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Über die Kunst, diskret zu sein

Von Rahel Koerfgen. Aktualisiert am 21.12.2011 3 Kommentare

Seit 2010 wird bei der UBS klammheimlich die Kunstberatung wieder aufgebaut. Dies, nachdem 2009 die Abteilung Art Banking Hals über Kopf geschlossen worden war.

Verlorene Kompetenz: Die UBS Art Collection 2005 zu Gast in der Fondation Beyeler.

Verlorene Kompetenz: Die UBS Art Collection 2005 zu Gast in der Fondation Beyeler.
Bild: Keystone

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Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) ist zurück im Kunstberatungsgeschäft. Seit bereits anderthalb Jahren wird die reiche, kunstinteressierte Klientel der Bank von zwei Spezialistinnen im sogenannten Art Competence Center betreut – mit viel Diskretion. Der Wiederaufbau dieses Geschäftszweigs, der einst unter dem Namen Art Banking in Basel angesiedelt war, wurde von der Öffentlichkeit nicht registriert. Die Grossbank kommunizierte es nie – man wollte den Ball flach halten und nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Kunsthandel soll bleiben, was er ist: ein diskretes Geschäft.

Zu Hause ist die exklusive Helpline für Kunstbesitzer und -käufer in Zürich. Das Competence Center führe UBS-Kunden durch die Komplexität von Kunsttransaktionen und -management. So drückt es Sprecher Dominique Gerster aus. Warum die Kunstspezialisten neu in Zürich und nicht wie früher in Basel tätig sind, dazu will er sich nicht äussern.

Hals über Kopf geschlossen

Nun soll das Art Competence Center ausgebaut werden: In der Zeitung «Frankfurter Allgemeine» sucht die UBS per Stelleninserat nach einem Kunsthistoriker mit mehrjähriger Erfahrung im Bankgeschäft oder im internationalen Kunsthandel. «Die Nachfrage nach der Dienstleistung nimmt zu», begründet Gerster den Schritt. Die Kundenreaktionen auf die Leistungen des Bereichs seien «durchs Band positiv und vielversprechend».

Anders klang das noch im April 2009. Damals schloss die UBS aufgrund der durch die Subprime-Krise verursachten Milliardenverluste die Abteilung Art Banking aus Kostengründen per sofort, Hals über Kopf. Betroffen von der Schliessung waren elf Mitarbeiter in Basel, welche die Kunden in Fragen rund um Kunst über zehn Jahre beraten hatten. Als Folge davon wurde auch der Kurator der UBS Art Gallery in Midtown Manhattan im September 2009 entlassen. An der Avenue of the Americas organisierte die Bank seit 1985 Ausstellungen, die letzte zeigte Werke des Malers Jack Tworkov.

«Der Umgang mit Kunst ist nicht risikofrei»

Nach der Aufgabe der Galerie in New York war aber klar, dass nach einer Erholung der Märkte die Möglichkeit einer Wiedereröffnung in Betracht gezogen werden könnte, wie Mark Arena, damaliger US-Kommunikationschef, gegenüber Bloomberg sagte. Nun arbeite die UBS wieder profitabel, Pläne über Ausstellungen in Manhattan würden aber trotzdem keine bestehen, sagt Gerster. Die Bank will das Geschäft bewusst «low key» halten, deshalb auch das deutlich kleinere Team. Der Namenswechsel erfolgte dem Vernehmen nach aus imagetechnischen Gründen. Er will von der UBS so verstanden werden, dass die alte und die neue Beratungsstelle nicht dieselben sind. Die Leiterin des kleinen Teams, Patricia C. Amberg, legt Wert darauf, zu betonen, dass der Fokus heute auf dem kunstbezogenen Riskmanagement liegt – der Umgang mit Kunst sei nicht risikofrei: Kunstfälschungen oder Geldwäschereiversuche über Kunstobjekte seien nicht selten. Amberg arbeitete bereits unter dem damaligen Leiter Karl Schweizer, dem Riehener Numismatik-Spezialisten, für das Art Banking. Schweizer selbst soll sie als neue Verantwortliche vorgeschlagen haben. Es bestand auch die Möglichkeit, dass Schweizer selbst wieder die Zügel in die Hand nimmt. Doch dieser verliess die Bank im Mai 2010 und machte sich selbstständig.

Lanciert wurde das Art Banking bei der UBS 1998 unter dem damaligen Chef Marcel Ospel. Es war die Zeit des offensiven Expansionskurses. Offiziell ging es der UBS um die Beratung zu Fragen rund um Kunstbesitz, aber auch Erbschaft und Versicherung. Inoffiziell sollte aber mit glamourösen Veranstaltungen – auch in New York – jene wohlhabende Schicht angesprochen werden, die nicht weiss, wohin mit dem ganzen Geld. Geleitet wurde das Art Banking von Anfang an von Karl Schweizer.

UBS sponsert Art Basel weiter

Dieser entwarf bereits Mitte 2009 ein Konzept für das neue Art Competence Center, nachdem die Führung der Bank realisiert hatte, dass es ohne Kunstberatung nicht geht – viele Kunden vermissten den Service und forderten eine Wiederaufgleisung des Geschäfts. Die UBS hatte dieses Bedürfnis unterschätzt – die Schliessung des Art Bankings wird von Insidern heute deshalb als völlig überflüssig bezeichnet. Durch die Schliessung sei «viel Kompetenz» verloren gegangen.

Auf das Sponsoring im Kulturbereich hatte der Entscheid im 2009, das Art Banking aufzugeben, keinen Einfluss. So trat die UBS weiterhin als Sponsor der Kunstmesse Art Basel auf. Dieses Engagement wäre eigentlich in diesem Jahr ausgelaufen, doch laut UBS-Sprecher Gerster habe die Bank einen laufenden Vertrag: «Zeitgenössische Kunst ist für die Bank ein wichtiger und langfristiger Bestandteil im Sponsoring-Portefeuille.»

Bereits seit 18 Jahren tritt die Grossbank nun als Hauptsponsorin der Art auf. Über welche Zeitspanne der laufende Vertrag gilt, ist nicht bekannt. Weder die UBS noch die Art Basel wollen sich dazu äussern. Es ist halt ein diskretes Geschäft. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.12.2011, 10:41 Uhr

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3 Kommentare

Kurt Aegeri

21.12.2011, 12:49 Uhr
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Kunst ist mittlerweilen zu einem absolut widerlichen, spekulativen Milliardengeschäft geworden. Kein Wunder, will die UBS (und bestimmt auch andere Banken) da die Finger im Spiel haben. Die Finma tut gut daran, ein Auge darauf zu haben. Antworten


gunnar jauch

21.12.2011, 15:42 Uhr
Melden 4 Empfehlung

"(...) man wollte den Ball flach halten und nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Kunsthandel soll bleiben, was er ist: ein diskretes Geschäft."
.
So so, der Kunsthandel als ein diskretes Geschäft. Ein Dreckgeschäft, wie der Geldhandel.
Antworten



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