Wirtschaft
Standard & Poors hält UBS für dramatisch unterkapitalisiert
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 24.11.2009 34 Kommentare
Artikel zum Thema
- UBS-Rating: Bank meldet sich zu Wort
- Grübel: «Gegen den Markt können Sie keine Revolution machen»
- UBS versucht Kunden anzulocken
- Analysten uneins über Grübels hoch gesteckte Ziele
Stichworte
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Banken im Vergleich
In Prozent
Quelle:S&P
Tier 1 und RAC
Konkret wird die Tier 1 Ratio errechnet, indem das Kern-Eigenkapital (Tier 1) durch die Gesamtsumme der risikogewichteten Anlagen geteilt wird. Zum Tier-1-Kapital zählen auch Teile des sogenannten hybriden Kapitals. Sie stellen eine Art Zwischenform von echtem Eigenkapital und Fremdkapital dar. Die Gewichtung der Anlagen nach Risiken erfolgt nach bankinternen Risikomodellen. Je höher die so berechneten Risiken, je grösser wird die Summe der Anlagen, die in die Berechnung der Tier-1-Ratio eingeht.
Die RAC-Ratio von Standard & Poors unterscheidet sich vor allem in der Art, wie die Risiken erfasst werden von der Tier 1 Ratio. An die Stelle von subjektiven Risikomodellen jeder Bank sollen möglichst objektive treten, denen die ganze Branche ausgesetzt ist. Die Ratingagentur berechnet dann den Anteil jeder Bank an diesen Branchenrisiken anhand der konkreten Geschäftszahlen. Neben einer anderen Risikobetrachtung werden weit weniger hybride Instrumente zum Kernkapital gerechnet als bei der Tier-1-Methode.
Die UBS (UBSN 13.13 0.23%) hat anlässlich ihrer Zahlenpräsentation für das dritte Quartal zwar erneut einen Verlust vermeldet, doch zumindest eine wichtige Zahl hat Freude bereitet: Die sogenannte Tier 1 Ratio ist auf 15 Prozent geklettert. Noch im letzten Jahr belief sie sich auf 11 Prozent. Die Kennzahl steht für die Stärke der Bilanz einer Bank und damit für das Risiko, wenn ihre eigenen Mittel im Notfall die Verluste nicht mehr decken können. Selbst im Vergleich mit der Credit Suisse sieht die UBS hier für einmal gut aus. Die Ratio bei der Konkurrenz an der Zürcher Bahnhofstrasse weist für das dritte Quartal den nicht viel höheren Wert von 16,4 Prozent aus. Beide Banken gehören mit diesen Werten zur Weltspitze.
Eine neue Studie von Standard & Poors (S&P) dürfte die Freude jetzt trüben. Die Ratingagentur hat 45 weltweit führende Banken anhand ihrer Abschlüsse des zweiten Quartals untersucht. Dabei hat sie allerdings eine neue Methode angewendet, um die Kapitalquoten der Banken zu berechnen.
Drittschlechteste Kapitalisierung aller Banken
Dadurch entsteht ein vollkommen anderes Bild. Die UBS gehört gemäss der Studie zu den Banken mit der schlechtesten Kapitalisierung, schlimmer dran sind nur noch zwei Institute, die schlingernde Citigroup und die japanische Mizuho Financial Group. Besser dran ist die Credit Suisse, die immerhin leicht besser als der Durchschnitt aller Banken abschneidet.
Die Ratingagentur hält wie andere Finanzfachleute nicht viel von der Berechnungsmethode, die zur Tier 1 Ratio führt (siehe Box). Die Banken können die Zahl relativ einfach aufpolieren. So können sie ihre Anlagen nach eigenen Risikoschätzungen gewichten. Das gibt ihnen einen Anreiz, die Risiken tief zu veranschlagen. Ausserdem enthält das Tier-1-Kernkapital neben dem tatsächlichen Eigenkapital auch sogenannt hybrides Kapital, das nicht zum eigentlichen, nicht rückzahlbaren Eigenkapital gehört. Laut S&P hatten hybride Kapitalinstrumente bei der UBS Ende Juni einen Anteil von 81 Prozent. Seither sei dieser Anteil allerdings reduziert worden. Grossen Anteil an dieser Reduktion hatte die inzwischen von der UBS zurückbezahlte Wandelanleihe des Bundes.
