Wirtschaft

Ratingagentur Standard & Poor's knickt vor Banken ein

Ratingagenturen gelten als eine der Hauptursachen der Finanzkrise, weil sie Wertpapiere nicht unabhängig beurteilten, da Banken für die Ratings zahlen. Ein aktueller Fall zeigt: Nichts hat sich geändert.

Rückzieher: Standard & Poor's.

Rückzieher: Standard & Poor's.

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Unglaubliche Kehrtwende der Ratingagentur Standard & Poor's: Einer Reihe von Wertpapieren gab die Ratingagentur am Dienstag wieder das Toprating «AAA» - obwohl sie die Papiere, die unter anderem von Goldman Sachs, Credit Suisse und JP Morgan Chase stammen, erst vergangene Woche herabgestuft hatte. Ohne Toprating können die Papiere nicht im Rahmen eines Programms der Notenbank Federal Reserve als Sicherheit im Gegenzug für Kredite hinterlegt werden. «Financial Times Deutschland» führt den Rückzieher auf Druckversuche zurück und schreibt: «Angesichts der heftigen Proteste von Investoren über die Herabstufung, liegt der Verdacht nahe, dass S&P vor wichtigen Kunden eingeknickt ist.»

«Wir haben eine Reihe von Nachfragen von Marktteilnehmern erhalten in Bezug auf unsere Vorgehensweise bei der Einstufung, die uns veranlasst haben, unseren Ansatz klarzustellen», teilt S&P mit.

Der Kunde ist König

Es ist bekannt: Bonitätsprüfer von Ratingagenturen sind für den Ausbruch der internationalen Finanzkrise mitverantwortlich. Ratingagenturen prüfen die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen, vergeben aber auch Noten für Investmentfonds und komplexe Finanzprodukte.

Dass Ratingagenturen einen erheblichen Einfluss auf das Marktgeschehen haben, zeigt sich darin, dass die Liquidität vieler strukturierter Produkte im Zuge der Kreditkrise trotz guter Ratings fast ausgetrocknet war. Dennoch investierten fast 63 Prozent der befragten Investoren in derartige US-Ramschhypotheken, was dazu führte, dass ein Grossteil der Finanzdienstleister diese Produkte in Milliardenhöhe abschreiben musste.

Bisher hat aber noch keine Regierung ein überzeugendes Konzept vorgelegt, wie man die Ratingagenturen besser überwachen und kontrollieren könnte. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Agenturen und Investoren bleibt bestehen: Die Investoren zahlen für die Ratings und sind deshalb an guten Bonitätsnoten interessiert.

Daran wird auch ein neuer Gesetzesentwurf der US-Regierung nichts ändern. Er sieht lediglich Beschränkungen und strenge Transparenzpflichten vor, denen sich die Agenturen künftig unterwerfen müssen.

In ihrem Leitartikel macht «Financial Times Deutschland» einen Vorschlag, wie das Problem zu lösen ist: Investoren sollten in einen Fonds einzahlen, aus dem die Agenturen honoriert werden. Das könnte ein direktes Abhängigkeitsverhältnis zwischen Bonitätswächtern und Investoren verhindern und die Gefahr der Einflussnahme mindern. (bru)

Erstellt: 23.07.2009, 10:00 Uhr

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8 Kommentare

Nadine Binsberger

24.07.2009, 14:13 Uhr
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Unternehmen sollten eigentlich gesellschaftlich-ökonomische Aufgaben erfüllen bzw. uns versorgen mit allem, was wir zum Leben brauchen und noch ein bisschen mehr: Nahrung, Kleidung, Behausung, Energie, Kommunikation, Transport, Pflege, Bildung, etc. Ratings sagen gar nichts aus über die Erfüllung dieser Aufgaben, dafür umso mehr über die Schlitzohrigkeit beim Schaffen vermeintlicher "Werte". Antworten


Alexander Marti

23.07.2009, 23:58 Uhr
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Wie lange wollen wir denn noch zuschauen, wie die Reichsten ohne Arbeit immer reicher werden ? Geld arbeitet nicht, es sind immer Leute, die für den Reichtum der Investoren arbeiten. Ich bin überzeugt: In 100 Jahren fragen sich die Leute, wie die Menschen im 20. und 21 Jh. so dämlich sein konnten, ein solches Wahnsinns-System als "normal" anzuschauen. Wacht endlich auf Leute, wir werden verarscht! Antworten


Werner Kunz

23.07.2009, 17:54 Uhr
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Der beste Weg, um einigermassen sicher zu sein, ist das Studium des Geschäftsberichtes der Firma, in die man investieren will. Antworten


hans zacherl

23.07.2009, 14:45 Uhr
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Selber schuld, wer Aktien oder Optionen aufgrund der Beurteilung von Rating Agenturen kauft. Ich habe bis anhin den gesunden Menschenverstand walten lassen und bin gut damit gefahren ... Antworten


Jens Gloor

23.07.2009, 12:42 Uhr
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Das Problem ist nach wie vor die SEC, die auch bei Madoff versagt hat. Ein System wie eine Rating -Agentur sollte strikten Richtlinien unterworfen sein - das wäre eher vertrauensbildend, sonst jagt ein 'Witz' den Nächsten und global leiden alle darunter. Aber wenn man nichts vom dem versteht, was man zu überprüfen hat, dann ist 'Essig'... Antworten


Rolf Jucker

23.07.2009, 12:25 Uhr
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Dass Ratingagenturen nichts taugen, weil sie an den zutreffenden Tatsachen vorbeischreiben (müssen), weiss man schon lange. Politik und Wirtschaft können und wollen das nicht ändern. Man sieht's ja: Es fängt schon wieder an, der Vorhang geht wieder auf..... Was bleibt, ist die intensivere eigene Beschäftigung des Anlegers mit Wertpapieren bzw. den dahinterstehenden Unternehmen, oder Finger weg. Antworten


Rolf Schumacher

23.07.2009, 10:48 Uhr
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Die Käuflichkeit von Meinungsmachern ist ein Desaster. Expertisen, Forschungsresultate, aber auch Medien können für Geld gekauft werden können. Ein Formum wie dieses hier sollte jedem zugänglich sein. Ich hoffe, dass dies immer so bleiben wird, es darf kein MEINUNGSDIKTAT geben. Sonst müssen wir uns nicht wundern wenn die Herde gekauften AAA in den Abgrund folgt. Antworten


Ueli Burkhard

23.07.2009, 10:12 Uhr
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Poor rating! Bedenklich. Antworten




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