Stresstest: «Leichen für tot erklärt»
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«Der Stresstest hat Leichen für tot erklärt», sagte der Leiter des Centre for European Policy Studies (CEPS), Daniel Gros, am Freitag in Brüssel. «Man weiss jetzt etwas mehr, wo die Wackelkandidaten sitzen - aber wirkliche Erkenntnisse hat der Test nicht gebracht.» Das CEPS- Institut gilt als eine der renommiertesten Denkfabriken in der EU- Hauptstadt Brüssel.
Der Volkswirt kritisierte die «weichgespülten» Kriterien der Belastungstests, die so lange nachgebessert worden seien, bis sie keine Überraschungen mehr boten. «Der Test ist eine verpasste Gelegenheit, um mal richtig im Bankensektor aufzuräumen», kritisierte Gros. Nach Ansicht des Politikinstituts haben die USA besser gehandelt als die EU. «Die Amerikaner sind entschlossener rangegangen und haben die schwachen Banken gezwungen, Kapital vom Staat zu nehmen», sagte Gros.
Zu viele Vorbehalte
Vor gut einem Jahr hatte die US-Regierung die grössten heimischen Institute zu Stresstests und - wo erforderlich - zu Kapitalerhöhungen und Staatshilfen gezwungen. In Europa wurden dagegen viele Banken schon vor dem Test mit Staatsgeld aufgepäppelt. «Hier in Europa gibt es einfach zu viele rechtliche und politische Vorbehalte gegen solche Schritte», kritisierte der Volkswirt.
Europas Banken werden nach seiner Ansicht weiter unter Stress bleiben. Viele Institute hätten zu wenig Kapital und seien zu stark miteinander verbunden. Die Verbindlichkeiten zwischen den Banken in Europa beliefen sich auf mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Länder. «Wenn eine Grossbank zusammenbrechen würde, wäre das gesamte System gefährdet.»
«So wird er auch wirken»
Dennoch geht Gros davon aus, dass die Bekanntgabe der Ergebnisse ihr Ziel erreichen wird. «Der Test war als Beruhigungspille gedacht und so wird er auch wirken.» Am Freitagabend zeigte der weltweit wichtigste Aktienmarkt in New York kaum eine Reaktion.
Um die Krisenfestigkeit des europäischen Bankensystems wirklich zu überprüfen, schlägt Gros einen Stresstest für die Europäische Zentralbank (EZB) vor. «Die EZB hat in grossem Umfang griechische Staatsanleihen gekauft. Man müsste durchspielen, was passiert, wenn diese Papiere ausfallen würden.» (sam/sda)
Erstellt: 24.07.2010, 17:48 Uhr
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