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Steckt Kinderarbeit in Schweizer Schoggihasen?

Von Dominique Burckhardt . Aktualisiert am 07.04.2009 27 Kommentare

Kakao aus Elfenbeinküste ist nicht sauber, sagt die Erklärung von Bern. Sie weist in einer Kampagne auf diesen Missstand hin – und verärgert damit die Schokoladekonzerne.

Nichts zu lachen: EvB beklagt Kinderarbeit auf Kakaoplantagen.

Nichts zu lachen: EvB beklagt Kinderarbeit auf Kakaoplantagen. (Bild: EvB)

Aus seinem linken Auge kullern drei dicke Tropfen Blut. Beim Anblick des weissen Schokoladeosterhasen schleicht sich fast ein wenig Ekel ein. Und das ist auch die Absicht, welche die entwicklungspolitische Nicht-Regierungsorganisation Erklärung von Bern (EvB) mit ihrer Kampagne «In Schweizer Schoggi steckt Kinderarbeit» verfolgt. «Kinderarbeit und -sklaverei sind auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste gängig und werden von den Schokoladeherstellern seit Jahren bewusst in Kauf genommen», schreibt die EvB. Darum fordert sie die Schweizer Schokoladekonzerne auf, «die Ausbeutung zu beenden». Und die Konsumenten ermuntert die EvB, «den Hersteller ihrer Lieblingsschoggi» mittels einer Petition zu fragen, «ob darin keine Kinderarbeit steckt».

Solche Worte provozieren Franz Schmid, Direktor von Chocosuisse. Der Verband der Schweizerischen Schokoladefabrikanten vertritt in dieser Sache auch Nestlé, den weltweit zweitgrössten Akteur im Kakaogeschäft, bei der die BaZ eigentlich um eine Stellungnahme zur EvB-Kampagne gebeten hat. An ihrer Statt wettert nun Schmid, die EvB stelle die Missstände krasser dar, als sie seien. «Eine der Tränen dürfte der Hase auch wegen der EvB-Kampagne weinen», sagt er gegenüber der BaZ. «Deren Verantwortliche wissen wahrscheinlich nicht genau, was sie mit ihrer Pauschalkritik anrichten.»

Schlechtere qualität

Schmid legt Zahlen vor, die einen Rückgang der Kakaoimporte aus Elfenbeinküste von 24 Prozent (2004) auf fünf Prozent (2008) belegen. Dafür macht der Chocosuisse-Direktor das «Herumprügeln auf den Kakaobauern» mitverantwortlich. Andrea Hüsser hält dagegen: Am sinkenden Interesse an Kakao aus Elfenbeinküste seien nicht Aufklärungskampagnen schuld, sondern die schlechtere Qualität des Kakaos. Und die hängt laut Hüsser auch mit dem tiefen Preis zusammen, den Schokoladekonzerne zahlen. Laut Schmid wiederum bekennt sich die Schweizer Schokoladeindustrie seit Langem «zu ihrer Mitverantwortung im Kampf gegen Missstände».

Der westafrikanische Staat Elfenbeinküste produziert zusammen mit dem Nachbarstaat Ghana mehr als 60 Prozent der Kakao-Welternte. In Elfenbeinküste wie in Ghana hängt das Leben von 1,5 bis 2 Millionen Kleinbauernfamilien von Kakaopflanzungen ab. Je weniger auf dem Weltmarkt für den Rohstoff bezahlt wird, desto schlechter geht es den Bauern und entsprechend auch all jenen, die als Erntehelfer zum Einsatz kommen.

Soziale projekte

Kinder sind dabei die billigsten Arbeitskräfte – eine Tatsache, die für Minen- und Bergbau sowie Landwirtschaft in den meisten politisch und wirtschaftlich wenig gefestigten Entwicklungsländern gilt. Im Zusammenhang mit den westafrikanischen Kakaopflanzungen zitiert EvB eine Studie, wonach dort mehr als eine Viertelmillion Kinder arbeiten müssen. Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef spricht in Westafrika von 15'000 Kindern zwischen neun und 16 Jahren, die von Menschenhändlern verschleppt und an Kakao-, Kaffee- und Baumwollproduzenten verkauft würden.

«Missbräuchliche Kinderarbeit toleriert kein Schokoladeunternehmen», sagt Gaby Tschofen, Leiterin Unternehmenskommunikation von Barry Callebaut. Die Firma mit Sitz in Zürich ist der weltgrösste Hersteller von Kakao- und Schokoladeprodukten. Im Unterschied zu Nestlé scheut sich Tschofen nicht, Medienanfragen direkt zu beantworten. Dabei verweist sie auf soziale Projekte ihres Unternehmens, mit denen westafrikanische Kakaobauern unterstützt würden. «Wir sind seit den 60er-Jahren in Elfenbeinküste tätig, wir blieben auch während des Bürgerkriegs 2002/03 im Land und schaffen ständig neue Arbeitsplätze.»

EvB fordert mehr Engagement

Das ist der EvB zu wenig. Die sozialen Projekte von Barry Callebaut, Nestlé und anderen seien zwar «okay», sagt die Kampagnenverantwortliche Andrea Hüsser, aber Entwicklungsprojekte seien nicht Aufgabe von Schokoladeproduzenten. «Wir wollen, dass die Kakaokonzerne garantierte Mindestpreise für den Rohstoff bezahlen, damit auch die Kakaobauern mehr für ihre Arbeit bekommen», sagt sie.

Müssen wir nun mit schlechtem Gewissen am Schokoladeosterhasen knabbern? «Natürlich nicht», sagt Andrea Hüsser. «Aber die Konsumenten sollen sich der problematischen Herkunft vieler Schokoladeprodukte bewusst werden, ihre eigene Verantwortung wahrnehmen und Produkte aus fairem Handel verlangen.» Jeder Schweizer isst zwölf Kilogramm Schokolade pro Jahr. Lediglich 0,5 Prozent davon entfallen auf Fair-Trade-Produkte. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.04.2009, 09:12 Uhr

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27 Kommentare

Hedvika Post

07.04.2009, 15:30 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Erklärung von Bern hat sicher recht, dass wir als Konsumenten von grossen Schoggiproduzenten fordern müssen, dass sie klar für faire Arbeitsumstände einstehen oder wir sie boykottieren und dass wir die Fairen Produkte z.B. von Claro oder Max Havelaar mehr unterstützen sollen!!! Antworten


Jolanda Chomytsch

08.04.2009, 08:33 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Dank an die EvB!! Ich schätze es, dass es Menschen gibt, die mich immer wieder aus meinem "Alltagsschlaf" wecken und mir vor Augen halten was Wirklichkeit ist. Wir Konsumenten haben eine grosse Macht, die wir aus Bequemlichkeit und Selbstbezogenheit nicht nutzen. Ich gebe zu: auch mich überfordert es alle Mechanismen zu durchschauen, ich resigniere und gehe vielfach den einfachen Weg............. Antworten



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