SNB-Chef Philipp Hildebrand geht nicht von einem Euro-Kollaps aus
Aktualisiert am 15.12.2011 3 Kommentare
(fib)
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Video Jordan
SNB-Vizepräsident Thomas J. Jordan zur Angst vor dem Eurokollaps. (Video: Keystone) -
Zusammenfassung 12:00
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an ihrer Nullzinspolitik fest und will den starken Franken weiter bändigen. Sie wolle den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen. Hierfür sei sie bereit, «unbeschränkt» Devisen zu kaufen.
Die massive Aufwertung des Schweizer Frankens im Sommer habe die Wirtschaft erheblich belastet. Nur dank der günstigen Entwicklung im ersten Halbjahr sei für das gesamte Jahr 2011 noch mit einem Wirtschaftswachstum (BIP) von 1,5 bis zwei Prozent zu rechnen.
Für das kommende Jahr geht die SNB aber von einem schwächeren Wachstum von 0.5 Prozent aus. Bisher wollte die SNB keine Prognose für 2012 wagen. Nun kommt sie zum Schluss, dass das internationale Umfeld nach wie vor von enorm hoher Unsicherheit geprägt und eine weitere Eskalation der europäischen Schuldenkrise nicht auszuschliessen sei.
Bei der Inflation rechnet die SNB dieses Jahr mit einer Rate von 0,2 Prozent. Bisher ging sie von 0,4 Prozent aus. Für das kommende Jahr bleibt sie bei ihrer Einschätzung eines Rückgangs von 0,3 Prozent. Für 2013 nimmt sie die Prognose leicht von plus 0,5 Prozent auf 0,4 Prozent zurück. In absehbarer Zeit gibt es laut SNB in der Schweiz damit kein Inflationsrisiko. Sollte sich die Auslandnachfrage aber stärker abschwächen, wäre auch die Preisstabilität in Gefahr.
Insgesamt haben sich die Reaktionen am Devisenmarkt in Grenzen gehalten. Rund 20 Minuten nach den SNB-Aussagen kostete ein Euro 1,2274 Franken. Vor dem Entscheid lag der Preis noch bei 1,2343 Franken. Der US-Dollar kostet derzeit 0,9434 Franken, nach 0,9473 Franken. Am Schweizer Aktienmarkt haben die Entscheide der SNB keine grösseren Aktivitäten ausgelöst. -
11:46
Das Philosophicum der letzten zehn Minuten ist beendet. Die drei Direktoriumsmitglieder schliessen das Mediengespräch.
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11:45
Hildebrand: Die Wettbewerbsfähigkeit der Peripherieländer hat sich zum Teil gegenläufig entwickelt. Diese sind mit überbewertetetn Währungen eingestiegen. Im Endresultat hat man die Problematik der Ungleichgewichte zwischen den Ländern. Finanziert werden dies Ungleichgewichte entweder vom Markt. Das ist im Moment teilweise kaum möglich. Oder die Länder werden von der öffentlichen Hand finanziert. Dann führen wir die Diskussion über Transferzahlungen. Innerhalb der Schweiz oder auch Deutschland gibt es die Transferzahlungen bereits. Schwierig wird es, wenn das auf einem gigantischen Niveua wie der gesamten Eurozone realisiert werden muss.
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11:43
Frage: Ist das Konstrukt des Euro bei so starken Wettbewerbsungleichheiten zwischen den Staaten so richtig?
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11:36
Hildebrand meint, das sei eine notwendige Bedingung für die Finanzstabilität. Hier gehen wir mit der deutschen Bundesbank konform. Die Literatur sagt aber auch, dass es zwar eine notwendige, aber unter Umständen keine hinreichende Bedingung ist. «Das Mandat der Notenbanken muss angereichert werden.»
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11:33
Ist das primäre Ziel der Preisstabilität für das 21. Jahrhundert noch adäquat?
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11:30
Hildebrand beweist Standfestigkeit: Er sei Kritik gewöhnt und erklärt, dass Nationalbanken ursprünglich gegründet und erfunden wurden, um in Krisenzeiten die Finanzstabilität zu wahren. Das Inflationsziel kam erst später.
