Teile und herrsche!
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 12.01.2012
Dossiers
Artikel zum Thema
- Mobility verzeichnet Kundenzuwachs und baut Flotte weiter aus
- Saubermann aus Schweden
- Daimler geht unter die Autovermieter
- Test: Das sind die Stärken und Schwächen von Windows 8
- Die zwölf auffälligsten Gadgets der CES
- Das dünnste Smartphone der Welt im Kurztest
Carsharing – von der Idee bis zum Geschäft
Die Idee des Carsharing wird seit Jahrzehnten verfolgt. Die erste Carsharing-Organisation wurde in Zürich gegründet: die Selbstfahrergenossenschaft, die ihren Betrieb im Jahr 1948 aufnahm. In den Siebzigerjahren wurden in Frankreich und den Niederlanden ähnliche Angebote eingeführt, zum Teil sogar schon mit Elektrofahrzeugen. Dass sich die Idee schliesslich in grösserem Stil durchsetzen konnte, lag an erfolgreichen Projekten in Deutschland und der Schweiz, wo 1987 die Genossenschaften Autoteilet und Sharecom gegründet wurden, die 1997 zur erfolgreichen Mobility fusionierten. Seit den Neunzigerjahren sind beim Carsharing hohe Zuwachsraten zu verzeichnen, sowohl bei den privaten Nutzern als auch bei Unternehmen, die ihre Fahrzeugflotten ganz oder teilweise auslagern, um Kosten zu sparen.
Links
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Mancher eingefleischte Aktionär dürfte sich die Augen gerieben haben: Dieter Zetsche, Vorstandschef der Daimler AG und Leiter von Mercedes-Benz Cars, stand vor zwei Tagen bei seinem Vortrag bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vor einem überdimensionalen Porträt von Che Guevara – jenem Guerilla-Anführer und Marxisten, der an der kubanischen Revolution entscheidenden Anteil hatte. «Einige Kollegen denken immer noch, dass Carsharing an Kommunismus grenzt», sagte Zetsche laut einem Bericht auf Cbsnews.com, «aber wenn das der Fall ist: Viva la revolución.»
Wobei der Umsturz freilich auf die gute alte Kapitalistenart erfolgen soll – und auf die gute alte Daimler-Art, Zukunftsmärkte mit Technologiesprüngen zu erobern. Neben modernen Technologien, die etwa aus dem Armaturenbrett einen Touchscreen machen, sollen künftige Mercedes-Modelle das Carsharing weiter fördern – mithilfe einer Applikation namens Car Together. Allerdings werden nicht irgendwelche Mitfahrer geboten, die schon viele andere Dienstleister und Service-Tools beschaffen, sondern Menschen mit gleichen Interessen, die anhand von Daten auf Facebook oder anderen Social-Media-Plattformen gefunden werden.
Hersteller und Bahnkonzerne mit Angeboten
Ob Mercedes-Eigner mögliche «Friends» aus dem Web tatsächlich in ihren Luxuswagen transportieren wollen, sei dahingestellt – doch das Konzept und der Einsatzdes Autofabrikanten zeigt, dass der Markt des Teilens noch grosses Potenzial haben dürfte. In der Schweiz beispielsweise, wo die Geschichte des Carsharing in Europa begann (siehe Box), hat der grösste Anbieter Mobility seit dem vergangenen Juni über 100'000 Kunden und arbeitet unter anderem mit den SBB zusammen, um eine lückenlose Mobilitätskette anzubieten – ein entscheidender Faktor für die Attraktivität des Angebots.