Die alternative Berechnungsmethode, die S&P mit ihrer Studie zum ersten Mal auf die Banken anwendet, heisst RAC-Ratio (RAC steht für «Risk-Adjusted Capital»). Die neue Methode wird künftig ein wichtiges Element der Note sein, die die Ratingagentur den Banken zu ihrer Bonität erteilt. (Siehe Box)
Die Risiken für die Branche bleiben hoch
Gemessen an der RAC-Ratio erreichte die bestkapitalisierte Bank HSBC einen Wert von 9,2 Prozent. Mizuho, als kapitalschwächstes Institut, brachte es bloss auf 2 Prozent. Mit nur 2,2 Prozent kam die UBS nicht viel besser weg. Die Credit Suisse erreichte einen Wert von 6,9 Prozent, der Durchschnitt aller Banken lag leicht tiefer bei 6,7 Prozent.
Das Urteil der Ratingagentur fällt allerdings nicht nur für die UBS unerfreulich aus. Die meisten Banken gelten gemäss ihr weiterhin als schwach kapitalisiert. Nur gerade neun Banken erreichten einen Wert von mehr als 8 Prozent, was laut S&P als minimaler Wert gilt, um bei Weiteren, mögliche Krisen keine Probleme zu bekommen.
Unter dem Durchschnitt schlossen schliesslich auch so wichtige Institute wie die italienische Unicredit (mit 6,3 Prozent, die Deutsche Bank (mit 6,1 Prozent), die Bank of America (mit 5,8 Prozent) und japanische Grossbanken ab. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.11.2009, 20:20 Uhr
WRITE A COMMENT
34 Kommentare
Standard & Poors müssen es ja wissen. Schliesslich haben sie die sogenannten Schrottpapiere seinerzeit mit AAA bewertet, d.h. bonitätsmässig den Obligationen des Bundes gleichgestellt. Würde die UBS ihre Aktiven zu gut bewerten und folglich zu wenig wertberichtigen, betriebe sie Bilanzfälschung, dies wäre dann nicht einfach dummheit sondern Grundsätzlich gehören hybride Instrumente zum Tier 2. Antworten
Moechte mal wissen wie unabhaengig die Ratingagenturen sind. In meinen Augen sind die Ratingagenturen die groessten Manipulierer der Marktwirtschaft und stecken unter einer Decke mit den allergroessten Wirtschaftskriminellen. Die Kommentare dieser Agenturen sind einfach nur Schrott. Antworten
Wie einfach wäre es doch, wenn sich auch die Boni der Banker am effektiven Kapitalzuwachs (nicht dem hybriden Kapital) bemessen würden. Die Gesamtsumme der Boni dürften höchstens 20% des realen Kapitalzuwachs des letzten Geschäftsjahres oder 5% der kumulierten Kapitalsteigerung der letzten 5 Jahre betragen, wobei die niedrigere Summe zur Auszahlung gelangt. Das würde Luftblasengeschäfte beenden. Antworten
Die Headline sollte lauten "......per 30.6.09"!! Unverantwortlich und unprofessionell seitens einer Rating Agentur, zu diesem Thema sich auf Daten von Mitte Jahr zu stützen, und dies Ende November..... Ein einfaches Excel Spread Sheet hätte zur Darstellung der adjustierten Zahlen (siehe "Bank meldet sich zum Wort") gereicht. Ein in dieser Form unbrauchbares und völlig überflüssiges Papier........ Antworten
Schickt die UBS-PR-Abteilung eigentlich jeweils Drohnen aus, die auf Online-Portalen UBS-freundliche Kommentare schreiben? Man bekommt wirklich diesen Eindruck. Die Erkenntnisse von S&P kann man wirklich nicht verharmlosen. Jeder mit Verstand weiss, dass die Tier-1-Ratio zum Manipulieren einlädt. Antworten
