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Pädagogisch nicht wertvoll

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 18.02.2011 106 Kommentare

Kinder sind begeistert davon, die Eltern eher weniger: Nanos. Auch Konsumentenschützer und Pädagogen sind sich uneins, was sie von den Spielzeugpillen der Migros halten sollen.

Pillen, Sticker, Games: Die Nanos sind gleich mehrfach im Einsatz.

Pillen, Sticker, Games: Die Nanos sind gleich mehrfach im Einsatz.

Erst Dominomania, dann Oceanmania und jetzt Nanomania. Die neue Sammelaktion der Migros hat erneut eingeschlagen: Die Kinder sammeln die farbigen Pillen wie wild, tauschen sie auf dem Schulhausplatz und liegen damit ihren Eltern in den Ohren. Auf Youtube und der Nanomania-Homepage werden rege Fanvideos hochgeladen.

Doch nicht nur Eltern sind geteilter Meinung, was die Spielzeugpillen anbelangt. Dass über Kinder Marketing betrieben und das Kaufverhalten der Eltern beeinflusst wird, stösst sauer auf.

«Wertloses Spielzeug»

Etwa Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule. Er hält von der Nano-Manie nichts. «Das ist Mist», sagt er, «unmöglicher Plastik-Schnickschnack, wertloses Spielzeug, das das Zwangsverhalten bei Kindern fördert.» Migros nutze aus, dass Kinder noch keine ausgereifte Impulskontrolle haben. «Man weckt das Bedürfnis der Kinder, die zu quengeln anfangen und die Eltern dazu bringen, in der Migros einzukaufen.»

Zu versuchen, Kunden an sich zu binden, findet Fichter zwar legitim. «Aber nicht indem man Kinder süchtig macht. Der Begriff ‹Mania› spricht Bände. Die Migros muss sich fragen: Ist es das, was die Kunden wirklich wollen?»

«Perfid und raffiniert»

Gemäss Fichter haben Studien gezeigt, dass die Konsumenten lieber günstigere Produkte hätten und auch junge Kunden durch ein positives Einkaufserlebnis besser an den Detailhändler gebunden würden. «Aber es funktioniert. Die Idee ist perfid und raffiniert zugleich. ‹Nanomania› bringt der Migros einen signifikanten Zuwachs an Konsumenten.»

Auch der Schweizerische Konsumentenschutz erachtet die Nanomania als problematisch. «Der Spiel- und Sammeltrieb der Kinder wird missbraucht», heisst es von Seiten der Stiftung. Das Weiteren könne Gruppendruck entstehen, wenn ein Kind als einziges keine Nanos habe – und dieser könne sich wiederum auf die Eltern auswirken.

«Pädagogisch indifferent»

Roland Reichenbach, Professor für Pädagogik an der Universität Basel, sieht das gelassener. «Man kann kritisieren, dass die Kinder durch die Aktion ‹manipuliert› werden, aber aus pädagogischer Sicht sind die Nanos sicher unproblematisch», sagt er, «man könnte fast sagen, sie sind pädagogisch indifferent.»

Es müsse ja auch nicht alles pädagogisch wertvoll sein, findet Reichenbach, der selbst Vater ist. «Die Kinder sehen die Nanos als Spielzeug. Was sie aber damit machen, ist nicht steuerbar.» Positiv sei zu werten, dass die Nanos «Anlass für Koordination» geben, sprich, dass sich die Kinder mit Gleichaltrigen austauschen. Auch weitere «nicht intendierte Anlässe» wie zwangsläufige Diskussionen mit den Eltern treten auf, die ebenfalls ihre pädagogische Relevanz hätten. «Dass dahinter ein Riesengeschäft steckt, steht auf einem anderen Blatt.»

Treue Kunden belohnen

Tatsächlich ist die Nanomania gemäss Migros-Sprecherin Martina Bosshard «sehr gut angelaufen». In den zwei Wochen wurde die Nanomania-Seite über 372'000-mal besucht, 23'000 Personen haben sich für das Online-Spiel registriert und die iPhone-App wurde über 50'000-mal heruntergeladen.

Mit negativen Stimmen habe man von Anfang an gerechnet, sagt Bosshard. «Offenbar lassen sich Erwachsene weniger schnell auf die Nanos ein als Kinder und Jugendliche.» Man habe die Kunden für ihre Treue belohnen und etwas Lustiges lancieren wollen, an dem die ganze Familie Freude habe. Ausserdem könne man bereits mit wenigen Nanos spielen und müsse nicht unbedingt alle sammeln. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.02.2011, 12:06 Uhr

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106 Kommentare

Morten Lupers

19.02.2011, 10:43 Uhr
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Wer seinen Kindern nicht erklären kann, dass die Dinger wertloser Mist sind, und darum im Migros einkaufen MUSS, ist als Elternteil gescheitert. Mein Sohn nimmt die wenigen, die wir bekommen und legt sie nach kurzer Zeit desinteressiert weg. Und das ohne dass ich ihm gesagt hätte, wie bescheuert ich die Dinger finde. Das Riesen-Werbebudget hätte die Migros in was gescheiteres stecken können. Antworten


Andrea Mordasini

01.03.2011, 22:26 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Bin Mami und nicht begeistert von diesen hässlichen Nanos.Da ich oft im Migi einkaufe, nehme ich sie und lege sie zu Hause weg.Die Kids sind noch zu klein (4+2.5) um damit zu spielen, sie könnten sie verschlucken.Das ist mir zu riskant.Kaufe nicht mehr oder nur am MI ein, finde ich sinnlos.Es muss niemand sammeln, der nicht will, es ist freiwillig.Wir Eltern tragen die Verantwortung, nicht Migros! Antworten



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