In Deutschland unterhält die Bahn mit Flinkster bereits seit zehn Jahren ein Angebot, das bislang mehr als 150'000 Kunden gewonnen hat. Der Bundesverband Carsharing rechnet wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen mit enormen Zuwachsraten – und folgerichtig kämpfen Hersteller um Anteile auf dem Markt des Teilens. BMW kooperiert bei einem Testlauf des Projekts «Drive Now» mit dem Autovermieter Sixt. Volkswagen hat im vergangenen November in Hannover «Quicar» gestartet und erst zu Jahresbeginn den Vermieter Euromobil übernommen, um ihn in das Geschäftsfeld «Neue Mobilität» zu integrieren. Und Daimler bietet mit Car2Go ebenfalls ein Mietmodell an, bei dem eine Minute Fahren 29 Cent kostet, während Standzeiten mit neun Cent berechnet werden. Den Service gibt es nicht nur in Deutschland, sondern mittlerweile auch in Amsterdam, Vancouver, Kanada, sowie in San Diego und Austin in den USA.
Ein anderes Verhältnis der Jungen zum Auto
Das Carsharing könnte eine Lücke schliessen, die sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet. Das Automobil verliert offenbar bei jungen Leuten an Stellenwert. Als Statussymbol wurde es von Mobiltelefonen längst abgehängt, und die Absatzzahlen bei den 18- bis 29-Jährigen sind in Deutschland von 2000 bis 2010 laut einer Erhebung der Fachhochschule Bergisch-Gladbach um fast 20 Prozent gesunken. Zudem hoffen die Hersteller, dass der Sharing-Markt der Nachfrage nach Elektromobilen den nötigen Schub verleihen könnte.
Logistisch wären ganze Flotten von E-Mobilen schon deshalb günstig, weil das langwierige Aufladen und die Nutzung sich leichter optimieren liessen. Zudem wären solche Fahrzeuge mit einer vergleichsweise kurzen Reichweite vor allem für Ballungsräume geeignet, in denen Carsharing sich besonders lohnt. Wie die Leihgefährte der Zukunft aussehen könnten, zeigen Studien und konkrete Entwicklungen vieler Hersteller. Der Twizy von Renault etwa ist kein eigentliches Auto mehr, sondern ein Fahrzeug zwischen Roller und Kleinwagen, nur 2,34 Meter lang, und soll 2012 in Europa auf den Markt kommen.
Studien für Leihwagenflotten der Zukunft
Noch weiter in die Zukunft hat der deutsche Entwicklungsdienstleister Edag mit einem «Light Car Sharing» gedacht, das 2011 auf dem Genfer Auto-Salon zu sehen war – als Studie eines Mobils, das es auch auf das Titelbild der deutschen Ausgabe des Magazins «Technology Review» schaffte. Das Leihauto ist konsequent für seine Zwecke gestaltet und wird auf dem kommenden Auto-Salon Anfang März erstmals als Modell zu sehen sein, wie das Unternehmen gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet sagt.
Das elektrisch betriebene Vierrad ist mit hohen Türen ausgestattet, die das Einsteigen erleichtern sollen. Die Aussenteile des Sechssitzers sollen aus Fiberwerkstoffen und leichten Kunststoffen bestehen, die sich bei Beschädigungen im Stadtverkehr mit wenigen Handgriffen einfach austauschen lassen. Eine Ablage im Cockpit? Fehlanzeige, ebenso wie ein aufwendiges Armaturenbrett. Stattdessen ist nur eine Anzeige für relevante Informationen wie Fahrtempo oder Batterieladestand vorgesehen.
Lichtfarbe als Signal für die Kundschaft
Ein einfaches und pflegeleichtes Konzept also, mit Blick auf die Kosten von Betreibern von grösseren Flotten. Ob ein Exemplar einsatzbereit ist, soll eine Beleuchtung anzeigen, die in einer Simulation auf der Webseite des Unternehmens zu sehen ist. Grossflächige LED-«Leuchtkissen» an Front und Seiten blinken grün, wenn das Fahrzeug ausleihbar ist, während die Farbe Rot anzeigt, dass es derzeit geladen wird. Und ein weisses Blinken sagt, dass dieses Mobil bereits reserviert ist – natürlich via App oder Internet von einem Kunden, der in der Nähe gerade einen fahrbaren Untersatz braucht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.01.2012, 15:36 Uhr
Wirtschaft
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



