Pendlerzeitung «.ch» wird eingestellt – 69 Angestellte entlassen

Die Gratiszeitung «.ch» wird eingestellt. Ausschlaggebend sind wirtschaftliche Gründe. Bereits am Dienstag erscheint das Blatt nicht mehr. Betroffen sind 69 Mitarbeiter, 61 Stellen verschwinden.

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Dies entspricht 61 Stellen, wie der Verwaltungsrat der Punkt ch AG am Montag mitteilte. Der Entscheid zur definitiven Einstellung stehe unter dem Vorbehalt der Mitwirkungsrechte der Mitarbeitenden, heisst es weiter.

Dieses Mitwirkungsrecht kommt zum Zug, wenn Massenentlassungen ausgesprochen werden. Die Mitarbeitenden hätten nun zwei Wochen Zeit, Lösungen für einen allfälligen Weiterbetrieb zu machen, sagte Verwaltungsratspräsident Ernst Buob auf Anfrage. «Wir halten uns damit an das Gesetz.» Grosse Chancen sehe er nicht.

Denn der Verwaltungsrat sei nach sorgfältigen Überlegungen zum Schluss gekommen, dass das Pendlerblatt nicht wie geplant 2011 rentabel sein würde. Die Investoren müssten jetzt hohe, zweistellige Millionensummen einschiessen. Dazu seien sie nicht bereit, so Buob.

Grosse Betroffenheit auf Redaktion

Auf der Redaktion sei die Betroffenheit gross, sagte Chefredaktor Rolf Leeb auf Anfrage. Nach dem erfolgreichen Neustart sei man «gut unterwegs, zuversichtlich und voller Elan gewesen». Allerdings habe er angesichts der wirtschaftlichen Lage ein gewisses Verständnis für den Entscheid des Verwaltungsrates.

Die Mediengewerkschaften comedia und impressum fordern einen «fairen Sozialplan». In Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen Situation stehe der Verlag besonders in der Pflicht, schreibt comedia. Ein Sozialplan sei nicht vorgesehen, sagte dagegen Buob gegenüber der Tagesschau des Schweizer Fernsehens.

Impressum bezweifelt zudem, dass nur die wirtschaftliche Entwicklung für die Misere verantwortlich ist. Vielmehr sei der Markt mit Gratisprodukten überschwemmt und bewusst Überkapazitäten in Kauf genommen worden. Es sei höchst bedauerlich, dass die Medienschaffenden nun die Zeche für den Verdrängungswettbewerb unter den Anbietern von Gratiszeitungen bezahlen müssten.

Diese Kritik richtet sich insbesondere an «News» von Tamedia. Sprecher Christoph Zimmer sagte auf Anfrage, dass «News» vor allem darauf angelegt sei, neue Leser in den zusammengeschlossenen Medienverbünden (»Tages-Anzeiger», «Basler Zeitung», «Berner Zeitung») zu gewinnen. Die Einstellung von «.ch» werde an dieser Strategie nichts ändern.

Aus nach eineinhalb Jahren

».ch» ist Mitte September 2007 erstmals erschienen. Nach einer schwierigen Anlaufphase wurde «.ch» im Oktober 2008 neu lanciert. Blatt-Gründer Sacha Wigdorovits schied aus. Das neue redaktionelle Konzept und die ausschliessliche Verteilung über Boxen und Kolporteure hatten dazu geführt, dass die Zahl der täglichen Leser innert weniger Monate auf rund 400 000 beinahe verdoppelt werden konnte.

Im Januar 2009 hatten die Aktionäre des Gratisblattes «.ch» mit einer neuen Betriebsgesellschaft gestartet. Sie löste die Firma Media Punkt AG ab.

Bei der Neulancierung hatten die Aktionäre noch eine Aufstockung des Aktienkapitals der alten Gesellschaft von 10 auf 18 Millionen Franken geplant. Dieses Vorhaben war aber am Willen der Investoren gescheitert. Sie bewilligten 5 Millionen Franken.

Die Gratis-Tageszeitung erschien seit der Neulancierung in mehreren Schweizer Städten in rund 2000 Zeitungsboxen auf öffentlichem Grund. Die frühere Hauszustellung wurde im Oktober als Fehlschlag beurteilt und durch den neuen Vertrieb abgelöst. (sam/sda)

(Erstellt: 04.05.2009, 19:55 Uhr)

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