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Schweden freuen sich fast immer über ihren liberalisierten Postmarkt

Von Bruno Kaufmann, Stockholm. Aktualisiert am 30.09.2010 9 Kommentare

Schwedens Postmarkt ist seit langem liberalisiert. Das hat viele Vorteile – und auch einige Nachteile.

Kommt auch bei Hochwasser: Schwedische Post.

Kommt auch bei Hochwasser: Schwedische Post.
Bild: AFP

Als Postkunde wird man in Stockholm auf Trab gehalten: Die erste Ladung Zeitungen landet um drei Uhr morgens im Briefkasten. Dann folgt das Couvert der Steuerverwaltung um halb sieben Uhr morgens. Zum Znüni gibt es erneut Zeitungen und Zeitschriften. Kurz nach dem Mittagessen bringt der Briefträger persönliche Briefe. Gegen drei Uhr hält ein gelbes Auto vor der Tür – der «Päcklipöstler» ist da, bevor kurz vor Feierabend noch SMS-Meldungen darauf hinweisen, dass die am Morgen im Internet bestellten Bücher im nahen Lebensmittelgeschäft abgeholt werden können.

Positive Einschätzung

Seit 1993 der schwedische Postmarkt liberalisiert wurde, machen sich Dutzende von Postunternehmen den Markt streitig. Für die Kunden hat sich nicht alles zum Besseren gewendet: Das einfache Briefporto hat sich vervierfacht, das Paket ins nächste Dorf kostet gleich viel wie eines nach Australien.

Trotzdem schätzen die meisten Menschen in Schweden die Veränderungen positiv ein. Wichtigster Grund: Der Postservice ist ins nächstgelegene Lebensmittelgeschäft oder in die Tankstelle umgezogen. In über 6000 Läden des Landes können heute Postgeschäfte erledigt werden. Weil die schwedischen Ladenöffnungszeiten schon lange liberalisiert sind, können Päckchen auch in einem Dorf am Polarkreis noch um halb elf Uhr abends aufgegeben werden.

«Kein profitables Geschäft»

Der Ex-Monopolist Posten ist weiterhin in Staatsbesitz und gesetzlich dazu verpflichtet, jeden Haushalt des Landes an fünf Tagen pro Woche mit einer Postlieferung zu versorgen. So werden manche Adressen in Lappland im Winter mit Schnee-Motorschlitten angefahren, und Luftkissenboote kurven im Frühjahr die von Eis umgegebenen Schäreninseln ausserhalb Stockholms an. «Das ist kein profitables Geschäft», sagt die Strategiechefin der Post, Susanne Flyckt. Geld macht die schwedische Post, die 2009 mit der dänischen Post fusionierte, mit der Paketpost sowie Massensendungen von Firmen: «Immer mehr Menschen kaufen über das Internet ein, wir liefern die Ware», erklärt Flyckt.

Die Liberalisierung der schwedischen Post führte auch dazu, dass sich das Unternehmen 2001 von der hauseigenen Postbank trennte. Seit zwei Jahren ist es nicht mehr möglich, Zahlungen über die Post abzuwickeln. Einzig in dünn besiedelten Gebieten können betagte und behinderte Personen via Pöstler Geld entgegennehmen oder einzahlen. Von allen anderen Kunden wird erwartet, dass der Zahlungsverkehr auf elektronischem Weg erledigt wird.

«Schwache» Konkurrenzsituation

Schwedens «gelber Riese» beschäftigt weiterhin über 10 000 Briefträger. Die private Konkurrenz beschränkt sich weitgehend auf die Ballungszentren des Landes. Der staatliche Ex-Monopolist hält somit bis heute fast 90 Prozent Marktanteil, was laut der nationalen Postaufsichtsbehörde eine «schwache» Konkurrenzsituation ist. Für mehr Konkurrenz wollen nun ausländische Teilnehmer wie DHL oder die Schweizer Post sorgen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2010, 07:34 Uhr

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9 Kommentare

Felix Meierhans-Burgermeister

30.09.2010, 08:21 Uhr
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Auch als wirtschftlich liberal denkender Mensch muss ich sagen, dass es sich in Schweden nur um eine Pseudo-Liberalisierung handelt, muss doch der Staat die schlecht versorgten (und kostenintensiven) Randgebiete versorgen, während sich die privaten auf die rentablen Ballungszentren konzentrieren. Von mir aus soll die CH-Post die Preise etwas erhöhen aber der Service muss bleiben! Eine Post reicht! Antworten


Herbert Frei

30.09.2010, 09:00 Uhr
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Es gibt Dienstleistungen, die sich schlecht eignen für den Wettbewerb: Wasserversorgung, Abfallentsorgung, Post, Eisenbahn. Wenn ein staatliches Monopol zu einem privaten wird (wie etwa bei den britischen Eisenbahnen oder der Wasserversorgung), ist das staatliche vorzuziehen: es muss keine Aktionäre und teuren Manager bezahlen. Auch privatwirtschaftliche Rosinenpickerei à la Schweden bringt wenig. Antworten



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