Interessant, dass bereits im Vorfeld der UBS Kurs unter die Räder gekommen ist...S&P ist doch nicht ernst zu nehmen - wie ein Fähnlein im Wind. Der Wettbewerb tobt wieder und für eine amerikanische Firma wie S&P ist wohl der Finanzplatz New York wichtiger. Hätte eine CH Firma so etwas über eine amerikanische Bank veröffentlicht würden wir wohl mit Klagen eingedeckt... Antworten
Mit dieser Aussage disqualifiziert sich Standard & Poor's gleich selber und beweist, dass nicht mal mehr Rechnen zu ihren Kernkompetenzen gehört. In ihren Berechnungen fehlen schlicht die CHF 6 Mia aus der Pflichtwandelanleihe, die im August vollständig konvertiert wurde und auch die CHF 13 Mia welche spätestens März 2010 konvertiert werden. Antworten
Wie ich heute von einem UBS Kollegen erfahren habe, sind die wichtigsten Beträge leider nicht in dieser Bewertung drin. Direkt nach dem 2. Quartal hat die UBS ja einige Milliarden Veränderungen gehabt und die sind da nicht drin. Anscheinend wäre zum heutigen Zeitpunkt die UBS im Vergleich mit den anderen Banken massivst besser. Antworten
rating agenturen sollten per sofort ausgelöst werden. wenn man für schrott aaa bekommt, nur wenn man dafür bezahlt so wunder ich mich nicht über die guten rating der ami banken... ich denke mal, dass es die beste nächsten in den konkurs treiben wird... ich halte nicht viel von solchen ami rating agenturen, sind ja alle käuflich... ich vertraue der ubs und mein geld liegt da absolut sicher... Antworten
Naja, wie viel ist schon so eine Beurteilung wert nach all dem Skandalen und Fehleinschätzungen, die Standard & Poors sich in den letzten Jahren geleistet hat. Vielleicht steht die UBS heute schlechter da als andere, aber man weiss ja nie was andere Banken noch für negative Überraschungen bringen werden. Es ist ja bekanntlich nicht alles Gold was glänzt. Würde mich nicht wundern!! Antworten
Schade finde ich, dass am Anfang der Finanzkrise viele Politiker mehr Transparenz gefordert haben. Tatsächlich dürfen die Banken heute ihre "Bilanzen" so intransparent veröffentlichen wie noch nie. Damit fordert man Spekulationen geradezu heraus. Als Aussenstehender kann ich mit den offiziellen Zahlen der Banken nicht mehr viel anfangen. Frage wäre nun - ob dies gewollt und sinnvoll ist? Antworten
Ich empfehle jedem den Artikel über die Ratingagenturen im vorletzten "Spiegel" zu studieren. In diesem Beitrag wird eindrücklich dargestellt, welche riesige Verantwortung Standard & Poors, Moodies und Konsorten an der jüngsten Krise auf den Finanzmärkten tragen. Studien aus diesen moneygeilen Unternehmungen sind deshalb mit grösster Vorsicht zu geniessen. Antworten
Ich stimme meinen Vorkommentatoren völlig und ganz zu, was sind heute Rating Agenturen noch wert? Nichts! Denn alle und da kann sich leider keine ausnehmen hatten und haben heute noch Millionen von Schrott Finanzinstrumente in ihren Ratings, die dieses gar nicht verdienen. Aber die Rating Agenturenelben davon den Leuten etwas vorzugaukeln, auch wenn die Grundlagen fehlen. Antworten
Es wäre nicht das erst mal, dass die UBS ihren Eigentümer/innen und der gesamten übrigen Welt etwas vorgemacht hätte. Da kann sich die UBS noch 1000 mal bei ihren Kunden und Mitarbeiter/innen bedanken. Sie hat ihr Vertrauen 100 Prozent verspielt und ist mitverantwortlich für das Finanz- und Wirtschaftsdebakel! Antworten
