Solaranlagen als Geldanlage – eine clevere Alternative
Von Angela Barandun, Totana. Aktualisiert am 23.09.2009 9 Kommentare
Für die ABB ist es ein Vorzeigeprojekt. Für Roger Reinhold von Global Capital eine lukrative Investition. Beides sieht man der Solarstromanlage im spanischen Ort Totana, in der Nähe des Badeortes Alicante, auf den ersten Blick nicht an. Sie ist relativ klein, bedeckt nicht einmal die Fläche eines Fussballfeldes. Mit einer Leistung von einem Megawatt versorgt sie gerade mal 700 Haushalte. In Spanien gibt es Solaranlagen, die fünfzig Mal so gross sind.
Das Spezielle an Totana ist, dass die ABB nur vier Monate brauchte, um den kompletten Sonnenpark zu errichten – von der Planung bis zur Schlüsselübergabe. Kostenpunkt: über 8 Millionen Euro, 70 Prozent davon allein für die Solarmodule. So viel hat Roger Reinhold dafür bezahlt. Oder besser: Reinholds Kunde, der australische Investment Fund Keybridge Capital. Die Zeit war dabei ein entscheidender Faktor. Wäre die ABB nicht rechtzeitig fertig geworden, hätte der Fonds Millionen verloren.
Nur Anlagen, die bis Ende September 2008 funktionsfähig und ans spanische Stromnetz angeschlossen waren, profitierten von den saftigen Subventionen für Strom aus Photovoltaikanlagen. Wer vor Ablauf der Frist fertig war, erhielt rund 46 Eurocent pro Kilowattstunde Strom, die ins nationale Netz eingespeist wird – und zwar indexiert während der nächsten 25 Jahre. Wer zu spät kam, kassierte nur noch 31 Cent. Bezogen auf die 2,2 Gigawattstunden Strom, die Totana pro Jahr produziert, wäre das eine Einbusse von über 8 Millionen Euro über die gesamte Laufzeit. «Im Idealfall erwirtschaften wir auf Solaranlagen eine Eigenkapitalrendite von bis zu 15 Prozent pro Jahr», sagt Reinhold. Eine Rechnung, die nur wegen der hohen Einspeisevergütungen aufgeht.
Ende der Vergütungen
Mit dem Ende der Einspeisevergütung ging in Spanien auch der Solar-Boom zu Ende. Totana ist der zweite und letzte Solarpark, den Reinholds Firma hier finanziert. «Die Karawane zieht weiter. Im Moment boomt Italien, Griechenland ist im Kommen, und das nächste Land könnte die Türkei sein», sagt Reinhold. Seine Kunden folgen den Einspeisevergütungen.
Allerdings leidet das Geschäft stark unter der Finanzkrise. Vor der Krise wurden solche Solarparks mit nur gerade 15 Prozent Eigenkapital finanziert. Heute fordern die Banken 30 Prozent – was die Rendite auf 10 Prozent sinken lässt. «Was immer noch anständig ist», sagt Reinhold. Totana ist dabei eine Ausnahme. Als Pilotprojekt ist die Anlage komplett eigenfinanziert – und erwirtschaftet damit immer noch eine Rendite von 6 bis 8 Prozent.
Demnächst könnten vielleicht sogar reiche Privatkunden ein Stück von einer Solarstromanlage kaufen. «Ich würde gerne Schweizer Privatbanken für ein solches Investment gewinnen. Wir würden die Anlagen stückeln, und die Banken könnten sie ihren Kunden als Alternative zu Bonds oder Aktien anbieten», sagt Reinhold. Sein Arbeitgeber hat auch schon für den Berner Energiekonzern BKW gearbeitet und ihn bei der Investition in einen deutschen Windpark unterstützt.
Ausgefeilte Technik
Die Solaranlage in Totana wurde nicht nur in Rekordzeit gebaut. «ABB hat für uns einen echten Rolls-Royce unter den Solarparks gebaut», sagt Reinhold. Die Solarpaneele etwa sind nicht fix montiert, sondern richten sich entlang von zwei Achsen nach der Sonne aus. Wie Blumen drehen sie ihre Fläche der Sonne entgegen. Gleichzeitig – und das ist das Spezielle – passt sich der Neigungswinkel dem Sonnenstand an. «Die Sonnenstrahlen treffen immer genau senkrecht auf», erklärt Sergio Asenjo, der für ABB Spanien für den Bau verantwortlich war. «So gewinnen wir gegenüber herkömmlichen Anlagen ganze zwei Sonnenstunden: eine am Morgen und eine am Abend.» Alle drei bis fünf Minuten richten sich die Paneelen nach der Sonne aus. Dank diesen und anderen Optimierungen erreichen die Solarzellen einen Wirkungsgrad von über 77 Prozent. Das ist rund 40 Prozent mehr als bei Solarzellen, die etwa auf Dächern montiert sind.
Die Flexibilität schützt die Paneelen auch vor Wind und Wetter. Bei Böen von über 60 Kilometer pro Stunde werden die Paneele flach gestellt, um die Angriffsfläche zu minimieren. Bei Hagel werden sie senkrecht aufgerichtet. Das alles passiert automatisch, mithilfe einer kleinen Wetterstation vor Ort. Die gesamte Anlage braucht lediglich einen Mitarbeiter, der ab und zu nach dem Rechten sieht.
Nicht risikolos
Risikolos ist die Investition aber nicht – auch wenn Reinhold es gerne so darstellt. In Totana stiess man auf Probleme, die niemand vorausgesehen hat. Die Anlage steht mitten in einer Landwirtschaftszone. Durch das Pflügen gelangt viel Staub in die Luft, und der wiederum setzt sich auf den Solarzellen fest – was die Leistung deutlich reduziert. Ursprünglich rechneten ABB und Reinhold damit, die Paneele ein-, zweimal pro Jahr reinigen zu müssen. Seit Anfang Jahr wurde nun aber schon zum dritten Mal geputzt, und der Staub setzt bereits wieder an. Die nächste Reinigung dürfte kurz bevorstehen.
Andere Probleme hat man dafür frühzeitig erkannt und umgangen, wie Asenjo von ABB Spanien stolz präsentiert. Die Kabel, welche die einzelnen Paneele mit der Steuerung und dem Stromnetz verbinden, liegen offen in einer Schiene. «Hätten wir sie zugedeckt, hätten sich innert kürzester Zeit Ratten eingenistet und die Kabel beschädigt. Kein Deckel, keine Ratten – keine Probleme.»
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der ABB eingeladen hat. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.09.2009, 04:00 Uhr
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9 Kommentare
Würde man für den gleichen Betrag Häuser besser dämmen, die Ersparnis an Co2 wäre viel grösser. Oder mit der gleichen Fläche heizen oder Warmwasser erzeugen. Photovoltaik ist das beste Beispiel, dass Planwirtschaft nicht funktionniert und Klimaschutz bestenfalls Befriedigung des schlechten (Klima)gewissens ist. Der Bürger darf das via höhere Energiepreise bezahlen! Danke! Antworten
@Herr Meier: Die meisten Solarzellen richten sich nicht nach der sonne aus.. Meiner Ansicht nach kann ein solcher wert erreicht werden. Solarenergie ist ja gut und recht, aber umweltfreundlich? Haben Sie sich schonmal gedanken darüber gemacht, dass bei der Herstellung solcher Solarzellen hochgiftige Abfallstoffe entstehen, die dann wieder irgendwo eingelagert werden müssen? Wohl eher nicht.... Antworten
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Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen
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