OC Oerlikon streicht bis 2011 weitere 1700 Stellen
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 27.05.2010 3 Kommentare
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Weil OC Oerlikon (OERL 8.12 0.00%) 268 Millionen neue Aktien ausgeben will, um ihre maroden Finanzen zu sanieren, musste eine von der UBS angeführte Bankengruppe einen sogenannten Prospekt erstellen. Dieses Papier, das dem TA vorliegt, erklärt Oerlikon-Aktionären und interessierten Investoren auf 316 Seiten, wie die Rekapitalisierung abläuft, wo die Chancen und die Probleme liegen. Weil ein Prospekt auch die Risiken präzise benennen muss, kommt so manches ans Licht, was Kapital suchende Firmen lieber nicht ansprechen oder herabspielen.
Zukunft weiterhin gefährdet
Nach Einschätzung der UBS-Spezialisten, die den Prospekt verfasst haben, bleibt die Zukunft von OC Oerlikon gefährdet, wenn nicht bald der Aufschwung kommt. Obwohl der Konzern «ein umfassendes finanzielles Restrukturierungspaket» ausgehandelt habe, gebe es «keine Gewissheit, dass ein anhaltender Rückgang oder eine Stagnation der Wirtschaft seine Fähigkeit nicht in Gefahr brächte, seine Verpflichtungen nach den finanziellen Abmachungen zu erfüllen», die Teil des Restrukturierungsplans seien. Im schlimmsten Fall müsse Oerlikon sich von ganzen Geschäftszweigen trennen. Damit es nicht so weit komme, habe Oerlikon über 700 Massnahmen beschlossen, die zum grossen Teil bereits umgesetzt seien, um die Kosten an den seit 2008 brutal eingebrochenen Umsatz anzupassen.
Oerlikon hat mehrmals einen grossen Abbau angekündigt. Die bis Ende 2009 vollzogene Streichung von 2000 Vollzeitstellen reicht offenbar nicht aus, trotz Sanierung. «Fortlaufende Restrukturierungsmassnahmen, die noch in der Planungsphase sind», hätten die «Eliminierung» weiterer Arbeitsplätze zur Folge, steht im Prospekt: «Bis 2011 ist eine weitere Nettoreduktion von rund 1700 Vollzeitstellen vorgesehen.»
400 Millionen einsparen
Im Klartext heisst das, dass der bis nächstes Jahr geplante Abbau mehr als jeden Zehnten der derzeit rund 16 300 Arbeitsplätze zum Verschwinden bringt. Genau genommen, dürfte der Abbau noch grösser ausfallen. Denn zum einen werden Vollzeitstellen abgebaut, was bedeutet, dass die Zahl der Betroffenen wegen der Teilzeiter höher ausfällt. Zum anderen ist von einem «Netto»-Abbau die Rede: Weil selbst die angeschlagene Oerlikon Spezialisten einstellt, werden etwa in der Produktion umso mehr Leute entlassen, damit bis 2011 unterm Strich die angekündigten 1700 Vollzeitstellen als Kostenblock verschwinden.
Wie hart Oerlikon auf Druck der Banken auf die Kostenbremse tritt, zeigen die von Sanierer Hans Ziegler angestrebten Einsparungen. Verglichen mit der Kostenbasis 2008, sollen die Kosten bis Ende 2010 rund 350 Millionen Franken tiefer liegen, auf Ende 2011 wird eine jährliche Kosteneinsparung von 400 Millionen Franken angestrebt.
Harter Sparkurs
Die Ausgabe neuer Aktien sollte Oerlikon 837 Millionen Franken einbringen. Davon gehen 24 Millionen Franken als Kosten für die Kapitalmassnahmen weg – der Löwenanteil an die UBS und andere Banken. Vom Rest sollen 559 Millionen Franken zur Tilgung von Schulden eingesetzt werden. In die Kasse fliessen offenbar nur 278 Millionen Franken. Die Nettoverschuldung soll unter eine Milliarde Franken sinken. Die Zinslast bleibe dennoch hoch, heisst es im Prospekt – auch darum der harte Sparkurs.
Der Prospekt legt auch offen, wie Oerlikon in der Hochkonjunktur auf Pump expandiert hat. Im Rückblick wird klar, dass der Textilmaschinen- und Getriebekonzern Saurer Ende 2006 viel zu teuer gekauft wurde. Und: Der Kaufpreis von 1,912 Milliarden Franken wurde zu 100 Prozent mit Krediten finanziert.
Aktienrückkäufe auf Pump
Wie sehr der Konzern über seine Verhältnisse lebte, zeigt beispielsweise der Rückkauf von 280 000 Oerlikon-Aktien – er wurde auf Kredit finanziert. Mit dem Resultat, dass Millionen abgeschrieben werden mussten, als der Kurs in die Tiefe rauschte. Als im Herbst 2008 eine schwere Wirtschaftskrise Oerlikons Erträge einbrechen liess, erdrückte die Schuldenlast den Maschinenkonzern immer mehr. Schon Mitte 2009 sei klar gewesen, so der Prospekt, dass Oerlikon am Rand der Pleite stand, es blieb nur noch die Sanierung, welche die Aktionäre 95 Prozent des Einsatzes kostet.
Die Aussichten von Oerlikon für die nächste Zeit beschreibt der Prospekt, ausser bei Maschinen und Balzers (Beschichtungstechnik), als wenig erhebend. Im Zukunftsgeschäft Solar tendieren die Bestellungen gar gegen null. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.05.2010, 07:53 Uhr
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3 Kommentare
Da haben offensichtlich die Österreicher Stumpf und Pecik ganze Arbeit geleistet, unisono mit Hilfe der Banken, welche auf Firmenzukäufe spezialisiert sind. Immer Grösser immer besser und am Ende des Tages wurde alles auf Pump gekauft und den Bach hinabgeschickt. Die Bereicherer sind längst abgezogen, das Nachsehen haben die "dummen" Aktionäre und PK's Antworten
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