SBB rüsten 2. Klasse mit WLAN auf
Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 08.02.2012 5 Kommentare
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Das Internet ist ein Vehikel für die Massen. Bei den SBB allerdings kann erst ein ausgesuchter Kundenkreis über WLAN kabellos im Internet surfen. Schweizweit verkehren nur gerade 75 Wagen der 1.Klasse, die einen WLAN-Zugriff erlauben.
Das soll sich ändern: Voraussichtlich ab dem Jahr 2014 gehen die neuen Fernverkehr-Doppelstockzüge der SBB in Betrieb. Diese 59 Züge sollen sowohl in der 1. als auch in der 2.Klasse WLAN bieten. Sie verkehren ab 2014 vorerst auf den Strecken St.Gallen–Genf und Romanshorn–Brig, später in der ganzen Schweiz.
Unklar ist aber nach wie vor, ob Passagiere für das WLAN in den Zügen dereinst zahlen müssen. Ebenfalls offen ist, ob die SBB auch ältere Wagen mit WLAN nachrüsten. SBB-Sprecher Christian Ginsig sagt: «Ideen sind viele vorhanden.» Einen Entscheid fälle die SBB diesbezüglich aber erst im Sommer.
Kein Satellit wie bei der SNCF
Gesichert ist bloss: Für den kabellosen Internetzugang in den neuen Doppelstockzügen setzen die SBB sicher nicht auf Satelliten, wie dies die französische Bahn SNCF macht. Das gehe in der Schweiz von der Topografie her nicht, sagt Sprecher Ginsig. Die vielen Tunnels auf den Strecken würden das Signal immer wieder unterbrechen. Möglich ist, dass die SBB eine Art Bordrechner in den Doppelstöckern mitfahren lassen. Darauf könnten die Inhalte viel besuchter Webseiten gespeichert werden. Der Passagier würde diese dann quasi offline abrufen.
Ebenso offen sind die Kosten für das WLAN-Projekt. «Exakte Zahlen gibt es noch keine», sagt Ginsig. Fest steht bloss, dass alleine die Ausrüstungskosten im zweistelligen Millionenbereich liegen. Hinzu kommen die Kosten für den Betrieb.
Gratis-WLAN in Postautos
Weil die SBB bis heute kein umfassendes WLAN in ihren Zügen bieten, muss sich das Unternehmen immer wieder Kritik anhören. Zumal die Postauto AG das Bahnunternehmen in den Schatten zu stellen scheint: In diesem Jahr sollen nicht weniger als 1500 Postautos mit WLAN bestückt werden, das die Passagiere gratis nutzen können. Das neue Angebot lässt sich die Post mehrere Hunderttausend Franken im Jahr kosten. Der Internetzugang unterwegs sei ein grosses Bedürfnis, heisst es bei der Post.
Das findet auch SBB-Sprecher Ginsig. Doch dass sein Unternehmen die Entwicklung verschlafen haben solle, stellt er in Abrede. WLAN in einem Postauto anzubieten, sei «weniger komplex» als bei der Bahn. Die sehr hohe Geschwindigkeit und die rund 1200 potenziellen WLAN-Nutzer pro Zug seien «eine grosse technische Herausforderung».
Nicht verschlafen
Dass die SBB die neuen Technologien nicht verschlafen haben, zeigt die Aufrüstung von rund 1200 Wagen mit so genannten Repeatern, welche die Signale des Mobilfunknetzes verstärken. 2011 sind laut Ginsig rund 100 Wagen mit solchen neuen Repeatern ausgestattet worden. In diesem und im kommenden Jahr soll nun der grosse Rest folgen.
Während die SBB die 1.-Klass-Wagen mit WLAN mit einem Symbol speziell kennzeichnen, macht sie dies bei den mit neuen Repeatern aufgerüsteten Waggons nicht. Kein Wunder: Die SBB wollen offenbar vermeiden, dass die Massen an Handynutzern in den teilweise schon jetzt überfüllten Zügen noch näher zusammenrücken müssen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.02.2012, 07:38 Uhr
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