Wirtschaft
Dicke Überraschung von der UBS
Aktualisiert am 27.07.2010 36 Kommentare
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Die UBS (UBSN 13.05 -0.38%) hat im zweiten Quartal 2010 einen Reingewinn von 2,005 Milliarden Franken eingefahren. Das Ergebnis der Grossbank liegt nur moderat tiefer als im ersten Quartal, als der Gewinn 2,2 Milliarden betragen hatte. Der Geldabfluss – laut Konzernchef Oswald Grübel die grösste Baustelle der Bank – ging im zweiten Quartal zwar weiter, konnte aber massiv eingedämmt werden: Kunden zogen zwischen April und Juni 4,7 Milliarden von der Bank ab. Im ersten Quartal waren es noch 18 Milliarden gewesen, wie die UBS am Dienstag mitteilte.
Von der Finanznachrichtenagentur AWP befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Reingewinn von 856 Millionen bis 1,46 Milliarden gerechnet. Beim Geldabfluss hatten sich die Schätzungen der Experten zwischen 11 und 13,4 Milliarden bewegt. Nun waren es 2,0 Milliarden beim Reingewinn und 4,7 Milliarden beim Geldabfluss.
Das dritte Mal schwarze Zahlen
Die UBS hat zum dritten Mal in Folge ein Quartal mit schwarzen Zahlen abgeschlossen. Im zweiten Quartal 2010 sticht vor allem das Investmentbanking heraus, wo der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorquartal um rund 10 Prozent auf 1,31 Milliarden Franken gesteigert werden konnte.
Wie bei anderen Banken ist der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren zurückgegangen, doch profitierte die UBS an anderer Stelle von starken Kundenaktivitäten. «Wir waren besonders stark im Aktienhandel (Equities) und bei den Fremdwährungen», sagte Finanzchef John Cryan während einer Telefonkonferenz am Dienstag.
Plus im Geschäft mit Schweizer Kunden
Den Anstieg der Equity-Erträge um 9 Prozent auf 1,365 Milliarden Franken bezeichnete die Grossbank als Beleg für die Stärke des grössten Bereichs des Handels- und Kommissionsgeschäfts. Leicht zurückgegangen ist das Vorsteuerergebnis in der Vermögensverwaltung (Wealth Management) und im Schweizer Geschäft – bei konstantem Geschäftsertrag. Der Gewinn der Sparte sank gegenüber dem Vorquartal um 3 Prozent auf 1,13 Milliarden, wie die UBS am Dienstag mitteilte.
Der Rückgang ist laut der UBS durch den höheren Geschäftsaufwand bei der Vermögensverwaltung begründet. Das Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft konnte das Quartal dagegen mit einem Gewinnplus abschliessen. Sowohl im Wealth Management als auch im Schweizer Geschäft verringerte sich der Nettoneugeld-Abfluss.
Verluste bei Vermögensverwaltung in Amerika
Rote Zahlen schrieb die Vermögensverwaltung auf den amerikanischen Kontinenten (Wealth Management Americas). Der Vorsteuerverlust belief sich auf 67 Millionen Franken, wobei der Geschäftsertrag um 9 Prozent auf 1,49 Milliarden stieg. Für den Verlust macht die UBS ausserordentliche Kosten in Zusammenhang mit der Rationalisierung des amerikanischen Gebäudeportfolios geltend.
Um 15 Prozent gesunken ist der Spartengewinn bei der Vermögensverwaltung für institutionelle Anleger (Asset Management). Er belief sich auf 117 Millionen Franken. Grund dafür ist gemäss Angaben der UBS unter anderem der höhere Geschäftsaufwand aufgrund von höheren Bonuszahlungen für das vergangene Jahr.
Dividende? Kein Thema
Im Gegensatz zum Vorquartal verzeichnete das Asset Management netto erstmals wieder einen Zufluss von Kundengeldern. Eine Dividende ist für die UBS weiterhin kein Thema. «Wir müssen erst Kapital aufbauen», sagte Finanzchef Cryan zu diesem Thema im Rahmen der Telefonkonferenz.
