Susanne Ruoff wird neue Post-Chefin
Aktualisiert am 22.11.2011 11 Kommentare
Führt die Post in die Zukunft: Susanne Ruoff. (Bild: Schweizerische Post)
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Susanne Ruoff wird neue Konzernleiterin der Schweizerischen Post. Die erfahrene IT- und Telekommanagerin löst Jürg Bucher im September 2012 auf dem Chefsessel des Gelben Riesen ab. Bisher kennt sie die Post nur von aussen.
Die 53-jährige Ökonomin ist derzeit CEO bei British Telecom Schweiz. Zuvor hatte sie bei IBM Karriere gemacht und verschiedene Führungsfunktionen innegehabt. Ruoff hat unter anderem einen Executive Master of Business Administration (MBA) in Telekommunikation der Universität Freiburg und den Abschluss Client Executive der französischen Managementschule Insead vorzuweisen.
Keine Post-Karriere
Anders als bei ihrem Vorgänger Bucher, der bei seinem Amtsantritt bereits auf eine lange Post-Karriere zurückblickte, fehlt die Post im Curriculum von Ruoff. Gegen die anderen Bewerber durchgesetzt hat sie sich vor allem wegen ihrer Erfahrungen in der «digitalen Welt», wie die Post in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt.
«Ruoff hat in dem Bereich Erfahrungen, die bisher so bei der Post nicht vorhanden sind», sagte Verwaltungsratspräsident Peter Hasler vor den Medien in Bern. Als weitere Pluspunkte der neuen Konzernleiterin nannte er ihre breite Ausbildung, ihre Weiterbildungen und ihren «Willen, vorwärts zu kommen».
«Solide Wertbasis»
Sie freue sich, ihre Erfahrung für die digitale Zukunft der Post zur Verfügung zu stellen, sagte Ruoff. Ihre neue Arbeitgeberin bezeichnete sie als «faszinierendes, vielschichtiges Unternehmen» mit einer «soliden Wertbasis».
Die designierte Post-Chefin attestierte sich selber zwar «Sensibilität für den öffentlichen Sektor». Dass sie keine politische Erfahrung hat, ist ihr aber bewusst. Dieses Netzwerk werde sie sich nun aufbauen müssen, sagte Ruoff. Sie werde das Gespräch suchen, um gute, breit abgestützte Lösungen zu finden.
Hasler will einspringen
Post-Präsident Hasler sieht in dem Manko kein Problem. Politisch sei es bei der Post derzeit ruhig. Zudem habe er selber politische Erfahrung, die er in der Einführungsphase gerne mit Ruoff teilen wolle, wie er sagte.
Dabei warten auf Ruoff zahlreiche Herausforderungen, die stark politisch geprägt sind. Eine davon ist die von Gewerkschaften und linken Parteien eingereichte Post-Initiative, welche ein aus den Gewinnen einer Postbank finanziertes flächendeckendes Poststellennetz verlangt. Für Hasler ist das Volksbegehren «inakzeptabel» und der «Beginn des Untergangs» für die Post.
Das in den letzten Jahren bereits stark verkleinerte Poststellennetz wird Ruoff ebenfalls beschäftigen. Dieses soll noch kostengünstiger werden, wie Bucher sagte. Konkret bedeutet dies, dass weitere Poststellen in Agenturen oder in Hausservice umgewandelt werden. Obwohl dies laut Bucher mit «Augenmass» geschehen soll, werden hitzige öffentliche Diskussionen nicht ausbleiben.
Gewerkschaft zufrieden
Wegen des Projekts «Distrinova», mit dem die Briefzustellung automatisiert werden soll, liegt die Post derzeit auch mit den Gewerkschaften im Clinch. Diese befürchten, dass in der Briefzustellung immer mehr Personal nur noch teilzeit angestellt wird. Mit der Wahl von Ruoff zeigte sich die Gewerkschaft Medien und Kommunikation (syndicom) jedoch zufrieden.
Angesichts der nach wie vor grossen Ungleichheit zwischen Frauen und Männern sei syndicom erfreut, dass ein öffentliches Unternehmen von dieser Bedeutung von einer Frau geführt werde, heisst es in einer Mitteilung. Von Ruoff erwartet die Gewerkschaft, dass sie sich weiterhin «für eine gute Sozialpartnerschaft einsetzt».
Ruoff stammt aus der Deutschschweiz, wohnt aber seit Jahren in Crans-Montana VS. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.
Grosse Herausforderungen
Den neuen Post-Chef erwarten grosse Aufgaben. Die grösste Herausforderung für die Schweizerische Post ist das veränderte Kommunikationsverhalten der Bevölkerung. Dabei verdrängen E-Mail, SMS und Facebook den physischen Brief. Die Menge der adressierten Briefe nimmt seit 2000 jedes Jahr durchschnittlich um 1 bis 2 Prozent ab. Die Volumen sind trotzdem immer noch gigantisch. Jährlich verarbeitet die Post rund 2,4 Milliarden adressierte Briefe – knapp 2 Milliarden davon kommen von Geschäftskunden.
«Dass die Volumen sinken ist weniger dramatisch», sagt Post-Experte und ETH-Professor Matthias Finger auf Anfrage. Schlimmer für die Post sei, dass sich die Qualität der Briefe verändere. «Was eilt, wird elektronisch verschickt. Übrig bleiben für die Post die wenig dringenden Postsendungen wie adressierte Werbung.» Weil diese in der Regel per B-Post versandt werde, und hier die Margen tiefer seien, verdiene die Post weniger, so Finger. (bru/sda)
Erstellt: 22.11.2011, 10:08 Uhr
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11 Kommentare
Bleibt die Hoffnung, dass unter der Ägide von Frau Ruoff die Postzustellung wieder zuverlässig wird, d.h. die Zustellbeamten und -beamtinnen nicht mehr dermassen unter Druck gesetzt und zur übertriebenen Eile angehalten werden. Unsäglich, was ich immer alles im Briefkasten habe, Post für Nachbarn und völlig Unbekannte. Wo meine Post jeweils bleibt, weiss ich auch nicht. Antworten
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