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11:24
Hildebrand: Wenn man sich auf dessen Mandat beschränkt, dann ist der IWF die richtige Institution dazu. Hildebrand lässt aufhorchen: «Europa ist nicht die grösste Gefahr für die Weltwirtschaft».
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11:22
Frage: Ist der Weg über den IWF die Finanzierung der Eurozone durch die Hintertür?
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11:20
Hildebrand: Europa ist noch nicht am Ende des Weges angelangt, um zu einer Stabilitätsunion zu finden. Aus Schweizer Sicht ist das zentral. Die Schweiz hat immer dann profitiert, wenn Europa stabil ist. Der Mindestkurs ist in Kraft und wir werden ihn mit aller Kraft durchsetzen. Eine Aufwertung gegenüber dem Euro stellt sich momentan nicht.
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11:17
Frage ad IWF: Halten Sie Beschlüsse des EU-Gipfels für sinnvoll? Und: Rechnen Sie damit, dass die Märkte den Franken stärker testen werden?
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11:09
Hildebrand: Eine konkrete Anfrage zum EFSF gibt es bisher nicht. Unterstützungen für den IWF betreffen sowohl die SNB als auch den Bund. Es müssten drei Kriterien erfüllt sein, damit die Schweiz über den IWF mitzahlt: Die Eurozone muss den Hauptbeitrag leisten, das wäre eine Bedingung. Das wurde am EU-Gipfel auch bekant gegeben. Jetzt stellt sich die Frage nach der detaillierten Ausgestaltung. Mittel, die gegebenenfalls fliessen würden, müssten den generellen Ressourcen des IWF («Allgemeinmittel») zufliessen. Und nicht einem anderen Kanal. Aus unserer Sicht einer «Nicht-EU-Nicht-Euro-Institution» sollten auch andere Länder ausserhalb der Eurozone mitmachen. Das sind unsere Bedingungen in Abstimmung mit dem Bund.
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11:05
Frage: Die Schweiz ist massiv tangiert von der Eurokrise. Ist eine allfällige Mitwirkung an den Massnahmen für die Eurozone denkbar? Hat die SNB Papiere des EFSF gekauft? Oder beabsichtigt sie dies? Hat sie eine Meinung zu Krediten an den IWF durch die Schweiz?
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11:03
Details über die technische Operation zur Verteidigung des Mindestkurses verrät Hildbrand wie erwartet nicht.
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10:58
Hildebrand nochmals zum Mindestkurs: Dieser habe das Risiko einer Deflation reduziert. Er erwarte aber deflationäre Tendenzen, wenn auch keine lang anhaltende Abschwächung des Preisniveaus.
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10:55
SNB-Vize Jordan findet, das können geeignete Massnahmen sein.
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10:54
Frage zur Kapitalausstattung der Banken: Sollten diese auf Dividendenausschüttungen und Boni verzichten?
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10:52
Jordan: Die akuten Probleme im Finanzmarkt können nicht rasch gelöst werden. Aber die Banken unternehmen einiges, um ihre Kapitalsituation zu verbessern. Das ist mehr eine Frage der Finanzmarktstabilität als der Banken. Wir zweifeln nicht daran, dass die Banken das notwendige Kapital rasch aufbauen können.
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10:50
Frage: Die Schweizer Grossbanken würden ihr Eigenkapital verbessern. Geht ihnen das schnell genug?
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10:44
Hildebrand: Unser Basisszenario geht nicht von einer solchen Entwicklung aus. Aber es ist selbstverständlich, dass wir permanent alle Massnahmen prüfen und bei Bedarf ergreifen würden.
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10:43
Stimmt es, dass die SNB sich auf den Kollaps der Eurozone vorbereitet?
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10:42
Danthine hat seine Rede beendet. Die Fragerunde ist eröffnet.
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10:41
Zu den Portfoliowährungen der SNB sind vier Währungen bei den Devisen hinzugekommen: Zusätzlich zum Euro sind das der australische Dollar, der Singapur-Dollar, die dänische und die schwedische Krene.
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10:39
Die Liquidität am Interbankenmarkt soll unbedingt aufrecht erhalten werden, konkrete Massnahmen dazu kündigt Danthine aber vorerst nicht an.