Vom Ansatz her scheint die RAC-Ratio schlauer zu sein als Tier 1, wo unter dem netten Titel "hybrides Kapital" Fremdkapital zu Eigenkapital mutiert. Aber einer Rankingagentur zu vertrauen, heisst schlicht "Glauben" - und glauben soll man in der Kirche und nicht in der realen Wirtschaft, wie die Erfahrungen nun wirklich langsam zeigen sollten........ Antworten
Dass die RAC Bewertungsmethode mehr taugt zur Kapitalisierungsberechnung als die herkömmliche Tier1 steht ausser Frage. Befremdend ist lediglich, dass mit S&P eine Ratingagentur am Werke ist, die sich im Laufe der Finanzkrise auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Auf die UBS und Ospel kommen weiterhin schwere Zeiten zu. Der Imageverlust wird die UBS weiterhin Milliarden kosten. Antworten
Kann mich den höhnischen Kommentaren nur anschliessen. Es mag gut sein, dass die Tier 1 Berechnung nicht solide ist. Der Anspruch, dass die von S&P - selber nichts weiter als eine kommerzielle Ratingagentur - ausgeheckte "objektive" Methode besser sei, darf aber auch mit Skepsis und Heiterkeit aufgenommen werden. Antworten
Moodies, S+P und all diese anderen Rating-Agenturen und Analysten, aufgepasst was Ihr so verzapft. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Eure Kommentare in erster Linie dazu verwendet werden, die Investoren zu beeinflussen und zu einer Meinung zu bewegung, zu viel mehr nicht. Negativ-Bewertungen , um die Kurse zu drücken, damit andere Investoren günstig einkaufen können, ist das der Plan???? Antworten
Eine grosse Mitschuld tragen v.a. die Regulotren, mit den extrem laschen und schönfärberischen Rechnungslegungsvorschriften, was zu einer exzessiven Ausnutzung von hybridem Kapital (rechtlich reines Fremdkapital) geführt hat, das schönfärberisch als angebliches "Eigen"kapital angerechnet werden darf, Schulden Eigenkapital? Hallo??? Antworten
Waren nicht auch die Ratingargenturen inkl. Standard&Poors für die Finanzkrise mitverantwortlich? Diese verdienen übrigens sehr viel Geld, und man vertraute die AAs einfach blind. Vorsicht, was diese Argenturen für Bewertungen ausgeben. Letztendlich führten solche Berechnungsmethode teilweise zu fatalen Fehleinschätzungen der Versicherungen, Banken, Regierungen ... nicht zuletzt private Investoren Antworten
Bravo, dass es jetzt Konkurrenz unter den Bewertern gibt, auch durch verschiedene Bewertungsmethoden! Das lässt die Konsumenten kritischer sein, und das ist gut so! Bloss fragt man(n) sich heute sofort: "Von wem ist Standard & Poors für seine Bewertung bezahlt?" Papier frisst bekanntlich alles und drückt noch immer den grossen Vertrauensverlust, der durch die Krise entstanden ist, aus. Antworten








martin zumbuehl
Der Fokus auf die subjektive Bewertung von Aktiven durch S+P sowie Gleichstellung von UBS/ Citigroup ist irreführend. Im Gegensatz zu Citgroup mit S+P Stable Rating ist der Ruf von UBS angeschlagen. 2009 betrug bei Citi der Zufluss von Kundengelder $73Mrd, bei UBS war der Abfluss SFr 72.2 Mrd. Firmen & Banken gingen Pleite, weil die Refinanzierung der Aktiven wie bei Citi zu wenig Beachtung fand Antworten