«Um euren Finanzplatz mache ich mir keine Sorgen»
Interview: Bernhard Fischer. Aktualisiert am 25.01.2012 24 Kommentare
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Sie sehen die Zukunft des Euro eher pessimistisch. Geht es noch schlimmer?
Es müssen Opfer gebracht werden, vor allem im Hinblick auf die Peripherie der Eurozone. Einerseits müssen die Schulden der Peripherieländer reduziert werden, das ist bekannt. Aber was noch entschlossener geschehen muss: Die Euro-Kernländer müssen für die Peripherie bezahlen. Geschieht das nicht, wird die Eurozone aller Voraussicht nach auseinanderbrechen.
Hängt das Schicksal des Euro nur noch von Griechenland ab?
Nein, Griechenland wird die Eurozone verlassen und weitere werden folgen.
Was wird aus der Schweiz, wenn es den Euro nicht mehr gibt?
Die Wirtschaft ist stabil und der Ausblick weiterhin gut. Eine Rezession in der Eurozone wird dem Aussenhandel der Schweiz zwar nicht gerade helfen. Und ein Zerfall der Eurozone würde den Aufwärtsdruck auf den Franken verstärken und enorme Kapitalzuflüsse in die Schweiz bedeuten. Aber die Nationalbank hat ja mit der Kursuntergrenze zum Euro bereits Massnahmen ergriffen. Auch um den Finanzplatz mache ich mir keine Sorgen. Das Bankgeheimnis wurde zwar aufgeweicht, aber nach wie vor bringen sehr viele Menschen ihr Geld in die Schweiz.
Sie sagen, es müssen Opfer gebracht werden. Reicht es denn aus, nur zu sparen?
Nein, das Wirtschaftswachstum muss angekurbelt werden. Das heisst: Mehr Jobs, mehr Einkommen und die Staatshaushalte müssen nachhaltig stabilisiert werden. Dabei ist es Aufgabe der Politik, der Bevölkerung Hoffnung zu geben, wenn diese den Gürtel enger schnallt. Wenn die Übung gelingt, haben wir in etwa einem Jahr wieder Licht am Ende des Tunnels.
Wie kann das Wirtschaftswachstum stimuliert werden?
Die EZB hat immer noch Spielraum, die Zinsen weiter bis auf null zu senken, wie das USA und Japan gemacht haben. Sie kann die Kreditmenge ausweiten und sogenanntes Quantitative Easing betreiben. Und sie kann letztlich der Lender of Last Resort sein (die letzte geld- und kreditvergebende Institution). Und das nicht nur wie jetzt für die Banken, sondern auch für Staaten. Und um die Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie wiederherzustellen, könnte es zum Beispiel hilfreich sein, den Euro auf Parität mit dem Dollar zu bringen.
Ist die EZB nicht schon Lender of Last Resort durch die Hintertür, indem sie Banken mit Liquidität versorgt und staatliche Bail-Outs vorerst abgewendet hat?
Für die Banken de facto schon, aber nicht für Staaten. Erst dann wäre das Fiskalproblem für die Eurostaaten wirklich gelöst.
Sie sagten in einem Interview mit dem «Stern» im Oktober, Investment- und Grossbanken wie Goldman Sachs oder Citigroup sollten zerschlagen werden. Finden Sie das heute auch noch?
Das war nach dem Kollaps von MF Global. Finanzinstitutionen, die Nicht-Banken sind, operieren sehr kurzfristig, sind hoch liquide und setzen hohe Hebelwirkungen ein. Das Schattenbankensystem stellt auch für die regulären Banken ein grosses Risiko dar.
Das heisst, am besten keine integrierten Grossbanken mehr?
Im Zuge der «Too big to fail»-Strategie sollten integrierte Grossbanken unbedingt aufgespaltet werden. Der Schweizer Regulator hat das geschickt gemacht und gesagt, wenn ihr euch nicht aufspalten wollt, dann müsst ihr eben eure Kapitaldecke entsprechend stärken. De facto läuft das aber auf eine Aufspaltung hinaus. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.01.2012, 00:00 Uhr
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24 Kommentare
Roubini hat die Immobilienblase vorausgesagt. Er hat aber auch andere Dinge vorausgesagt, welche allerdings (noch?) nicht eingetreten sind. Offenbar scheint hier eher Glück als Genie vorhanden zu sein. Darum würde ich persönlich nicht viel auf die Vorhersagen geben. Vielleicht hat er Glück, vielleicht auch nicht. Wirtschaftsprofessoren sind ebenso präzis in solchen Prognosen wie Taxifahrer. Antworten
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