vermögen von rund 2,15 Milliarden Franken auf Platz 31. Li stammt aus der Provinz Shanxi. Seine Eltern arbeiteten in einer Fabrik. Mit vier Schwestern wuchs er zu Zeiten der Kulturrevolution auf. Robin, dessen Vorname eigentlich Yanhong lautet, schaffte es bis an die Beida in Peking, die beste Universität des Landes. Er beendete 1991 sein Studium des Informationsmanagements.
Das Imperium schenkt Tee aus
Das erste Büro von Baidu waren zwei Hotelzimmer in Peking. Heute ist das Zentrum seines Imperiums mit 60 Prozent Marktanteil grösser als jedes Luxushotel der Stadt. Die Sonne spiegelt sich in den verglasten Fassaden in dem Bürokomplex im Pekinger Nordwesten. Spontan im Herzen der Suchmaschine vorbeizuschauen, lohnt sich in jedem Fall. Wenn der Boss nicht zur Verfügung steht, spendiert die Firma sozusagen als Entschädigung ein T-Shirt und – wenn man lang genug wartet – sogar eine Tasse Tee.
Kritiker werfen Li vor, der Erfolg von Baidu basiere auf der Bereitschaft, den Forderungen nach Zensur durch die chinesische Regierung komplett nachzukommen. Diesen Vorwurf wehrt Li ab: Baidu müsse sich als chinesisches Unternehmen den Gesetzen des Landes unterwerfen.
«Ein sehr aggressiver Typ»
2005 brachte Li das Unternehmen in den USA an die Börse. Seitdem ist Baidu im Nasdaq-Index notiert. Der Startpreis lag bei 27 US-Dollar. Am Dienstag kostete eine Aktie rund 600 Dollar. Mitbegründer Eric Xu hat das Unternehmen 2004 verlassen. Man habe sich nicht auf die Aufgabenverteilung einigen können, hiess es. Mancher glaubt, dass es auch an Li liegt, dass hochqualifizierte Mitarbeiter andere Wege gehen. Dazu gehört Technologie-Chef Li Yinan. Er gilt als Genie auf seinem Gebiet. «Wenn es um die Firma geht, ist Robin Li ein sehr aggressiver Typ. Damit kommt nicht jeder auf Dauer klar», sagt Xiang Ligang, Gründer der Telekommunikations-Website cctime.com.
Trotz seines eher defensiven Auftretens in der Öffentlichkeit beschreiben Mitarbeiter Robin Li als sehr selbstbewusst. «Er ist absolut überzeugt von seinen Urteilen. Und er mag es überhaupt nicht, wenn man ihn kritisiert», sagt die Pekinger Online-Forscherin Lin Juan. Auf absehbare Zeit wird niemand bei Baidu die Stellung des Firmengründers herausfordern können, glaubt Lin.
2006 wurde Li zum damals bevorstehenden China-Start von Google befragt. Li orakelte, in fünf Jahren werde es Google in China nicht mehr geben. Die Prognose könnte sich als richtig erweisen: Im Zensurstreit hat Google unlängst entschieden, Anfragen chinesischer Nutzer auf die unzensierte Site in Hongkong zu leiten. Laut zahlreichen Berichten filtern staatliche Kontrollsysteme unliebsame Suchergebnisse auf dem Rückweg heraus. Damit nicht genug: Der Hongkonger Multimilliardär Li Ka-shing hat als erster bedeutender Unternehmer die Zusammenarbeit mit Google aufgekündigt. Es wird damit gerechnet, dass auch China Mobile auf die Suchmaschine verzichten wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.03.2010, 14:51 Uhr
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1 Kommentar
Google hat in den 5 Jahren seit dem Markteintritt in China einen Marktanteil von nur 14% geschafft. Das nicht wegen der Zensur, sondern weil die Chinesen eben andere Algorythmen gewohnt sind als die Amis. Das Gerede um die Zensur kam Google gerade recht, denn so konnten sie sich zurückziehen ohne die Niederlage einzugestehen. Baidu hatte vor dem Google Rückzug einen Marktanteil von über 50%. Antworten
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