«Sie haben wie alle anderen falsch gelegen»
Aktualisiert am 03.06.2010 10 Kommentare
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Bei einer Anhörung vor dem Untersuchungsausschuss zur Finanzkrise in Washington gestand Warren Buffett ein, dass Ratingagenturen wie Moody’s, Fitch und Standard und Poor’s für die Finanzkrise mitverantwortlich seien. Laut Berichten im «Handelsblatt», der «Financial Times Deutschland» und anderen Medien betonte Buffett, der mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway mit mehr als zehn Prozent an Moody’s beteiligt ist, allerdings immer wieder, dass nur wenige Fachleute die Krise hatten kommen sehen.
Zuvor hatte Warren Buffett sich in der Öffentlichkeit immer wieder mit pointierten und kritischen Äusserungen profiliert – unter anderem zu den Ursachen und Folgen der Finanzkrise. Seine Analysen waren häufig auch deshalb beliebt, weil er sich bodenständig und teilweise raubeinig ausdrückte.
«Ich habe die Krise nicht kommen sehen»
Bei der öffentlichen Analyse seiner eigenen Geschäftstätigkeit bei Moody’s blieb er nun allerdings eher einsilbig. Auf die Frage des Ausschusses, ob nicht auch Grossaktionäre, die mitverdient hätten, eine verantwortungsvollere Rolle hätten spielen sollen, antwortete er laut dem «Handelsblatt» lediglich: Ich habe damals nicht da gesessen und die Krise kommen sehen. Wenn ich es getan hätte, hätte ich meine Aktien vermutlich verkauft.»
Wie mehrere Medien berichteten, musste Buffet laut einem Sprecher des Untersuchungsausschusses sogar mit juristischen Mitteln zu seiner Aussage gezwungen werden. Zudem weigerte er sich, seine Kommentare zu den einzelnen Punkten vorab schriftlich einzureichen.
Zweifelhafte Verhältnisse in der Branche
Vertreter der Ratingagenturen äusserten sich zu den Vorwürfen ebenfalls zurückhaltend und vermieden es, eine eigene Verantwortung zur Finanzkrise und deren Folgen einzugestehen. Der Chef von Moody’s, Raymond McDaniel, räumte vor dem Ausschuss zwar Fehler ein. Doch zugleich spielte er die Rolle von Agenturen herunter. «Kreditratings sind keine Empfehlung für eine Investition», erklärte er. Die Bewertungen seien nur Hilfsmittel, und eine eigenständige Analyse sei für eine Geldanlage notwendig.
Der ehemalige Vizepräsident der Derivateabteilung von Moody’s, Mark Froeba, schob den Schwarzen Peter derweil den Banken zu. Deren Investmentbanker hätten Analysten kontrolliert, zitierte ihn die «Financial Times Deutschland» – und dazu gebracht, bessere Ratings für Schulden auszustellen, die eigentlich schlechtere verdient hätten. Laut seiner Aussage seien Mitarbeiter auch eingeschüchtert worden, um die Bereitschaft zur Kooperation zu erhöhen.
Graue Flecken auf Buffetts weisser Weste
Warren Buffett ist nicht nur mehrfacher Milliardär, sondern hat in den USA auch eine Vorbildfunktion. Als Investor hatte er sich den Spitznamen «Orakel von Omaha» verdient und viele Anleger durch kluge Entscheidungen reich gemacht. Zur Koryphäe wurde er unter anderem wegen seiner geschäftlichen Grundsätze, die auf langfristige Erfolge ausgelegt sind.
«Wir investieren nur in ein Unternehmen, wenn wir die Geschäfte verstehen, die langfristigen Aussichten des Unternehmens gut sind», so wurde Buffett häufig in den Medien zitiert, und «das Unternehmen von kompetenten und ehrlichen Managern geleitet wird». (raa)
Erstellt: 03.06.2010, 13:28 Uhr
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10 Kommentare
...Was bedeutet Langfristigkeit für einen in die Jahre gekommenen Mann? Es kann gut sein, dass eine langfristige Investition für Buffet nicht mehr dieselbe Bedeutung hat, wie vor 20 Jahren. Für mich ist Buffet zum Finanzhai mutiert, am besten weghören... Antworten
Ratingagenturen können eigene Analysen nie ersetzen, da hat Moody's Chef recht. Ratingagenturen waren nur ein Zahnrad in der Maschinerie, bestehend aus Investoren, Hedge-Funds, staatlichen Anreizen und direkten staatlichen Leistungsaufträgen z.b für Fannie Mae und Freddie-Mack, die die Immobilien-und Finanzkrise ausgelöst haben. RatingAgencies sollten durch ein Voting-Verfahren ersetzt werden. Antworten
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