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«Sozialer Friede in der Schweiz nachhaltig geschädigt»

Interview: Claudio Habicht. Aktualisiert am 12.08.2009

Die Industriekonzerne Rieter und Alu Menziken wollen ihren Angestellten die Löhne kürzen. Beda Moor von der Gewerkschaft Unia spricht von einem «unverschämten» Vorgehen.

Freiwilliger Lohnverzicht: Der Winterthurer Industriekonzern Rieter verlangt von seinen Mitarbeitern Opfer.

Freiwilliger Lohnverzicht: Der Winterthurer Industriekonzern Rieter verlangt von seinen Mitarbeitern Opfer.
Bild: Keystone

«Es ist keine Art so mit den Leuten umzugehen»: Beda Moor.

«Es ist keine Art so mit den Leuten umzugehen»: Beda Moor. (Bild: Keystone)

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Beda Moor

Beda Moor ist Mitglied der Unia-Sektorleitung Industrie sowie Branchenverantwortlicher für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie.

Nach Rieter hat ein zweite Firma Lohnsenkungen bekannt gegeben: Der Industriebetrieb Alu Menziken will seinen Angestellten die Löhne um 10 Prozent kürzen – allerdings nicht freiwillig wie bei Rieter. Ein Tabubruch?
Die Gewerkschaft Unia ist empört. Ein solcher Lohnabbau kommt nicht in Frage. Das ist Gift für die Konjunktur und eine Unverschämtheit gegenüber den Beschäftigten. Vom Lohn müssen die Leute leben – der Lohn ist kein Bonus, der von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens abhängig ist. Die Angestellten tragen schliesslich keine Schuld an der Wirtschaftskrise. Es darf nicht sein, dass die kleinen Leute nun den Kopf für die Fehler der Finanzmanager hinhalten müssen.

Droht der Schweiz ein Arbeitskampf?
Die Unternehmer betonen stets, dass sie für die soziale Marktwirtschaft einstehen. Mit dem geplanten Lohnabbau wird diese jedoch ausgehebelt. Sollten weitere Firmen Gefallen an der Massnahme finden, wird der soziale Friede in der Schweiz nachhaltig geschädigt.

Was bedeuten die Lohnkürzungen für die Arbeitnehmer?
Die Alu Menziken bezahlt schon heute keine Spitzenlöhne. Ein Arbeiter an der Werkbank verdient vielleicht 5000 Franken. Wie soll er da mit 10 Prozent weniger Lohn seine Rechnungen bezahlen können. Es ist keine Art, so mit den Leuten umzugehen. Ganz nach dem Motto: Friss oder stirb.

Was glauben Sie, wird das Beispiel Schule machen?
Das hoffe ich nicht, denn es wäre für die gesamte Volkswirtschaft fatal. Weder Entlassungen noch Lohnkürzungen sind ein Ausweg aus der Krise. Es braucht endlich ein Investitionsprogramm. Der Exportindustrie würde zudem eine Abwertung des zu starken Frankens helfen. Viele Manager sprechen jetzt Entlassungen aus oder wollen die Löhne senken, um die Zahlen aufzupolieren. Das nützt höchstens den Aktionären, nicht aber dem Unternehmen.

Arbeitgeber-Direktor Thomas Daum behauptet, Rieter und Alu Menziken seien Einzelfälle.
Wir werden Herrn Daum beim Wort nehmen. Zwei Firmen sind aber schon mehr als ein Einzelfall.

Was sind die Forderungen der Unia?
Wir verlangen Kurzarbeit statt Entlassungen und Lohnkürzungen. Ein Unternehmen kann die Kurzarbeit beispielsweise dazu nutzen, seine Angestellten weiterzubilden, damit die Firma nach der Krise besser aufgestellt ist. Rieter und Alu Menziken sind jedoch der Ansicht, dass es einfacher ist, Löhne zu kürzen und Leute auf die Strasse zu stellen. Das geht nicht.

Die Unternehmer sind anderer Meinung. Wie wollen Sie die Rechte der Arbeitnehmer durchsetzen?
Die Unia wird alles daransetzen, dass es keinen Lohnabbau gibt. Wir werden nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. In einem ersten Schritt setzen wir uns mit den Beschäftigten der Alu Menziken zusammen und diskutieren alle Möglichkeiten.

Ist Streik eine Option?
Es ist noch zu früh, das zu sagen. Zuerst prüfen wir andere Massnahmen. Eine davon ist, dass die Angestellten Dienst nach Vorschriften leisten – also ohne Überstunden oder Mehrleistungen. Die Firma wird dann automatisch in Schwierigkeiten kommen. Und wenn sich die Arbeitnehmer der Alu Menziken weigern sollten, die neuen Arbeitsverträge zu unterzeichnen, sind der Firma die Hände gebunden. Sie kann ja nicht alle entlassen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2009, 14:50 Uhr

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