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10:37
Die Zinssenkung der SNB habe rückblickend betrachtet den Franken als Fluchtwährung bedeutend unattraktiver gemacht.
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10:28
Jean-Pierre Danthine, Dritter im Bunde des SNB-Direktoriums, ist nun am Wort.
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10:27
Jordan begrüsst die Initiative des Bundesrats, der SNB einen besseren Zugang zu den Daten der Geschäftsbanken zu geben, um Fehlentwicklungen auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt vorzubeugen.
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10:25
Eine Abschwächung der Schweizer Wirtschaft kann zu einer schlechteren Kreditqualität im Inland führen. Und dazu, dass inlandsorientierte Banken Abschreiber vornehmen müssen. Das gilt besonders für den Hypothekarbereich. Deshalb sollten die betreffenden Hypothekenbanken ihre Eigenmittelausstattung verbessern. Und das strukturell: per antizyklischem Puffer soll das Eigenkapital nur in Ausnahmesituationen aufgestockt werden müssen. Jordan spricht hier von einem «makroprudentiellen Instrument».
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10:20
Das ging an den Schweizer Banken nicht spurlos vorüber: UBS und Credit Suisse stockten begrüssenswerterweise ihr Finanzpolster auf und hatten einen Kundenabfluss zu verzeichnen.
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10:19
Jordan setzt fort: Liquiditätsengpässe am Interbankenmarkt bezeichnet er als gravierend. Das Vertrauen im europäischen Bankensektor wieder herzustellen, ist essenziell. International bleibt das Marktumfeld unsicher.
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10:18
Der Franken hat gegenüber dem Euro nach der Ankündigung der SNB den Mindestkurs von 1,20 Franken mit allen Mitteln zu verteidigen, an Wert gewonnen. Innert weniger Minuten fiel der Eurokurs um einen Rappen von 1,2353 Franken auf 1,2255 Franken. (sda)
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10:16
Vizepräsident Thomas Jordan ist am Wort.
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10:14
Kredite und Hypotheken sind im dritten Quartal noch gewachsen. Für Grossunternehmen ist die Kreditprüfung aber strenger geworden.
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10:11
Die Konsumausgaben und die Wohnbauinvestitionen dürften sinken, sagt Hildebrand. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt werde sich weiter verschärfen.
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10:10
Hildebrand referiert: Steigende Kreditkosten und die hohe Unsicherheit tragen zu einer erheblichen Verschlechterung des Geschäftsklimas in der Eurozone bei. Das hat einen weiterhin negativen Einfluss auf die Exportsituation der Schweiz. Mit ebenfalls negativen Auswirkungen auf den Jobmarkt.
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10:00
Das Direktorium der SNB, die Herren Philipp Hildebrand, Thomas Jordan und Jean-Pierre Danthine nehmen Platz.
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9:30
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt die Kursuntergrenze des Frankens zum Euro bei 1.20. Auch der Leitzins verbleibe auf dem Niveau von null bis 0,25 Prozent. Das teilte der Chef der SNB, Philipp Hildebrand, vorab mit. Damit bleibe der Franken zwar nach wie vor hoch bewertet. Falls sich die Wirtschaftsaussichten mit Blick auf die Eurozone aber weiter verschärfen, sei die SNB weiterhin bereit, «unbeschränkt» zu intervenieren. Für das Jahr 2012 rechnet die SNB mit deflationären Tendenzen. Die Prognose: Eine Inflation von minus 0,3 Prozent im Jahr 2012, im Jahr darauf soll die Inflation bei plus 0,4 Prozent liegen.
Erstellt: 15.12.2011, 10:03 Uhr
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3 Kommentare
@Pelo: Den Markt gibt es gar nicht, der ist eine FIKTION! Wenn Nationalbanken seit Jahrzehnten via Geldpresse die ZInsen drücken ist das Marktverzerrung! Das ganze ist ein "Wirtschafts-Währungskrieg" und wer stärker ist (mehr Dollars drucken kann) hat recht. Zu doof, wenn man sich dann an die Spielregeln hält, wenn' s andere selber nicht tun. Das ganze ist eine FARCE! Antworten
Wirtschaft
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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