Rieter verlangt Lohnverzicht von Mitarbeitern – per E-Mail
Von David Vonplon. Aktualisiert am 31.07.2009 37 Kommentare
«Gewisse Bereitschaft zum Lohnverzicht ist da»: Rieter-Hauptsitz in Winterthur. (Bild: Keystone)
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Vor ein paar Wochen erhielten Rieter-Mitarbeiter ein brisantes E-Mail-Schreiben der Personalabteilung. Die Betroffenen mussten sich entscheiden: Entweder sie stimmen einem Lohnverzicht von zehn Prozent zu und zeigen sich damit als loyale Mitarbeiter, die den Restrukturierungsplan des Unternehmens mittragen. Oder aber sie erklären, dass sie nicht bereit sind, den Lohnverzicht zu leisten; in diesem Falle macht der Konzern den Mitarbeiter darauf aufmerksam, dass der direkte Vorgesetzte über seinen Entscheid informiert wird.
«Das Lohnkürzungsprogramm gilt für Mitglieder der Konzernleitung und weltweit für Führungskräfte und Mitarbeiter, die nicht bereits von einem Kostensenkungsprogramm wie z.B. Kurzarbeit betroffen sind», erklärt Peter Grädel, Sprecher der Firma Rieter auf Anfrage. Er bestätigt damit Recherchen von Bernerzeitung.ch/Newsnet. Die Massnahme ist Teil des laufenden Restrukturierungspakets, das unter anderem Kurzarbeit, Abbau von Temporärstellen, verlängerte Betriebsferien und die Einstellung von Boni-Zahlungen vorsieht. Betroffen sind Mitarbeiter in der Schweiz und im Ausland. Wie viele der insgesamt 14'000 Angestellten zum Lohnverzicht aufgefordert wurden, gibt Rieter nicht bekannt; laut Rieter sind es aber allein am Standort Niedertöss 150 Mitarbeiter.
Rieter in der Krise
Die drastische Massnahme ist ein weiteres Indiz dafür, wie schlecht es um das Winterthurer Unternehmen steht. In der Krise brachen gleich beide Standbeine des Konzerns ein, die Textilmaschinensparte genauso wie die Automotive-Sparte. Eine rasche Erholung ist nicht in Sicht: Das Management macht sich auf weitere magere Jahre gefasst.
Nach Angaben Grädels wurden die Angestellten nur in Ausnahmefällen per E-Mail zum Lohnverzicht aufgefordert, dies im Gegensatz zu den Informationen, die Bernerzeitung.ch/Newsnet vorliegen. Auch hielten sich die Proteste in Grenzen: «Ein Grossteil der Belegschaft unterstützt die Massnahme.» Allerdings: Laut Insidern stösst die «freiwillige» Lohnkürzung bei Rieter-Angestellten auf Unverständnis. Sie fürchten sich vor negativen Konsequenzen, falls sie der Aufforderung nach Lohnverzicht nicht nachkommen. Nur deshalb lenken viele ein.
Grädel betont indes, diese Angst sei unbegründet: «Wer die Lohnkürzung nicht unterschreibt, muss sich nicht rechtfertigen.» Die Information, ob ein Mitarbeiter der Lohnkürzung zustimme oder nicht, handhabe man vertraulich. «Nur der direkte Vorgesetzte weiss, welche Mitarbeitenden zugestimmt haben.» Die Konzernleitung habe keine Einsicht in die Personalakte.
Gewerkschaften: «Deplatzierte Sparmassnahme»
Arbeitnehmervertreter, welche durch Bernerzeitung.ch/Newsnet auf das Lohnkürzungsprogramm aufmerksam gemacht wurden, schenken diesen Beteuerungen keinen Glauben: «Es ist davon auszugehen, dass Mitarbeiter, die nicht spuren, auf eine schwarze Liste kommen, und sei es nur in den Köpfen der Vorgesetzten», erklärt Beda Moor, Unia-Verantwortlicher für die Deutschschweizer Maschinenindustrie. Er hält Lohnverzichtsprogramme für «deplatziert». Sehr häufig seien solche Sparmassnahmen von den Mitarbeitern nicht erwünscht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.07.2009, 15:41 Uhr
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37 Kommentare
@Ben Müller: Lohnverzicht ist nicht generell abzulehnen, jedoch sollten MA die am Verlust teilhaben müssen auch am Gewinn beteiligt sein. Und per Mail das geht nicht, das ist Feigheit der GL! Was kommt als Nächstes? Kündigung per SMS? Übrigens nützen so temporäre Massnahmen bei langfristigen Problemen nichts. Der Umsatz ist wieder im 2005 angekommen also müssen auch die Kosten wieder dorthin. Antworten
Ein sehr gutes Mittel. Mein Bruder und ich haben als Unternehmer im 1995 diese Methode angewendet allerdings auf freiwilliger Basis. Es wurden Lohnverzicht zwischen CHF 1 und 15 % freiwillig durch alle gemacht. Wir als Unternehmer verzichteten auf Lohn in dieser Zeit. Entlassen wurden nur die 4 Angestellten, die sich nicht bereit erklärten, mitzumachen. Ein Jahr später waren Löhne wieder angehoben Antworten
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