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Rücktritt Hildebrands schwächt Schweizer Finanzdiplomatie

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 09.01.2012 91 Kommentare

Mit dem Amt des SNB-Präsidenten sind einige weitere Ämter verknüpft. Philipp Hildebrands Rücktritt könnte für die Schweizer Positionen in den Gremien internationaler Organisationen gravierende Folgen haben.

Der Rücktritt des SNB-Chefs hat Folgen für die Schweiz bei diversen internationalen Organisationen: Nationalbankchef Philipp Hildebrand im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde beim WEF-Forum im Januar 2011.

Der Rücktritt des SNB-Chefs hat Folgen für die Schweiz bei diversen internationalen Organisationen: Nationalbankchef Philipp Hildebrand im Gespräch mit IWF-Chefin Christine Lagarde beim WEF-Forum im Januar 2011.
Bild: Keystone

FSB bedauert Rücktritt

Das Financial Stability Board (FSB) bedauert den Rücktritt von Philipp Hildebrand als SNB-Präsident und den damit verbundenen Rücktritt von der Funktion als Vize-Vorsitzender des FSB.

Hildebrand sei seit Anfang 2007 Mitglied des FSB. Die FSB- Mitglieder dankten Hildebrand für seine hochgeschätzten Leistungen, heisst es in einer FSB-Mitteilung weiter. Die Schweiz gehört der Institution seit 2007 an.

Hildebrand sei massgeblich an der Bewältigung der globalen Finanzkrise und der Entwicklung der wichtigsten Reformen zur Stabilisierung des internationalen Finanzsystems beteiligt gewesen, wird FSB-Chairman Mark Carney in der Mitteilung zitiert.

Hildebrand war im vergangenen November zum Vize-Vorsitzenden des FSB ernannt worden. (sda)

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Die Affäre Hildebrand schlägt auch international hohe Wellen. Und mündete letztlich im Rücktritt von SNB-Chef Philipp Hildebrand. Die umstrittenen Devisengeschäfte der Familie Hildebrand rückten die Schweizerische Nationalbank (SNB) sowie deren ehemaligen Präsidenten in ein zunehmend schiefes Licht. Das hat nicht nur Konsequenzen für die Glaubwürdigkeit des SNB-Direktoriums, sondern auch für den Ruf der Schweiz, die in zahlreichen internationalen Organisationen vertreten ist.

Hildebrand war nicht nur Präsident der SNB, er war bis dato auch Vizepräsident des Financial Stability Boards (FSB). Das FSB ist eine internationale Organisation, die das globale Finanzsystem überwacht. Hinter den Kulissen wurde der Schweiz im Sommer des Vorjahres als Entschädigung für die Nichtmitgliedschaft im Klub der G-20 der FSB-Vizechefposten angeboten. Mit dem Vorteil, dass die Schweiz später doch noch der G-20 beitreten könnte. Denn für die Mitgliedschaft entscheidend ist die weltwirtschaftliche Bedeutung einer Nation. Der stellvertretende Chefposten beim FSB hat die Bedeutung der Schweiz international weiter aufgewertet.

Seit Jahren wünscht sich das Land eine Mitgliedschaft im Klub der wichtigsten Industrienationen der Welt. Diese blieb den Eidgenossen aber bisher verwehrt. Die Schweiz ist nicht zuletzt deshalb in Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der OECD und dem FSB prominent vertreten. «Als Nichtmitglied der G-20 ist es für die Schweiz umso wichtiger, in diesen Gremien eine starke Stellung zu haben», sagte Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen (SIF).

Auf Behördenseite ist man stets bemüht, die Sache nicht weiter aufzubauschen. Die öffentlichen Darstellungen rund um die kolportierten Devisenpekulationen der Familie Hildebrand seien «zu dramatisch» gewesen, hiess es aus Ministeriumskreisen.

Politik demonstriert Geschlossenheit

Doch für Klaus Armingeon, Institutsdirektor für Politikwissenschaft der Universität Bern, war der Ruf der obersten Währungshüterin schon vor Hildebrands Rücktritt längst ramponiert. Und er fügte hinzu: «Nicht nur das allfällige Fehlverhalten von Präsident Hildebrand ist dem Ansehen der SNB abträglich, sondern auch die politische Inszenierung», so der Politikexperte.

Da Hildebrand den Hut nahm und sein mögliches Fehlverhalten in einem langwierigen Verfahren noch weiter erörtert werden könnte, müssten alle weiteren Aufklärungsversuche rasch und entschlossen passieren, meinte Armingeon: «Vor allem, um einen weiteren Schaden abzuwenden.» Armingeon befürchtete massive Kollateralschäden für die Schweiz aufseiten der Politik und bei diversen Institutionen. Aus seiner Sicht wäre es besser gewesen, «von Anfang an die Fakten auf den Tisch zu legen und darüber offen und schonungslos zu berichten».

FSB-Führungsposten wackelt

Tatsächlich muss Hildebrand nun auch seinen Vizechefposten beim FSB räumen, wenn er als SNB-Präsident nicht mehr im Amt ist. Denn die FSB-Führung setzt sich ausschliesslich aus Zentralbankern und Vertretern von Finanzministerien zusammen. Ob beim nächsten Plenarmeeting des FSB am 10. Januar in Basel der Reputationsschaden diskutiert wird, liess Sprecherin Margaret Critchlow auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet offen.

Nach dem Rücktritt Hildebrands droht die Schweiz jedenfalls eine gewichtige internationale Position in der Finanzwelt zu verlieren. Denn aus Sicht der G-20 rückt die mögliche Mitgliedschaft der Schweiz damit in weite Ferne. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2012, 20:37 Uhr

91

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91 Kommentare

Thomas Schwarz

09.01.2012, 21:15 Uhr
Melden 308 Empfehlung

Herr Hildebrand, Sie haben die Konsequenzen mit Stil gezogen, obwohl die von einer Handvoll persönlicher Feinde aufgebauschten Vorwürfe keinen Anlass gegeben hätten. Ich bin wohl nicht der einzige, der darüber enttäuscht ist.
Höchste Zeit dass rechtliche Schritte gegen jene eingeleitet werden, die unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat unterlaufen, sonst willkommen in der Bananenrepublik!
Antworten


Tom Dubach

09.01.2012, 21:32 Uhr
Melden 295 Empfehlung

Ja, das ist ein ziemlich grosser Kollateralschaden. Vernünftige wussten das. CB und Konsorten nehmen scheints alles in Kauf. Gegen die eigenen Interessen, die der Wähler und eigentlich der ganzen Schweiz. Dieses Denunziantentum ist im Kern völlig anti-patriotisch. Nur brain-washte Claqueure können hier noch jubeln. Der Schaden ist immens, wenn auch schwierig zu beziffern. Antworten



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