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Roche leidet heftig unter starkem Franken

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 21.07.2011 6 Kommentare

Der Pharmakonzern verliert grosse Teile seines Umsatzes wegen der Frankenstärke. Ein Stellenabbau verhindert den Gewinneinbruch – doch Roche bleibt deutlich hinter Konkurrentin Novartis zurück.

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Seit Wochen beklagen exportorientierte Schweizer Unternehmen den starken Franken. Heute zeigen die Halbjahreszahlen von Roche deutlich, was das bedeutet. Der Pharmakonzern verkaufte in Wirklichkeit gleich viel wie im ersten Halbjahr 2010. Doch weil er für dieselbe verkaufte Ware weniger Franken verbuchen kann, ist der Umsatz schliesslich in den Büchern um satte 12 Prozent geschrumpft. Konkurrentin Novartis kennt dieses Problem nicht, sie bilanziert in Dollar.

Die Währungseffekte dürften «einen höheren Einfluss gehabt haben als erwartet», schreibt der Analyst der Bank Vontobel. Der Einbruch zieht sich hinunter bis zum Reingewinn. Er ist gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent oder 306'000 Franken gesunken. Ohne die Währungsverluste wäre er 10 Prozent höher als 2010.

Doch selbst ohne diesen Währungseffekt dürfen die Zahlen von Roche höchstens als solid bezeichnet werden: Der Umsatz in der Pharmasparte stagniert, besonders in Europa und Asien. Ausserdem präsentiert sich Roche auch in diesem Finanzbericht als hoch spezialisiertes Unternehmen – über die Hälfte des Umsatzes in der Pharmasparte verdient Roche mit Krebsmedikamenten –, was den Konzern anfällig macht für Schwankungen. Für Roche ist es ein grosser Rückschlag, dass das zweitwichtigste Produkt im Konzern überhaupt, das Krebs-Medikament Avastin, von der US-Gesundheitsbehörde Anfang des Monats für die Anwendung bei Brustkrebs als zu teuer und unsicher abgelehnt wurde. Für vier weitere Krebsarten bleibt es zugelassen. Die Verkäufe sind weltweit über das Halbjahr gesehen um 8 Prozent eingebrochen.

Diagnostikasparte soll wachsen

Die belastenden Effekte gleicht Roche teilweise aus, indem sie Kosten einspart. Im Herbst hatte der Konzern den Abbau von 4800 seiner 82'000 Stellen angekündigt, was noch in diesem Jahr die Kosten um 1,8 Milliarden Franken senken soll. Wider Erwarten wirkt sich das Programm jetzt bereits aus: Man habe bereits im ersten Halbjahr 950 Millionen Franken eingespart, meldet Roche. Ohne die Kostenkürzung wäre der Reingewinn bei ansonsten gleichen Bedingungen statt um 5 Prozent um 20 Prozent eingebrochen.

Vielversprechend sind die guten Ergebnisse neuer Medikamentenkandidaten in jüngsten Tests. Dies dürfte den Markt besonders interessieren, schreibt der Analyst der ZKB, der darum den Halbjahresbericht der Roche «positiv» bewertet. Zudem zeigt der Konzern ein gutes Wachstum in der zweiten Sparte Diagnostika. Erst letzte Woche hatte Roche bekannt gegeben, dass sie das deutsche Unternehmen Mtm kauft, das auf die Diagnose von Gebärmutterhalskrebs spezialisiert ist. Roche erwartet denn auch, dass der Medikamentenmarkt bis Ende des Jahres durchschnittlich, die Diagnostikasparte stärker als der Rest des Marktes wächst.

Insgesamt scheint Novartis mit seiner diversifizierten Strategie in Zeiten sinkender Medikamentenpreise und komplexer Zulassungsprozesse konstanter aufgestellt. Roche entwickelt sich zunehmend zum Spezialisten für hochwirksame, teure Medikamente – ein vielversprechender, doch riskanter Markt.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.07.2011, 09:19 Uhr

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6 Kommentare

Hans-Peter Zahnd

21.07.2011, 09:40 Uhr
Melden 40 Empfehlung

"Leiden" ist wohl ein Verb, dass sich nur sehr beschränkt auf Firmen anwenden lässt.
Wer wohl am ehesten leidet sind die 4'800 Angestellten, die um den Share-Holder-Value hoch zu halten, über die Klinge springen müssen.
Antworten


Gaby Hübscher

21.07.2011, 09:54 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Einigen Unternehmen ist wohl der letzte Rest an Anstand abhanden gekommen und lassen keine Gelegenheit aus, um davon zu profitieren. Ausgerechnet Roche, die Pharma-Hochpreis-Verfechterin, scheint jetzt ein „Wehwehli“ zu haben. Der nächste Schritt wird Entlassungen und Auslagerungen sein, trotz Mia. Die Roche-Manager sind ihr Geld nicht wert! Antworten



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