(raa)
Erstellt: 27.07.2010, 06:49 Uhr
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36 Kommentare
Freuen wir uns, dass es der UBS besser geht. Einige mögen es nicht verkraften, andere zweifeln. Ich sage: "Immer noch besser, als das der Staat zig Milliarden in den Sand gesetzt hätte". Schweizer "Sicherheitsdenker", neues und unerwartetes macht Angst - bin manchmal auch so. Aber akzeptiert gute News, bad news hatten wir genug. Jedoch muss Nachhaltigkeit sicher bewiesen werden. Antworten
Freut mich für die UBS! Bekomme ich jetzt meine indirekte Rettungseinlage als braver Steuerbürger inkl. Risikozins wieder zurück? Hätte ich als Kleingewerbler als Notmassnahme für mein Unternehmen einen Überbrückungskredit oder eine Bürschaft von der Bank bekommen, wären sicher ordentlich Zinsen fällig gewesen. Antworten
Wieviel Geld der Altersvorsorge (Pensionskassen-Anlagen) sind irgendwie mit der UBS verbunden? Müsste es da nicht alle zu tiefst freuen, wenn es dieser Bank gut läuft! Alle wollen später eine möglichst grosse Rente, aber wehe dem, der dieses Geld für die Rentner vorgängig verdient. Da kann man nur den Kopf schütteln. Hopp UBS, aber weniger Boni, dafür mehr Dividenden / Zinsen für Anleger.Fairness! Antworten
Herr Pfrunder: egal wie Sie es drehen: der Verlust an Kundengelder hat auch p r o z e n t u a l abgenommen! Freuen wir uns doch lieber gemeinsam über das überraschend solide Resultat von Seiten der einen Grossbank, die in der Vergangenheit auch für den Wohlstand der gesamten Schweiz einen nicht unwichtigen Beitrag geleistet hat, respektiv noch leisten wird. Antworten
Herr Lukas Haller: Der Ausweis erfolgt tatsächlich in absoluten Zahlen, was gerade die Schweinerei ist, um gewisse Kunden irrezuführen! Beispiel: Basis:100 Mrd./ 10 Mrd. Kundengeldabnahme = minus 10%/ tiefere Basis: 40 Mrd./Kundengeldabnahme nur 8 Mrd. = minus 20%!!! Ergo die Kundengeldabnahme muss vor allem auch in relativen (=prozentualen) Zahlen angegeben werden! Antworten
@ Rodolpho Kreutzer: Ihre Aussage wird durch mehrmaliges wiederholen auch nicht richtiger.. @ Peter Pfrunder: Ein Abgang von Kundengelder wird nicht prozentual ausgewiesen, sondern in absoluten Zahlen. Somit sind 4.7Mrd. immer 4.7Mrd...auch wenn die "Basis" mit jedem Franken der die Bank verlässt, tiefer wird. Antworten
@Robert Marti Die "geretteten" UBS-Mitarbeiter sind alles auch Steuerzahler. Die UBS wird es früher oder später auch wieder. Ich bin gottenfroh läufts der Bank! Im Übrigen hat die UBS Geld mit Service verdient und nicht irgendjemandem weggenommen, wie hier so gerne polemsiert wird. @ Havelka War da nicht die CS mit den Lehmann-Papieren? Antworten
Die UBS ist damit noch längst nicht über dem Berg. Immer noch nehmen die Kundengelder ab und das Vertrauen in der Schweiz, USA usw. ist noch längst nicht wieder hergestellt.Die Kundengelder nehmen natürlich etwas weniger stark ab, das ist ein rein rechnerisches Problem wegen der immer tieferen Basis der Kundengelder! Wenn die Bank keine Dividenden auszahlen will,darf sie auch keine Boni auszahlen! Antworten
Das Ergebnis ist höchst erfreulich. Das Marktumfeld bleibt auch für die UBS schwierig. Wie wichtig die Grossbanken für die Schweizer Wirtschaft ist, scheinen einige Kommentatoren immer noch nicht begriffen zu haben. Andere Staaten nehmen es als selbstverständlich, z. B. ihre Autoindustrie zu stützen. In der Schweiz nörgelt man über die UBS, obwohl der Staat sofort Gewinn aus der Rettung machte. Antworten
Sehr interessante Kommentare. Eigentlich ist es doch völlig egal was und wie es die UBS macht. Zum schluss ist es immer flasch. Wenn Euch nichs mehr einfällt, dann kommen wieder die Boni. Klar die sind nicht in Ordnung, aber kann man auch mal anerkennend einen Fortschritt kommentieren? Ich glaube die UBS müsste den gesamten Gewinn spenden und auch dann wäre es nicht ok! Welch schöne Welt! Antworten
@Susanne Beerli: Ich bin zwar einverstanden, dass die UBS gerettet werden musste. Trotzdem: Habe ich Sie richtig verstanden? Sie finden es OK, dass Verluste verstaatlicht werden (indem sie vom Steuerzahler getragen werden), derweil Gewinne privatisiert werden (Vergrösserung des Eigenkapitals für die Firma, steigende Aktienkurse für Investoren und vor allem exorbitante Boni für den "top brass")? Antworten
