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«Noch vor kurzem lachte man uns aus»

Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 04.01.2012 1 Kommentar

Die Rechtsform der Genossenschaft habe der Mobiliar nur Vorteile gebracht, sagt Verwaltungsratspräsident Urs Berger. Zwar könne sie kaum Kapital aufnehmen und ins Ausland expandieren, doch das mache sie dafür unabhängig.

Die Mobiliar feiert als Genossenschaft Erfolge.

Die Mobiliar feiert als Genossenschaft Erfolge.
Bild: Keystone

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Urs Berger, Präsident der Mobiliar. (Bild: Susanne Keller)

Korrektur-Hinweis

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Herr Berger, noch vor einigen Jahren galten Genossenschaften als rückständig. Jetzt werden sie plötzlich von allen Seiten gelobt. Empfinden Sie Genugtuung?
Urs Berger: Natürlich freut mich das. Vor acht Jahren wurde die Mobiliar fast ausgelacht. Damals hiess es, wir sollten endlich an die Börse gehen, Kapital aufnehmen und kräftige Gewinne einfahren. Jetzt erhalten wir die Bestätigung, dass wir den richtigen Weg gewählt haben. Als Genossenschaft haben wir eine vorsichtige Eigenkapitalstrategie verfolgt und verfügen deshalb in der heutigen Wirtschafts- und Finanzkrise über komfortable Reserven. Gleichzeitig müssen wir uns trotz der grossen Kapitalbasis nicht vor Übernahmen fürchten, weil man eine Genossenschaft nicht kaufen kann.

Der Nachteil ist aber, dass Sie als Genossenschaft kaum ins Ausland expandieren können.
Wenn wir im Ausland wachsen möchten, kämen wir an unsere Grenzen. Aber solche Übernahmen sind gar nicht nötig, wir wachsen harmonisch im Schweizer Markt.

Im harten Versicherungswettbewerb wären Sie doch besser gerüstet, wenn Sie über ein europaweites Netz verfügten.
Wenn der europäische Markt einheitlich wäre, dann würde das stimmen. Doch weil die Bestimmungen für Versicherungen von Land zu Land variieren, profitieren auch weltweit agierende Versicherungen wie die Axa-Winterthur oder die Zurich kaum von Synergien. Die Administration macht bei Versicherungen ohnehin nur ein Sechstel bis ein Fünftel der Gesamtkosten aus.

Und falls sich die Voraussetzungen im globalen Markt ändern? Müsste die Mobiliar dann doch noch zur Aktiengesellschaft werden?
Im Moment haben wir keinerlei Ambitionen, etwas zu ändern. Wir tragen mit der Genossenschaftsform auch unserer Geschichte Rechnung: Unsere Versicherungsgesellschaft entstand aus einem Solidaritätsgedanken: aus der Idee, dass viele helfen, wenn ein Einzelner unter einem Schaden leidet. Wir geniessen eine grosse Glaubwürdigkeit, weil wir keinen Investoren oder Anlegern verpflichtet sind, sondern nur unseren Mitgliedern und unseren Kunden. Und wir können die Überschüsse unseren Genossenschaftern weitergeben – oder sie für Projekte wie den Hochwasserschutz einsetzen.

Zur Glaubwürdigkeit gehört auch Transparenz. Die Schweizer Genossenschaften haben sich jedoch erfolgreich dagegen gewehrt, dass das Parlament ihre Transparenzregeln verschärft.
Das Ziel war, die Transparenzregeln über das Aktienrecht anzupassen. Das finde ich nicht richtig. Man darf Genossenschaften und Aktiengesellschaften nicht in einen Topf werfen. Schliesslich gibt es ein eigenes Genossenschaftsrecht. Um solche Aspekte in Erinnerung zu rufen, haben wir 2011 zusammen mit anderen Genossenschaften wie Raiffeisen, Fenaco und Mobility eine Interessengemeinschaft Genossenschaftsunternehmen gegründet.

Damit Sie im Bundeshaus besser lobbyieren können?
Nein, nein, wir sind keine Lobbying-Gesellschaft, sondern es geht darum, auf die besonderen Werte und Eigenheiten einer Genossenschaft aufmerksam zu machen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.01.2012, 11:55 Uhr

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1 Kommentar

Christian Uebelhard

04.01.2012, 13:51 Uhr
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Besten Dank für den Artikel über die Genossenschaft- keine Selbstverständlichkeit, meiner Erfahrung nach.
Beim Fazit bin ich nicht ganz Ihrer Meinung, da auch bei Genossenschaften, wie in jeder anderen Rechtsform, die darin tätigen Menschen, ihre Kultur, Bildung, Informationsstand, Engagement etc. sehr entscheidend ist für den Erfolg oder Misserfolg.
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