Swiss Re mit hohem Millionenverlust
Die Swiss Re hat im zweiten Quartal einen Reinverlust von 381 Millionen Franken erlitten nach einem Gewinn von 564 Millionen Franken im Vorjahresquartal. Schuld sind Wertberichtigungen und Verluste auf Absicherungsgeschäften, die die Erträge im Kerngeschäft aufgezehrt haben.
Der Verlust kommt überraschend. Analysten hatten gemäss der Nachrichtenagentur AWP im Durchschnitt mit einem Reingewinn von 215 Millionen Franken gerechnet. Allerdings hatte die Bandbreite der Schätzungen weit auseinander gelegen.
Kreditwürdigkeit stark verbessert
Der Verlust sei zu Hauptsache auf drei Faktoren zurückzuführen, teilte der Rückversicherer am Mittwoch mit: Erstens belasteten Bewertungsverluste auf Absicherungen von Unternehmensanleihen das Ergebnis mit 1,1 Milliarden Franken. Zweitens reduzierten Wertberichtigungen - vorwiegend auf verbrieften Produkten - das Ergebnis um 0,6 Milliarden Franken.
Und drittens habe sich die Kreditwürdigkeit der Swiss Re während des Quartals stark verbessert, was jedoch negativ auf das Ergebnis geschlagen habe. So musste der Konzern die Verringerung ihrer Zinsspannen nach dem US-Rechnungslegungsstandard US GAAP in gewissen finanziellen Verbindlichkeiten verbuchen, was zu einem Bewertungsverlust von 431 Millionen geführt habe.
Stellenabbau
Nun drückt der Rückversicherer auf die Kosten. Im zweiten Quartal habe man mit der Schliessung 14 der 73 Niederlassungen weltweit begonnen. Durch die Kostensenkungsmassnahmen habe die Swiss Re im ersten Halbjahr über 300 Millionen Franken vor Restrukturierungskosten gespart.
Das Unternehmen geht davon aus, dass die Nettoeinsparungen nach Restrukturierungskosten in diesem Jahr 150 Millionen Franken übersteigen werden. Damit werde das ursprüngliche Ziel von 100 Millionen Franken übertroffen, sagte Finanzchef George Quinn in einer Telefonkonferenz. Man habe Vorsprung auf Kostensenkungsprogramm.
Im April hatte die Swiss Re den Abbau von weltweit 1200 Stellen angekündigt. Bis Ende nächsten Jahres sollten dadurch die Betriebskosten um 400 Millionen Franken gesenkt werden. In den ersten sechs Monaten 2009 hat der Konzern 265 Stellen gestrichen und zählte Ende Juni noch 11'295 Mitarbeiter.
Kosten durch Air France-Absturz
Im Kerngeschäft konnte die Swiss Re zulegen. Das Sach- und Haftpflichtgeschäft habe ein aussergewöhnlich gutes Quartal gehabt, sagte Quinn. Der operative Gewinn stieg von 0,9 Milliarden im gleichen Vorjahreszeitraum auf 1,1 Milliarden Franken.
Und dies trotz des Absturzes des Air-France-Airbus vor der brasilianischen Küste, der die Swiss Re rund 100 Millionen Franken koste. Zudem habe noch der Verlust zweier Satelliten die Rechnung belastet. Dennoch habe sich das Verhältnis von Schadenaufwand und Kosten zu den Prämieneinnahmen (Combined Ratio) von 91 auf 89,4 Prozent verbessert, sagte Quinn. Das sei exzellent.
Im Lebengeschäft musste die Swiss Re allerdings einen operativen Verlust von 10 Millionen Franken hinnehmen nach einem operativen Gewinn von 535 Millionen Franken im Vorjahresquartal. Das Ergebnis sei von Bewertungsverlusten auf finanziellen Verbindlichkeiten wie etwa bei variablen Rentenversicherungen nach unten gezogen worden.
Insgesamt stiegen die Prämien des Konzerns um 1 Prozent auf 6,2 Milliarden Franken. Analysten hatten etwas mehr erwartet. An der Börse legten die Swiss-Re-Aktien eine Berg- und Talfahrt hin. Nach einem kurzen Vorstoss in die Gewinnzone sackten die Titel bis gegen 10.05 Uhr um 4,2 Prozent auf 41.60 Franken ab.
Analysten bemängelten einerseits den überraschenden Quartalsverlust. Andererseits fassten sie positiv auf, dass der Rückversicherer die Risiken der Portfolio-CDS (Kreditausfallsversicherungen) fast ganz abgebaut habe und das Effizienzprogramm besser laufe als geplant. (sam/bru/sda)
Erstellt: 05.08.2009, 10:31 Uhr
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