Der Reputationsschaden den diese Bank zu Recht erlitten hat ist nachhaltig und langfristig. Nach wie vor fliessen Kundengelder ab. Schwarze Quartalszahlen bringen das Vertrauen nicht zurück, dafür bräuchte es einen grundlegenden Mentalitätswandel. Den es unter Grübel garantiert nicht geben wird. Antworten
Reine Buchgewinne. Keine realen Werte dahinter. Wie bei jeder anderen Bank auch. Sobald die Anleger ihre "Gewinne" realisieren wollen, kracht wieder alles zusammen (ähnlich wie wenn die Menschen ihre Bankguthaben ausbezahlt haben wollen). Sogar das in Umlauf befindliche Geld ist nur zu ca. 10% durch reale Leistungen gedeckt. Wir leben in einer Blasenwirtschaft bzw. in einem Schneeballsystem. Antworten
Danke Frau Beerli, wenigstens jemand hat anscheinend eine Ahnung von Wirtschaft und was ein Verlust all dieser Arbeitsplätze für die Schweiz bedeutet hätte! Glauben all die anderen tatsächlich immernoch, dass es z.B. die Raiffeisen immernoch geben würde wenn die UBS pleite wäre? Bitte informiert euch zuerst bevor irgendwas geschrieben wird! Antworten
@Lupers. Genau so ist es. Das ist - ohne Witz und Ironie - die Realitaet. Feilen, Geradebiegen, Neudefinieren - die ganzen Buchhaltertricksereien. Als ich das fuer mich das erste Mal auch so machte, wurde ich von einem Tag auf den andern Mulitmillionaer! Antworten
Wenn die UBS jetzt sagt, es gibt keine Dividende, es muss zuerst Kapital aufgebaut werden, DANN darf es erst recht keine Boni geben. Lohnanpassungen auf unterer Stufe wären ok, aber keine Millionen-Boni bei den höheren Kadern. Ich hoffe sie kann das so den Boni-Jägern gut erklären oder merkt, wie Loyal diese Arbeitnehmer wirklich sind. Ansonsten, Gratulation zu diesem Resultat. Antworten
an herr neeser: wir reden hier nicht von einem fauxpas, sondern von illegalen machenschaften, welche die bank begangen hat. die bezeichnung "fauxpas" ist eine verniedlichung. die schweiz wird jahrelang nicht von den gewinnen profitieren können, da gewinne gegen alte verluste in der steuererklärung aufgerechnet werden können. oder habe ich das falsch verstanden? Antworten
Schön wie die Schwarzmaler wieder aus allen Löchern gekrochen kommen und eine hervorragende wirtschaftliche Leistung runterspielen und schlecht machen wollen. @steve walker: Die UBS will die Papiere schon lange zurückkaufen aber die SNB will aber noch nicht. @karl schweri: Ist Gewinn schreiben neuerdings eine verbotene Praktik? Ich bitte um Aufklärung. Soll sie besser Verluste schreiben? Antworten
Genau, Herr Neeser! Einfach schön vorwärts schauen und dei Vergangenheit ruhen lassen. Weshalb auch, war ja alles gut. Dass Banken heute ihre Gewinne vornehmlich mit eigenen Handelsaktivitäten machen, lässt einem fragen, was denn eigentlich die ursprüngliche Aufgabe einer Bank war. Von der sind wir weit entfernt. Antworten
So, spätestens jetzt sollte es allen klar sein: Too big to fail braucht es! Zum Glück wurde die UBS gerettet! Der Bund hat einen dicken Gewinn eingefahren, aberzehntausende Arbeitsplätze wurden gerettet, riesige Pensionskassenfonds bleiben uns erhalten und diese verschmähte Bank erhält ein neues, glanzvolles Image. Auch Merz verdient ein dickes Lob! Antworten
Das Eichhörnchen wird wohl noch ein paar seiner versteckten Nüsschen aus dem vorletzten Sommer gefunden haben. Gewinnmeldungen sind ja reine Buchhaltungsergebnisse. Und in Sachen Buchhaltung sind Banken ja die Spezialisten. Abschreibungen, Reserven, etc. Wenn's sein muss, kriegt man die wieder rein und das Ergebnis sieht plötzlich wieder toll aus. An der Praxis muss nichts geändert haben. Antworten
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christian ott
Da sind doch wieder einige Berufoptimisten am Werk! Andere Staaten subventionieren die Industrie in der Krise, die Schweiz subventioniert seit immer schon die Bauern - dies ist auch eine der Aufgaben des Staates. Wenn die in der jüngsten Vergangenheit sicherlich berechtigte Wut über die UBS jetzt wieder, angesichts des guten Geschäftsganges, in Neid umschlägt - dann ist die UBS über dem Berg! Antworten