UBS will wieder 1,7 Milliarden Boni ausschütten

Die UBS hat im ersten Halbjahr 3,4 Milliarden Verlust geschrieben, aber dennoch eine hohe Summe für erfolsgabhängige Zahlungen zurückgestellt. Das ist Zündstoff für neue Diskussionen.

Heikler Blick ins Kleingedruckte: UBS-Chef Oswald Grübel.

Heikler Blick ins Kleingedruckte: UBS-Chef Oswald Grübel. Bild: Reuters

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So schlimm wie 2008 sollte 2009 bei Weitem nicht werden. Wie es zurzeit aber aussieht, wird die UBS vermutlich auch für das laufende Jahr einen Reinverlust ausweisen. Und trotzdem könnte sie wie schon im Vorjahr einen Bonustopf in Milliardenhöhe verteilen – was Politiker und Medien erneut zu einem Aufschrei inspirieren mag.

Für das erste Halbjahr 2009 hat die UBS jedenfalls Bonuszahlungen für etwa 1,7 Milliarden Franken zurückgestellt, wie Finanzchef John Cryan andeutete. Diese Boni haben die Angestellten noch nicht auf sicher. Das effektive Ausmass entscheidet sich erst nach dem Jahresende. Doch Banken sollten die für ein Jahr anfallenden Boni buchhalterisch möglichst «gerecht» auf die einzelnen Quartale verteilen, um in den Büchern jeder Berichtsperiode ein einigermassen realitätsnahes Bild zu zeigen. Dafür treffen sie in jedem Quartal gewisse Annahmen – aus welchen dann die Bonusrückstellungen resultieren.

Nicht weniger als die Konkurrenz

Das Dilemma des Vorjahres könnte sich heuer für die UBS wiederholen. Zahlt sie deutlich weniger als die Konkurrenz, verliert sie möglicherweise viele Schlüsselleute, was auf die Erträge drücken kann – wie im ersten Halbjahr im Investmentbanking geschehen. Doch zahlt die UBS hohe («marktgerechte») Boni, droht ein politischer Aufschrei. Am Ende wird es wohl wieder wie im Vorjahr ein schmutziger Kompromiss sein: so tiefe Boni wie möglich, so hohe wie nötig – und im schlimmsten Fall erhöht man wieder ein paar Fixlöhne, um wenigstens das verteufelte B-Wort aus den Schlagzeilen zu bringen.

Eine Kuriosität in der Rechnungslegung sorgt derweil weiter für Verwirrung. Wenn die Kreditwürdigkeit von Banken sinkt, sinkt der Wert ihrer eigenen Schulden. Die Bank könnte daher theoretisch ihre eigenen Schulden unter dem Nominalwert zurückkaufen – weshalb sie durch diese Schuldenabwertung einen Buchgewinn registrieren kann. Das machten 2007 und 2008 diverse Banken, wodurch sie ihre Ergebnisse schönten. Nun kommt mit der Markterholung die Retourkutsche: Die Verbesserung der Kreditwürdigkeit der Banken wertet deren Schulden auf, was Buchverluste bringt. Per Mitte 2009 lag bei der UBS das Potenzial künftiger Buchverluste auf den eigenen Schulden immer noch bei rund 2,4 Milliarden Franken. (Die UBS macht diese Übungen vor allem bei komplizierten Finanzkonstrukten, nicht aber bei einfachen Obligationen.)

Interpretationsbedürftige Bilanzübungen

Diese Buchhaltungsübungen sind verwirrlich. Doch sie dämpfen wenigstens die Ergebnisschwankungen: In der Krise fallen Gewinne an, im Aufschwung Verluste.

Interpretationsbedürftig sind auch die Bewertungen in der Bilanz. Hätte die UBS zum Beispiel seit 2008 nicht gewisse Aktiven aufgrund flexiblerer Buchführungsregeln umgebucht (von der Bewertungsbasis «täglicher Marktwert» zum Prinzip «innerer Wert»), hätte der Reinverlust im 2. Quartal 2009 statt 1,4 Milliarden «nur» 100 Millionen Franken betragen. Dafür wären in früheren Quartalen die ausgewiesenen Verluste um total rund 4Milliarden höher gewesen.

Der neue UBS-Chef Oswald Grübel gab sich gestern wie oft bei öffentlichen Auftritten: kauzig, grimmig, kurz angebunden, mit gelegentlichen Kurzausflügen in die Selbstironie. Einen verbalen Paukenschlag reservierte Grübel für seine Vorgänger an der Konzernspitze. Diese hatten seit Jahr und Tag verkündet, wie stark die Universalbank «integriert» sei und wie dank der engen Zusammenarbeit der einzelnen Sparten Zusatzerträge in Milliardenhöhe flössen. Grübel sah das gestern jedoch ganz anders: «In der UBS haben wir eine gemeinsame Marke, aber überhaupt keine Integration.» Nun will er bei der UBS das predigen, was er Jahre zuvor bei der Credit Suisse gepredigt hat: Die verschiedenen Sparten sollen gefälligst besser zusammenarbeiten und mehr an das Ganze statt nur an sich selber denken.

Die Kapitaldecke

Dank dem Abbau der Bilanz und der Kapitalerhöhung hat die UBS ihre Eigenkapitalquoten gesteigert. Per Mitte Jahr weist sie eine Kernkapitalquote von über 13 Prozent der risikogewichteten Aktiven aus. Das ist weniger als die Credit Suisse (über 15 Prozent), liegt aber deutlich über der Marke einiger Konkurrenten und dem gefühlsmässigen Minimum von etwa 10 Prozent. Das von der schweizerischen Finanzmarktaufsicht ab 2013 geforderte Minimum einer ungewichteten Kernkapitalquote von 3 Prozent hat die UBS nun mit 3,5 Prozent auch erreicht – aber noch nicht viel mehr als das Minimum. Eine neuerliche Kapitalerhöhung benötigt die UBS laut Grübel zurzeit nicht: «Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, weshalb wir zusätzliches Kapital brauchten.» (Der Bund)

(Erstellt: 05.08.2009, 12:58 Uhr)

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