SBB-Chef Andreas Meyers Armada der teuren Berater
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 01.01.2010 46 Kommentare
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Stellungnahme der SBB
«Die Kosten für die strategische Management-Beratung bei SBB Cargo liegen im Zeitraum 2007 bis 2009 durchschnittlich im einstelligen Millionenbereich», schreiben die SBB in einer weiteren Stellungnahme zum Artikel der Berner Zeitung vom Donnerstag. Damit liefern die Bundesbahnen, die zuerst zur Höhe der Beratungsleistungen keine Angaben machen wollten, erstmals eine Grössenordnung dieser Ausgaben für die SBB Cargo AG. Diese erzielt einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Franken. Die Beratungsleistungen würden damit weniger als einem Prozent des Umsatzes entsprechen, schreibt SBB-Kommunikationschef und Konzernleitungsmitglied Werner Nuber in seiner Stellungnahme vom 31. Dezember. Die Präzisierung erfolge, «um zu vermeiden, dass ein falscher Eindruck entsteht».
Entscheidend bleibt allerdings die Frage, was die Bundesbahnen unter dem eng gefassten Begriff «strategische Management-Beratung» subsummieren. Im Artikel der Berner Zeitung wurden glaubwürdige Quellen zitiert, wonach allein für das Jahr 2008 bei SBB Cargo 40 Mio. Franken für «externe Beratungen» budgetiert gewesen seien. Insgesamt seien in den vergangenen drei Jahren über 100 Mio Franken für «externe Beratungen» ausgegeben worden, schrieb die BZ, ohne diesen Begriff ihrerseits näher zu definieren. Seitens der SBB heisst es dazu, Beratungshonorare seien nicht mit Planungs- und Projektierungsaufträgen an Externe zu verwechseln. Allein in den Bereichen Infrastruktur und Immobilien, von denen im BZ-Artikel allerdings keine Rede war, seien derzeit über 3000 Projekte am Laufen, deren Bearbeitung ohne Beizug externer Fachkräfte gar nicht möglich sei. Die Berner Zeitung wird dem Thema weiter nachgehen. hu
SBB-Chef Andreas Meyer steht intern in der Kritik. Vor allem sein als forsch und autoritär beschriebener Führungsstil kommt beim hohen SBB-Kader gar nicht gut an, was Meyer selber jedoch in Abrede stellt. In Meyers bisherigen drei Amtsjahren kam es aber zu etlichen Abgängen in der Konzernleitung. Zudem herrscht im Topkader schlechte Stimmung, nachdem Meyer das jährliche Feedback seiner Spitzenkräfte, das schlecht ausfiel, nicht wie üblich an den Verwaltungsrat weitergab (wir berichteten).
Auch Meyers Umgang mit dem Geld sorgt intern für Diskussionen: So soll der SBB-Chef, der mehr als 1 Million Franken im Jahr verdient, dafür bekannt sein, ein ganzes Heer von externen Beratern zu beschäftigen. Eine Expertise hier, ein Bericht da: Unter Meyer geben sich Berater aus renommierten Beraterbüros wie McKinsey, Arthur D. Little oder Roland Berger laut gut informierten Quellen die Klinke in die Hand.
Mehr als 100 Millionen?
Ein Insider aus dem Umfeld von SBB Cargo, der anonym bleiben will, sagt: «Seit Meyers Antritt im Jahr 2007 haben die SBB allein im Bereich Güterverkehr rund 100 Millionen Franken für externe Beratungen ausgegeben.» Eine andere Quelle stützt diese Aussage und fügt an: «Schon nur für das Jahr 2008 waren bei SBB Cargo 40 Millionen Franken für Beraterhonorare budgetiert.»
Pikant: Die Höhe der Expertenhonorare ist in den Geschäftsberichten nicht explizit ausgewiesen. Dies bestätigt auch SBB-Sprecher Reto Kormann: «Wir legen nicht offen, wie viel wir für externe Beratungen aufwenden.» Allerdings sei die Grössenordnung von 100 Millionen Franken im Bereich Cargo «völlig aus der Luft gegriffen und entbehrt jeder Grundlage». «Mit dieser Zahl liegen Sie mehr als 80 Prozent daneben», sagt Kormann auf Anfrage. Konkretes Zahlenmaterial, das die Insiderinformationen entkräftet hätte, mochte die SBB aber nicht liefern.
Eher konservativ mit der Beschäftigung externer Berater umgegangen ist offenbar Meyers Vorgänger Benedikt Weibel. «Er war sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, sich externen Rat zu holen», sagt ein Weggefährte Weibels. Hie und da habe ein Beratungsbüro einen Auftrag erhalten, aber nie in dem Ausmass, wie es nun unter Andreas Meyers Führung gang und gäbe sei. «Zuerst holte Meyer ein einziges Beratungsbüro an Bord, kurz darauf waren es schon eine Hand voll.»
SBB nimmt Meyer in Schutz
SBB-Sprecher Kormann sagt zu den Honoraren für externe Berater: «Die SBB steht vor grossen Herausforderungen. In solchen Situationen die Expertise externer Spezialisten einzubeziehen ist bei der SBB genau so üblich wie bei anderen Unternehmen auch.» Es stimme, dass die Division Güterverkehr ein «beratungsintensiver» Bereich sei. Ähnlich viele Berater würden für die Überprüfung der Infrastruktur und des Schienennetzes eingesetzt, um den Nachholbedarf einschätzen zu können.
Kormann widerspricht dem Vorwurf, dass SBB-Chef Meyer sämtliche Beratungsmandate in Eigenregie vergebe. «Die einzelnen Divisionen haben selber einen gewissen Handlungsspielraum», so der Sprecher. Und: «Die Vorschriften für die Beschäftigung externer Berater wurden unter Andreas Meyer eher noch verschärft. Ein Antrag muss heute mehr Stufen durchlaufen als früher.»
Berater auf Kaderposten
Teuer zu stehen kommen die SBB auch, dass vakante Kaderstellen nicht selten mit externen, teuren Beratern interimistisch besetzt würden, wie die Kritiker bemängeln. SBB-Sprecher Kormann räumt ein, dass in den letzten zwei Jahren Kaderstellen vorübergehend mit externen Beratern besetzt worden seien. Bei diesen Anstellungen sei jedoch nicht der übliche Berateransatz abgegolten worden, die Entschädigung sei je nach Situation unterschiedlich ausgehandelt worden.
Durch die interimistische Anstellung von Beratern habe man sich die nötige Zeit nehmen können, um sorgfältige Nachfolgeentscheide zu fällen, sagt Kormann. «Allerdings war dies nur vereinzelt der Fall.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.01.2010, 09:09 Uhr
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46 Kommentare
Eine Armee von Beratern in der obersten Führungsriege ist ein deutlicher Hinweis auf Vetterliwirtschaft und der Geringschätzung der Skills der eigenen Mitarbeiter. Unternehmenskulturfremde Besserwisser mit der Absicht, möglichst viel Beratung zu verkaufen, werden Herrn Mayer sicher nicht zu mittelfristigen Erfolgen verhelfen. Antworten
Die SBB gehört der Schweizer Bevölkerung. Wohin es führt, wenn der Eigentümer nicht selbst kontrolliert, sehen wir hier wieder einmal deutlich. Verantwortung kann man nicht delegieren. Die direkte Demokratie für grosse Unternehmen wäre eine Möglichkeit, von Duttweiler erfunden, aber nie praktiziert. Antworten
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